Okt 01, 2019

Warum ich Informatik studiere (und Chemie studierte)

Seit Wintersemester 2019/2020 studiere ich Informatik, also quasi seit jetzt. Wie die ein oder andere Person vielleicht mitbekommen hat, habe ich bereits vorher Chemie studiert und bin zur Informatik gewechselt. Im Grunde genommen will ich einen Beitrag zu meiner Studienmotivation und -inspiration schreiben. Allerdings lässt sich das für beide Studiengänge schwer trennen. Obwohl die Studiengänge an sich doch ziemlich unterschiedlich sind, sind sie doch beide grob im MINT-Bereich anzusiedeln.

Als ich mein Studium der Chemie vor zwei Jahren begann, war es für mich schon mehr oder weniger einige Zeit klar, dass ich mich für etwas im Bereich der Naturwissenschaften entscheiden würde. Informatik habe ich damals zwar auch überlegt, aber irgendwie... habe ich mich zu diesem Zeitpunkt nicht gut genug dafür gefühlt. Es ist schwierig zu beschreiben und ich möchte hier auch gar nicht so klingen, als wäre Informatik für mich immer das Wahre gewesen. Ehrlich gesagt glaube ich auch nicht, dass es für mich das Wahre im Sinne eines einzigen Studienfachs, in dem ich voll aufgehen und meine gesamte Zeit investieren kann, gibt. Ich behaupte, dafür insgesamt zu vielseitig, zu verstreut in meinem Denken zu sein, während mir gleichzeitig die Flexibilität fehlt, mich langfristiger permanent mit einem Thema oder einem Themenbereich zu befassen. Es wohnt eben mehr als eine aufmerksamkeitsbenötigende Seele in meiner Brust. Das ist wohl einer der Gründe, aus denen es in der Chemie für mich eher weniger was wurde.
Gleichzeitig bin ich an dieser Welt interessiert. Ich will wissen, wie Vorgänge funktionieren, wie Systeme miteinander reagieren und wechselwirken. Ich bin neugierig, gewissermaßens wissensdurstig und will etwas verstehen. Zu Beginn des Chemiestudiums gab es zu statistischen Zwecken und generellem Interesse einen Fragebogen, der unter anderem die Frage enthielt, warum wir denn Chemie studierten. In meinem Deutschunterricht war ich schon ein Nerd, sodass ich mit "Daß ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält" antwortete. Interessanterweise gilt diese Antwort auch für mein Studium der Informatik.

Die Welt der Chemie ist im Grunde genommen eine Welt der Außenelektronen, eine Welt der Verbindungen zwischen Stoffen, eine Welt der Stoffumwandlung. Ich würde nicht sagen, dass ich diese Welt bereits verstanden habe. Das ist okay. Ich habe immerhin ein wenig Erkenntnis erlangt.
Die Welt der Informatik ist für mich gerade einerseits eine altbekanntes Wunderland, an dessen Oberfläche ich bereits gekratzt habe, andererseits noch in den Tiefen unentdeckt, unbekannt, weil es eben noch so viel für mich zu lernen gibt, was ich aktuell nicht überblicke. Allwissend bin ich sicherlich nicht. Mir ist noch nicht einmal wirklich viel bewusst, sodass ich von mir behaupten würde, dass ich wenig weiß. Allerdings bin ich mit dieser Welt des Internets aufgewachsen. Insofern kenne ich schon immerhin etwas als Bewohnerin dieser Welt, als Digital Na(t)ive. Vielleicht ist also die Antwort auf diese Frage, dass die Welt von einem Haufen an Kupfer und Glasfaser zusammengehalten wird.

Im Idealfall verstehe auch nicht nur, wie ein System funktioniert. Das ist ein Teil des ersten Schritts. Wenn ich allerdings ein System verstanden habe, dann kann ich es in den meisten Fällen auch beeinflussen und gewissermaßen manipulieren. In der Chemie bedeutet das im einfachsten Fall, Reaktionen nachzuvollziehen und Komponenten zu ändern, um ein anderes, eher gewünschtes Ergebnis herbeizuführen. Das kann beispielsweise in der organischen Chemie passieren, wenn über verschiedene Reaktionsmechanismen ein bestimmtes Produkt herauskommen soll.
In der Informatik bedeutet das was? Ich habe es bisher nie so einfach gefunden, Systeme zu beeinflussen. Das Programmieren ist vermutlich das Paradebeispiel, weil ich hier sogar den Eindruck habe, meine eigene Welt erschaffen zu können, lediglich begrenzt durch die technischen Fähigkeiten meines Gerätes (und meine eigenen Fähigkeiten). Klar, meine Sprache benötigt eine gewisse Syntax, aber im Grunde genommen erschaffe ich ein System. Wenn ich es möglichst treibe, kann ich sogar mein eigenes Betriebssystem entwickeln, meine eigene Hardware zusammennbasteln. Aber so weit treiben es vermutlich die wenigsten Menschen, würde ich an der Stelle mal zu behaupten wagen. Im Grunde genommen kann ich also einfach meine Systeme manipulieren, vielleicht sogar etwas mehr den "Learning By Doing"-Ansatz verfolgen als in der Chemie, in der das Ausprobieren logistisch und gefahrentechnisch schwierig sein kann. Dieses Problem wäre beispielsweise durch Simulationen lösbar, womit wir wieder in der Informatik wären.
Somit bin ich gewissermaßen wieder bei der Frage nach meinen beiden Studiengängen. Chemie oder Informatik? Nein. Chemie mit Informatik, Informatik mit Chemie. Das muss kein Widerspruch sein. Klar, ich muss mich für einen Studiengang entschieden und nach meinen Erfahrungen im Chemiestudium habe ich mich eben für die Informatik entschieden.

Das Semester hat gerade erst begonnen und somit ist es definitiv zu früh, um eine genaue Einschätzung der Lage zu treffen. Natürlich habe ich Gedanken, die in die Richtung einer zweiten Chance gehen, was eigentlich passiert, wenn ich dieses Studium doch nicht schaffe. Im Grunde genommen hatte ich die Sorge, dass genau diese Angst mich in meinem Studium begleitet. Aber nach diesem ersten Tag fühle ich mich ziemlich entspannt. Ich schiebe es darauf, dass ich grob eine Ahnung vom Konzept des Studiums habe. Ich bin wieder im ersten Fachsemester, aber habe mehr Erfahrung als im Chemiestudium, was mir durchaus hilft. Ich freue mich jedenfalls.

Sep 23, 2019

Bisexualität am Bi-Visibility-Day

Heute ist der Tag, an dem Bisexualität gefeiert wird, nämlich der Bi-Visibility-Day. Im Grunde genommen ist das auch für mich ein toller Tag, denn ich bin bisexuell. Dieser Tag bringt einerseits Aufmerksamkeit auf das Thema, dass bisexuelle Menschen existieren und hilft gleichzeitig dabei, Vorurteile abzubauen, auf Diskriminierungen aufmerksam zu machen und Sichtbarkeit für das Thema zu schaffen.

Vielleicht sollte ich einmal von vorne anfangen und über den Begriff Bisexualität reden. Denn auch leider passieren hier immer mal wieder Missverständnisse, beispielsweise, dass Bisexualität immer bedeutet, in Bezug auf zwei Geschlechter, nämlich männlich und weiblich, partnerschaftliche Liebe und sexuelle Anziehung erfinden zu können, idealerweise auch im Verhältnis von 50 Prozent für jedes Geschlecht.
Das stimmt nicht. Das kann Bisexualität bedeuten, aber die eigentliche Definition geht noch viel weiter. Bisexualität bedeutet als Oberbegriff eine Anziehung zu mehr als einem Geschlecht. An dieser Stelle möchte ich auch gerne die Definition von Robyn Ochs anführen:

I call myself bisexual because I acknowledge that I have in myself the potential to be attracted – romantically and/or sexually – to people of more than one gender, not necessarily at the same time, not necessarily in the same way, and not necessarily to the same degree.

Bisexualität beschreibt also wie auch immer geartete Anziehung zu mehr als einem Geschlecht, unabhängig von Zeitpunkt, Art und Tiefe. Diese Definition von Bisexualität erkennt nämlich auch an, dass mehr als zwei Geschlechter existieren, fernab vom binären System der Männlichkeit und Weiblichkeit. Insofern kann Bisexualität bedeuten, dass jemand beispielsweise sexuell, romantisch oder beides zu Menschen im Spektrum Demigender sowie Frauen hingezogen fühlt. Bisexualität kann aber auch bedeuten, dass einer Person egal ist, welches Geschlecht andere Menschen haben und sie sich zu allen Geschlechtern hingezogen fühlen kann.
Mir ist bewusst, dass auch der Begriff der Pansexualität existiert und das bedeuten kann, was Bisexualität bedeutet. Ich selbst bin regelmäßig verwirrt, unter welchen dieser beiden Begriffe ich mich denn nun stecken soll, weil sowohl Bisexualität nach der Definition von Robyn Ochs als auch Pansexualität nach geschlechtsunabhängigem Begehren passt. Meine zeitlich gesehen erste Wahl war die Bisexualität, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr entscheide ich mich bei dieser Frage nach meinem aktuellen Bauchgefühl oder erkläre meine Sexualität genauer. Ich habe demnach kein Problem damit, wenn ich sowohl als bisexuell als auch als pansexuell gesehen werde, ich selbst tue mich ja selbst schwer, diese Begrifflichkeiten für mich zu trennen. Was andere Menschen angeht, so kann ich natürlich nicht für diese sprechen und deren Sexualität kann vollkommen anders sein, auch, wenn sie bisexuell sind, weil dieses Begriff so vieles umfassen kann.

Gleichzeitig existiert da noch dieser riesige Haufen an Vorurteilen, Diskriminierungen, in manchen Fällen vielleicht einfach auch Missverständnissen nach der Definition von Bisexualität. Das geht schon damit los, dass ich ausgerechnet am Bi-Visibility-Day von einer Plattform, die sich für queere Menschen einsetzen und diese informieren will, diverse Vorurteile lesen und sehen darf. Bisexualität ist kein "Zwischenwert", wenn jemand nicht eindeutig heterosexuell oder homosexuell ist. Bisexualität ist eine eigene Sexualität, kein Zwischending. Zugleich macht es eine bisexuelle Person nicht weniger bisexuell, wenn ihre bisherigen Partnerschaften überwiegend mit Menschen eines bestimmten Geschlechts waren. Außerdem macht es monogam lebende Bisexuelle nicht weniger bisexuell, wenn sie eine langjährige Beziehung mit einer Person eines Geschlechts haben. Selbst, wenn eine bisexuelle Frau einen bisexuellen Mann heiratet und sich dazu entschieden, monogam zu leben, wird keine einzige Person davon hetero. Wenn zwei bisexuelle Agender heiraten und sich dazu entscheiden, monogam zu leben, wird keine einzige Person davon homosexuell.
Also bitte überdenkt eure Vorurteile, deckt eigene problematische Gedankengänge auf und feiert Bisexualität, danke.

Sep 20, 2019

Stromerzeugung in Deutschland mit vielen öffentlichen Daten

Durch die aktuelle Aufmerksamkeit, die das Thema des Klimawandels vollkommen zurecht erfährt, wird vergleichsweise oft über einen großen Sektor der CO\(_2\)-Emissionen gesprochen: Energiewirtschaft oder besser gesagt der Bereich der Stromerzeugung. Nach dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sind wir im Jahre 2017 bei 328 Millionen Tonnen CO\(_2\)-Äquivalenten. Das ist nicht gerade wenig.
CO\(_2\)-Äquivalent bedeutet übrigens, dass klimaschädliche Gase mit Kohlenstoffdioxid verglichen werden und in Relation damit gesetzt werden. Dadurch wird das Treibhauspotential dieser Stoffe dargestellt und wir haben solche Angaben von Millionen Tonnen CO\(_2\)-Äquivalenten.

Demnach möchte ich über den Strom in Deutschland schreiben. Ich muss sagen, darüber habe ich mir bisher nicht viele Gedanken gemacht. Klar bemerke ich und nehme die Daten auf, die immer mal wieder durch die Gegend fliegen. 30, 40 Prozent erneuerbare Energien in Deutschland, ein Drittel Kohle. Genauere Daten liefert beispielsweise das Fraunhofer-Institut.
Großen Verbesserungsbedarf hatte ich kaum. Ich bin auf Ökostrom gewechselt, meine Eltern schon seit Jahren, den Bonus gibt die Solaranlage auf dem Dach. Sie haben sich doch schon relativ früh für diese Form der Energiewende entschieden. Genau deswegen bekamen meine Eltern vor kurzem Post. Künftig erfolgt nämlich die Registrierung ihrer Anlage über das Marktstammdatenregister, von dem sie zunächst nicht so begeistert waren, weil sie möglichst wenig Daten im Internet angeben wollen. Nach ein paar Nachforschungen war's das aber mit den Zweifeln.

Ich hingegen habe damit ein großartiges Tool gefunden. Das Marktstammdatenregister liefert in einem Web-Interface eine Übersicht über die Stromerzeugungseinheiten. Verschiedene Filter lassen die Suche spezifischer laufen. Leider fällt aus diesem Interface beispielsweise keine Aussage über den Anteil bestimmter Energieträger am Gesamtstrom bezogen auf die Leistung. Der Export als .csv liefert leider auch nur 5000 Einträge. Allerdings stellt die Bundesnetzagentur alle Daten in drei Excel-Files zur Verfügung. Ja, das hat mir innerlich sehr weh getan. Aber prinzipiell lassen sich daraus verschiedene Daten in einem solchem Umfang gewinnen, wie es im Web-Interface (aktuell) nicht möglich ist. Ich empfehle die Umwandlung in .csv, das vereinzelte Auslesen und spätere Zusammenführung, das musste ich zumindest tun, um meinen Laptop nicht zu grillen.
Tatsächlich sind dabei auch ganz interessante Daten erkennbar, beispielsweise, dass rein quantitativ ohne in Bezug auf die eigentliche Leistung eine Vielfalt an Solaranlagen existiert, die aber leider nicht den Großteil des Stroms erzeugen.

Für alles, worüber ich hier schreiben möchte, ist aber bereits das Web-Interface ausreichend. Ich kann mir dabei beispielsweise anschauen, wie die Stromversorgung in meinem Bundesland, meiner Gemeide oder meiner Stadt aussieht. Für aktive Stromerzeugungseinheiten in Bayern ergibt das noch immer 679221 Ergebnisse, in Regensburg immerhin nur noch 524. In Regensburg befindet sich immerhin kein Kohlekraftwerk und kein Atomkraftwerk, stattdessen existiert eine Masse an Solaranlagen. In Bayern insgesamt existieren sechs Ergebnisse für Steinkohle, so viel dann auch zum Mythos, dass dieses Bundesland keinerlei Kohlestrom erzeugt. Genauso gibt es auch zwei Kernkraftwerke.
Mein "zweites" (chronologisch gesehen erstes) Bundesland ist das Saarland, von dem ich schon direkt weiß, dass es keinerlei Atomkraftwerke hat. Stattdessen wartet im nahe gelegenen Frankreich das Kraftwerke Cattenom, was in den letzten Jahren viel Kritik erfahren hat. Das Saarland ist übrigens genauso sauber wie Bayern, was den Braunkohlestrom angeht: Es existiert kein einziges Braunkohlekraftwerk. Für Steinkohle fallen acht Ergebnisse raus, wobei es in einigen Fällen so ist, dass verschiedene Blöcke eines Kraftwerks zu zwei Ergebnissen führen.
Im Grunde genommen will ich mit diesem kurzen Überblick darstellen, wie cool es eigentlich ist, so viele Daten zur Stromerzeugung zur Verfügung zu haben und sich anschauen zu können. Ich hoffe, dort immer mal wieder weitere, erneuerbare Energien beobachten zu können. Stromerzeugung ist ingesamt nämlich ein ziemlich spannendes Thema, über das wir gleichzeitig einen großen Teil unserer Emissionen steuern können. Insofern: Schaut drauf, wo euer Strom herkommt. Schaut euch Daten an, spielt mit Daten rum.

Sep 06, 2019

Was ich in Retroperspektive gerne vor meinem Studium gewusst hätte

Im Sommer 2017 immatrikulierte ich mich für mein Chemie-Studium an der Universität Regensburg, sodass ich zum Wintersemester 2017/2018 beginnen konnte. Bis dahin war es aber ein gewisser Weg, weil ich ja irgendwie zur Hochschule und zum Studienfach gefunden haben muss. Im Rückblick betrachtet, mit mehr Erfahrungen und mehr Wissen, hätte ich allerdings manche Dinge gerne vorher gewusst.
Demnach möchte ich mich in diesem Beitrag mit all jenem beschäftigen, was ich im eigentlichen Studium gerne früher gewusst hätte, vom ersten Semester bis zum Ende im vierten Semester.

Ich möchte an der Stelle erwähnen, dass für mich schon die Immatrikulation selbst spannend war. Ich bin die zweite Person, die im engeren Familienumfeld studiert. Meine Eltern sind keine Studierten, die Generation davor auch nicht. Die Geschichten, die ich bisher vom Studium kannte, kamen von einer Cousine, die sich mit Bürokratie, Verwaltung und Prüfungsamt rumschlagen musste. Somit war ich zwar schon vorgewarnt, aber eine wirkliche Idee, was wie funktioniert, hatte ich nicht und habe ich auch heute nur in kleinen Teilen.
Als ich mir zudem eine Universität und eine Stadt herausgesucht habe, wusste ich kaum, worauf ich akademisch Wert legen sollte. Prüfungsordnungen waren für mich schwer einzuordnen. Zu erkennen, welche Veranstaltungen wann genau stattfanden, auch.

Gerade, was die Prüfungsordnung angeht, hätte ich im Voraus gerne deutlich mehr gewusst oder eher gesagt aus dem System der Prüfungen und wann sie jeweils angeboten werden. Im Chemie-Studiengang in Regensburg habe ich von Anfang an aufgeschnappt, dass es eine schlechte Idee ist, Prüfungen zu schieben. Das war ein gänzlich neues System für mich. Ich habe dann irgendwann auch herausgefunden, dass Veranstaltungen nur jährlich angeboten werden, genau wie die dazugehörigen Prüfungen. Ich habe bereits von studierenden Menschen aus meinem Freundes- oder Bekanntenkreis mitbekommen, dass solche Prüfungen oftmals ein Semester später wieder stattfinden. Nein, passiert nicht. Das ist vielleicht schon daran ersichtlich, dass der Studiengang Chemie nur im Wintersemester begonnen werden kann, aber dieses Wissen habe ich jetzt. Das hatte ich zum damaligen Zeitpunkt nicht.
Jedenfalls führt dieses Phänomen der jährlich stattfindenden Prüfungen zu einem weiteren Problem in Verbindung mit der Prüfungsordnung. Denn wenn ich eine Prüfung ablegen möchte, dann muss ich mich zum ersten Versuch in diesem Semester (und damit auch Jahr) anmelden. Es gibt zwar auch einen Zweitversuch, aber dabei handelt es sich explizit um einen Wiederholungsversuch. Demnach sind dort nur Menschen, die beim Erstversuch durchgefallen sind (oder krank waren). Der Erstversuch ist meist am Ende der Vorlesungszeit, der Zweitversuch am Ende des Semesters, also kurz vor den neuen Vorlesungen im neuen Semester. Das kann dazu führen, dass, sobald ein Zweitversuch ansteht, sei es durch Durchfall oder Krankheit, die vorlesungsfreie Zeit nicht wirklich Urlaub ist. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass Zweitversuche im Schnitt mit einer solchen Regelung schwieriger sind als Erstversuche. An der Stelle ist es möglich, mit mehr Zeit zum Lernen zu argumentieren, aber in aller Regel hat es ja auch Gründe, aus denen Menschen eine Klausur nicht bestehen. Es gibt ja durchaus Lehrende, die mit Kommentaren wie "Also der Erstversuch wird bestehbar, für den Zweitversuch haben Sie ja mehr Zeit zum Lernen" auffallen und dafür ist dieses Klausurensystem natürlich super.
Zudem kann dann passieren, dass ein Drittversuch ansteht. Ein Drittversuch ist, mit Ausnahme in den Nebenfächern Physik und Mathe, immer ein mündlicher Drittversuch über das ganze Modul. Angenommen, in einen Modul sind zwei Klausuren in Organischer Chemie und eine in Anorganischer Chemie, dann kann ich mit all dem in einem Drittversuch landen, den ich auch erst antreten kann, wenn ich all diese Prüfungen entweder bestanden oder zweimal nicht bestanden habe.
Gleichzeitig existiert bei einer Regelstudienzeit von sechs Semestern eine Höchststudiendauer von acht Semestern. Im schlimmsten Falle stoße ich also schon an diese Grenze von acht Semestern, indem ich krank bin, nicht alles perfekt läuft, durch welche Gründe auch immer.

Zu diesem Problem der Einordnung der Prüfungsordnung kommen dann auch noch diverse Spezialitäten des Chemie-Studiums dazu. In diesem Studium ist es normal, Praktika zu haben. Das ist im Grunde genommen Laborarbeit. Dies ist entweder während der Vorlesungszeit am Nachmittag oder in der vorlesungsfreien Zeit. Eigentlich ist es für Außenstehende ohne Bekanntschaft mit Personen in einem höheren Semester nicht möglich, herauszufinden, wann welches Praktikum stattfindet. Es steht generell für das gesamte Semester im Stundenplan, während im Modulkatalog Angaben gemacht worden sind, für welches Semester dieses Praktikum empfohlen wird. Ob es während des Semesters oder der vorlesungsfreien Zeit stattfindet, keine Ahnung.
Inhaltlich hätte ich es ziemlich cool gefunden, wenn ich für Praktika gewisse Grundkenntnisse einfacher erhalten hätte. Im Grunde genommen ist noch nicht einmal das wichtig. Für solche Praktika ist es notwendig, Protokolle zu schreiben. Das ist etwas, was Studierende dadurch lernen, dass sie es tun und frustriert sind, wenn sie es nicht können. Das ist gewissermaßen ineffektiv. Es ist ehrlich gesagt auch nicht so einfach, sich das selbst so beizubringen, wie es erwünscht ist, weil es für Protokolle keine einheitliche Form gibt. Es gibt eine grobe Idee, wie der Aufbau sein kann, dazu gibt's sobar einen eigenen Wikipedia-Artikel. Aber auch das kann von Labor zu Labor unterschiedlich sein. Jede Person kann ja mal zum Spaß mit der Suchmaschine nach Wahl suchen, wie solche Protokolle aussehen. Das ist unglaublich schwierig, auf einen Nenner herunterzubrechen. Ich persönlich finde es eben ein bisschen hart, in der ersten Woche zu kommen mit "Ihr macht jetzt mal Praktikum, viel Spaß" und dabei nicht wirklich anzuleiten. Es ist mir schon klar, selbstverantworliches Lernen, aber wenn ich noch nicht einmal weiß, woher ich die notwendigen Informationen bekomme und zwangsläufig scheitern werde, bis ich in der Fachschaft die hoffentlich vorhandenen Altprotokolle finde, dann kann das doch nicht effizient sein.

Ein weiterer Punkt, über den ich gerne vorher etwas gewusst hätte, ist die Erlangung des Bachelorabschlusses. Es hat sich zu meinem damaligen Ich bereits rumgesprochen, dass eine Bachelor-Arbeit existiert, gleichzeitig gibt es in Regensburg noch mündliche Bachelor-Prüfungen, die mich zwar jetzt nicht betreffen, aber gedanklich einen gewissen Druck auf mich ausgeübt haben.
Das Studium der Chemie, wie ich es kennengelernt habe, ist im Übrigen sehr verschult. Es gibt genau einmal die Möglichkeit, selbst etwas zu wählen, was die Module angeht. Das ist zwischen dem 5. und 6. Semester ein Wahlpflichtfach. Alle anderen Schwerpunkte können schließlich im Master-Studium gesetzt werden. Es ist theoretisch auch noch möglich, mit der Bachelor-Arbeit einen Schwerpunkt zu setzen, aber das kommt erst gegen Ende des Bachelors. Insofern gibt es vergleichsweise viele Veranstaltungen, die nach einem Stundenplan ablaufen, die kaum irgendwie flexibel sind, während natürlich alle weiteren "Nachteile" des selbstverantworlichen Studierens zuschlagen.

Ansonsten könnt ihr euch an der Stelle einen allgemeinen Hinweis vorstellen, der im Grunde genommen uneinheitliche Strukturen für Informationen thematisiert, beispielsweise Lehrende, die statt des eigentlich universellen Systems zum Hochladen von Lehrinhalten lieber ihre eigene Webseite verwenden.
All das ist nicht unbedingt vermeidbar, aber ich hätte mich vermutlich anders darauf einstellen können, wenn ich es vorher gewusst hätte. Mittlerweile lege ich auf Faktoren wie Prüfungszeiträume wert, denn an manchen Hochschulen ist es zum Beispiel sogar möglich, sich für Prüfungen anzumelden und am Tag selbst zu entscheiden, ob die Prüfung geschrieben werden soll oder nicht, ohne einen Fehlversuch. Im Nachhinein bin ich eben schlauer.

Aug 26, 2019

Talks

Ich habe zu diversen Gelegenheiten unter anderem im CCC-Umfeld Talks bzw. Vorträge halten dürfen. Hier befindet sich eine Übersicht mit Vortragsmaterialien und einer Verlinkung zu media.ccc.de, eine Seite, auf der die verschiedenen Aufzeichnungen zu finden sind.

Was ihr schon immer (nicht) über Sprengstoffe wissen wolltet (MRMCD 2018)

Sprengstoff war und ist ein aktuelles Thema in der Community, zu dem ein wenig Hintergrundwissen nicht schaden kann. Insofern ist eine chemische Betrachtung der Thematik mit Wissenschaft (Science!) ganz hilfreich.

In Zeiten, in denen simple chemischen Formeln (H2O2!, CO2!, NaHCO3!) schon eine gewisse Bedrohlichkeit, Angst und in Kombination mit Modellen aus einem 3D-Drucker zu dem Verdacht führen, eine Sprengstoffexplosion herbeizuführen, sind chemisches Hintergrundwissen und faktenbasierte Informationen darüber, was hinter diesen ominösen Stoffen steckt, rar gesät. Was sind Sprengstoffe eigentlich? Ist alles, was theoretisch explodieren kann, nur dafür da, dass es explodiert? Welchen Nutzen hat Sprengstoff überhaupt? Kann Sprengstoff schon direkt aus dem 3D-Drucker gedruckt werden? Und schließlich,und besonders umstritten: Wie gefährlich sind Modelle einer Atombombe und kann damit wirklich eine Sprengstoffexplosion oder gar ein Atomangriff herbeigeführt werden? Alles, was Menschen jemals über Sprengstoff wissen oder nicht wissen wollten, vereint in einem kleinen Talk, der keine Garantie auf Vollständigkeit erhebt, dafür aber versucht, einen groben, chemischen Überblick über das Thema zu geben.

Ernährungsmythen - Eine chemische Reise durch die menschliche Nahrungsaufnahme (GPN 19)

Mythen zum das Thema Ernährung und Zubereitung von Nahrung kursieren immer mal wieder in unserem alltäglichen Leben umher. Von der Zerstörung der Vitamine durch die Strahlung der Mikrowelle bis zu manchen Lebensmitteln als Heilsbringer oder Todesurteil ist das Thema Zubereitung von Nahrung, Nahrungsaufnahme und Verdauung mit vielen Weisheiten, aber wenig Fakten behaftet. Daher wird es in diesem Talk um ein paar Ernährungsmythen und den dazu passenden chemisch- physikalischen Hintergrund gehen. Ist Kokosöl wirklich das reine Gift? Ist die Mate direkt nach dem Aufstehen zum Frühstück wirklich sinnvoll? Und wie kann ich überhaupt Ernährungsmythen überprüfen?

Was ihr schon immer (nicht) über Koffein wissen wolltet (CCCamp19)

Koffein als Substanz wird Tag für Tag aufgrund seiner anregenden Wirkung von vielen Menschen konsumiert, doch was genau steckt eigentlich hinter dieser Substanz? In diesem Talk blicken wir in die Chemie, Herkunft, Wirkung, Gefahren und weitere Aspekte des Koffeins.

Koffein, ein Stoff, den viele (hackende) Menschen tagtäglich in unterschiedlichen Formen konsumieren. Was genau ist diese Substanz eigentlich und wo kommt sie überall vor? Was passiert mit Koffein und mit uns, wenn dieses Molekül durch unseren Körper reist? Und kann Koffein ab einer bestimmten Menge gefährlich werden? Diese und weitere Fragen werden zusammen mit vielem, was Wissenswertes zur Chemie von Koffein existiert, hier thematisiert.

Aug 04, 2019

Welches Pronomen passt zu mir?

Pronomen, ein Thema, das uns allen erstaunlicherweise wohl tagtäglich im Alltag begegnet und doch meistens erst in queeren Bereichen überhaupt Aufmerksamkeit bekommt. Als Person, die sich auch in queeren Räumen bewegt, ist daher die Frage nach Pronomen alles andere als ungewöhnlich. Bisher habe ich die Frage nach meinen Pronomen immer mit einem "she" beziehungsweise "sie" beantwortet, aber ehrlich gesagt habe ich mir darüber kaum bis nie Gedanken gemacht, weil es für mich einfach vollkommen gewohnt war.

Vor kurzem begann ich also, mir Gedanken zu machen, was mein Pronomen angeht. Ich bin weiblich und identifiziere mich mit dem Geschlecht, welches mir bei der Geburt zugeordnet wurde, also bin ich cis weiblich. Abgesehen von Klischees finde ich ehrlich gesagt die Frage, welches Geschlecht ich habe, gar nicht so einfach zu beantworten. Wenn am Ende nur noch das Gefühl für das eigene Geschlecht steht, keine körperlichen Ausprägungen, keine von der Gesellschaft zu einem bestimmten Geschlecht zugeordneten Verhaltensweisen, sondern nur das eigene Geschlechtsgefühl, dann ist das erst einmal einiges an Balast, den ich mitbringe und von dem ich mich befreien muss.
Aber nach all dem fühle ich mich weiblich. Ich mag meinen Namen, ich habe keine Dysphorie gegenüber meines Körpers oder habe ein Problem damit, wenn meine Umgebung mich als weiblich wahrnimmt. Ich weiß, dass das alles nicht nötig ist, um nicht cis zu sein. Es gibt Menschen, die sind trans, stimmen also nicht mit dem Geschlecht überein, dass ihnen bei der Geburt zugeordnet wurden, die keine Dysphorie erleben. Das ist okay, das macht sie nicht weniger trans.
Ich würde mich auch nicht als nicht-binär bezeichnen, einfach, weil mein Geschlecht ins binäre System passt. Insofern sollte die Frage nach Pronomen relativ klar sein. Oder?

Ich habe bemerkt, dass ich mich auch mit "they" wohlfühle. Dieses Pronomen hat sich insbesondere im englischsprachigen Raum als genderneutrales Pronomen verbreitet und wird von vielen nicht-binären Personen verwendet. Warum ich mich damit wohlfühle? Ich schätze, weil es für mich vollkommen in Ordnung ist oder sogar wünschenswert, geschlechtsneutral angesprochen zu werden, auch, wenn ich nicht geschlechtsneutral bin oder ein "neutrales" Geschlecht habe. Es kann so vieles enthalten und macht gleichzeitig darauf aufmerksam, dass es nicht nur binäre Geschlechter gibt, sondern so viel mehr. Ich versuche in letzter Zeit, generell mehr geschlechtsneutrale Sprache zu verwenden, gewöhne mich an bestimmte Formen des Genders, warum also sollte ich mich also nicht dabei wohlfühlen, mich selbst mit einem geschlechtsneutralen Pronomen wie "they" zu bezeichnen?
In meinem Schwedisch-Kurs im letzten Semester ist mir natürlich auch nicht entgangen, dass es ein schwedisches, geschlechtsneutrales Pronomen gibt, nämlich "hen", was verwendet werdenkann, wenn das Gesclecht einer Person nicht-binär oder schlicht unbekannt ist.
Im Deutschen existiert eine Vielzahl an Neopronomen, beispielsweise zu finden im nicht-binäre Wiki. Zwar existiert auch im Deutschen das Pronomen es, aber auch dieses wird im nicht-binären Wiki beschrieben und ist mir persönlich auf einer gewissen Ebene zu abwertend.

Was genau ist nun das Problem? Pronomen wie "they" werden meistens von Menschen genutzt, deren Geschlecht nicht-binär ist. Meines hingegen ist ziemlich binär. Ich möchte nicht-binären Menschen nichts wegnehmen. Besonders ein Satz ist mir in dieser Diskussion aber im Gedächtnis geblieben: Es gibt keine bestimmte Anzahl an Pronomen. Das stimmt. Wenn ich signalisiere, dass ich mich (auch) mit "they" wohlfühle, dann gibt es keinen globalen Counter, der eins von "they" abzieht und damit dieses Pronomen in seiner gesamten, nutzbaren Anzahl verkleinert. Pronomen sind nicht dadurch beschränkt, dass nur eine Maximalanzahl an Personen sie verwenden kann und ab einem bestimmten Punkt niemand mehr.
Mir ist bewusst, dass ich eine gewisse Verwechselungsgefahr hervorrufe, wenn ich das Pronomen "they" verwenden möchte. Da ich aber auch immer wieder in queeren Räumen nach meinem Pronomen gefragt werde, ist es dabei alles andere als merkwürdig, (auf Nachfrage) zu erklären, dass ich mich mit einem geschlechtsneutralen Pronomen wohlfühle und was mein Geschlecht ist.

Gleichzeitig hoffe ich, auch mit diesem Beitrag hier zum Beispiel, Menschen zum Nachdenken über ihre Pronomen zu bringen, denn das Thema Geschlecht wird ziemlich komplex, wenn gewisse "Selbstverständlichkeiten" wie das eigene Pronomen einfach mal hinterfragt werden.
Insofern: Hallo, ich bin Lea, ich bin weiblich und meine Pronomen sind sie und they.

Jul 24, 2019

Wie ich in meinem Studium Excel (fast) vollständig boykottiere

Ich habe in einem Beitrag bereits über meine Arbeitsweise mit LaTeX geschrieben und nachdem ich vor kurzem ein Bild gepostet habe, laut dem die Excel-Übungen für Chemie-Studierende wieder angefangen haben, dachte ich mir, dass es vielleicht ganz cool zu wissen ist, wie ich mich erfolgreich vor Excel schütze, leider mit einer Ausnahme.

Ich war noch nie das große Microsoft-Kind. In meiner Kindheit und Jugend war es höchstens Windows, mit dem ich intensiveren Kontakt als Betriebssystem hatte, aber auch das ist irgendwann einem macOS gewichen. Das Office-Paket lief nie auf einem meiner System, sondern höchstens auf dem in der Schule, wobei das jetzt wohl der Vergangenheit angehört, denn Schulen dürfen Office 365 nicht mehr verwenden, was ich als grundsätzlich positive Entwicklung betrachte.
Ja, natürlich ist es an der Stelle möglich, darüber zu debattieren, dass ein großer Teil der Berufswelt das Office-Paket nutzt. Ich hoffe an der Stelle aber, dass die Alternativen prominenter werden. LibreOffice, LaTeX, entdeckt was Neues, findet was, ermöglicht einen Einblick. Klar könnte ich auch sagen, dass ich es immerhin ohne das Office-Paket in ein Studium geschafft habe, aber nicht jede Person hat meine Voraussetzungen und vielleicht die Motivation, sich gegen Microsoft Office zu wehren, weil die Prioritäten vielleicht woanders liegen. Das ist okay. Aber genau wegen so was schreibe ich diesen Beitrag ja, um mitzuteilen, wie ich da drum rum gekommen bin.

Auswertung von Messdaten wird irgendwann in der Chemie wichtig, hier in Regensburg spätestens mit dem dritten Semester, weil wir ab dann endlich keine Protokolle mehr handschriftlich abgeben müssen. Ansonsten gab es noch die Auswertung von Hand, wobei die Datenmengen nicht so groß waren, dass dies unmöglich wird. Aber irgendwann kommen solche schönen Auswertungswerkzeuge wie Ausgleichsgeraden oder andere Graphen basierend auf den Messdaten dazu, so was wie Konzentrationsverläufe zum Beispiel. Wir schubsen im Grunde genommen Messdaten durch die Gegend und für viele ist es nun einmal die einfachste Art und Weise der Auswertung mit Excel, was nicht zuletzt daran liegt, dass für Chemie-Studierende extra Excel-Kurse im zweiten Semester angeboten werden. Ich bin mir ehrlich gesagt nicht so wirklich sicher, ob es sich dabei um die "symbolische Programmiersprache" handelt, die in unserem Stundenplan für das dritte Semester mit unten dabei steht oder ob das der Maple-Kurs sein soll. Denn wir hatten auch mit Maple Kontakt und damit sind auch gewisse Formen der Auswertung möglich. Nur bestand der Maple-Kurs darin, dass eine verantwortliche Person anwesend war und wir Fragen stellen konnten, aber wirkliche Syntax oder so was erklären war da nicht dabei. Quasi ein Kurs, in dem wir uns selbst Maple beibringen durften und statt Stackoverflow oder ähnlichen Seiten eine Person vor uns hatten. Das ist nicht unbedingt, das Bild, das ich von einem Kurs habe. Aber das führte dann dazu, dass Maple als potentielle Methode in den Hintergrund geraten ist.
Gleichzeitig gab es im zweiten Semester ein Physik-Praktikum und dort wurde beim Auswerten vor Ort unter anderem auf Qtiplot, was bis zu einer bestimmten Version auch Open Source ist. Die Software, die dazu recht ähnlich ist und niemals Open Source war, ist Origin. Dieses Tool läuft bedauerlicherweise sowieso nur unter Windows, ist für mich also aus mehreren Gründen keine Option. Ansonsten gibt es in diesem Bereich unglaublich viele Tools zur Auswertung von Daten. Sei es LabPlot, SciDAVis, Gnuplot, Scilab, Python mit matplotlib, ich glaube, es existiert eine gewisse Auswahl, je nach Richtung, in die gegangen werden will. Jedenfalls wurde mir dort auch von einem Betreuer Qtiplot empfohlen und so habe ich mir das statt Excel genauer angeschaut.

Im dritten Semester lernte ich dann auch aufgrund einer Python-Kurses mit dieser Programmiersprache umzugehen und entdeckte matplotlib, wobei ich gerade sowieso einen stärkeren Blick auf Datenanalyse mit Python werfe, aber für alles, was ich getan habe, war Qtiplot vollkommen ausreichend. Dazu kommt, dass es einen LaTeX-Output hat. Ich beschäftige mich seit meinem zweiten Semester mit LaTeX und nachdem die Protokolle im 3. Semester endlich nicht mehr handschriftlich gemacht werden mussten, war das sehr praktisch. Das hat soweit auch gut funktioniert, auf diese Art und Weise Excel auszuweichen, immerhin bin ich mit LaTeX auch Word sehr gut entkommen und beobachtete gelegentlich die Formatierungsprobleme meiner Mitstudierenden mit dem Microsoft Office-Paket.

Das ging auch bis auf eine Ausnahme sehr gut. Irgendwann stand der Versuch in der Radioanalytik an. Meine Partnerin aus dem Praktikum in der physikalischen Chemie hat das in der Analytik nicht mitgemacht. Die erste Aussage des zuständigen Betreuers war, dass ich dann doch das Praktikum alleine machen soll. Das fand ich ehrlich gesagt schon problematisch, weil das Praktikum eigentlich darauf ausgelegt ist, das zu zweit zu machen und die entsprechenden ECTS ja auch so berechnet sind. Letztlich ist es darauf hinaus gelaufen, dass ich im Laufe des Praktikums selbst einen Partner bekam, der bisher alleine war, aber weil nicht jede Person zu jeder Zeit gleichzeitig denselben Versuch hat, hatte er Versuche gemacht, die ich noch nicht gemacht habe und umgekehrt. Ich hatte dann die Ehre, mich um all die Termine zu kümmern und die zu organisieren, die ich noch nicht hatte und hatte dann irgendwann gegen Ende des Praktikums meine beiden Versuche in der Radioanalytik. Bei einem Versuch war ich alleine mit dem zuständigen Verantwortlichen für die Radioanalytik, beim zweiten Versuch war ein anderer Studierender da, der mit mir den Versuch parallel machte.
Ich hatte meinen eigenen Laptop nicht dabei. Ich habe mit (schwach) radioaktiven Substanzen gearbeitet und als wären normale Labore nicht schon irgendwie gefährlich genug für Laptops, wenn sie nicht gerade in Sicherheit gelegt werden, wollte ich auf jeden Fall der Gefahr entgehen, meinen Laptop irgendwie zu kontaminieren. Allerdings hatte ich meinen USB-Stick dabei, um mir die benötigten Daten dann mitzunehmen. Tja, der Verantwortliche der Radioanalytik bestand darauf, dass ich direkt mit der Datenauswertung beginne und auf den dortigen Computern war natürlich nur Excel installiert. Also habe ich mich dadurch gequält und weil ich ehrlich gesagt ziemlich wenig Lust hatte, mir selbst alles zusammenzusuchen, habe ich auch nachgefragt, wie was geht. Ich erntete ein ungläubiges Gesicht, vermutlich, weil ich nicht mit Excel umgehen konnte. Daraus entwickelte sich auch ein kleiner Dialog: "Wissen Sie, Excel ist in der Chemie praktisch bis notwendig." - "Ich nutze kein Excel." - "Das sollten Sie sich aber wirklich überlegen." - "Ich kann Python und arbeite mit Qtiplot." - "Excel kann aber große Datenmengen verarbeiten." - "Python ist eine Programmiersprache. Damit kann ich auch sehr große Datenmengen verarbeiten." - "Oh, okay."
Letztlich quälte ich mich also viel zu lange mit irgendwelchen Auswertungen rum, nur um sie später in deutlich kürzerer Zeit nochmal selbst auf meinem Laptop zu machen, nachdem ich mir die Rohdaten mitgenommen habe. Ich glaube ehrlich gesagt, nach dieser Erfahrung würde ich in diesem Labor ne Python- und Qtiplot-Installation auf einem USB-Stick mitnehmen und wenn das nicht okay ist, das auf den Windows-Computern (ich habe übrigens verdrängt, ob es was Aktuelles oder das standardmäßie XP war) zu installieren, wäre ein zweiter USB-Stick, um von einem Linux-System aus zu booten, bestimmt eine Idee. Beim Protokoll bekam ich dann zu meinem Graphen (Qtiplot in LaTeX importiert) ein "Das ist nicht Excel, aber es sieht auch gut aus!" zu hören.
Was mir diese Erfahrung jedensfalls gezeigt hat, ist, dass Excel, Word und Microsoft Office viel zu wenig hinterfragt werden, Alternativen sehr kritisch beäugt werden und performen müssen, bevor jemand glaubt, dass es eine tatsächliche Alternative sein kann. Gerade im Bereich der Chemie sehe ich aus meiner persönlichen Erfahrung noch eine gewisse Skepsis zu Alternativen, die von ein paar IT-affineren Menschen aufgebrochen wird.

Insgesamt ist Excel also alles andere als ein Muss, wenn der Wille zur Suche nach Alternativen da ist. Es gibt viel zu lernen, viel anzuschauen, viel zu nutzen, um Auswertungen durchzuführen. Ich behaupte an der Stelle, dass Excel (und ganz Microsoft Office) nicht für jede Person das Ideal ist. Alternativen sind wichtig, auch zur Weiterentwicklung.

Jul 10, 2019

Straßenblockade in der Regensburger Altstadt mit Fridays For Future

Es war wieder eine Fridays For Future-Demonstration in Regensburg, dieses Mal am 5. Juli, die durchaus groß war. Diese Demonstration macht allerdings besonders, dass sie aus mehreren, einzelnen Demonstrationen bestand und den Verkehr im Bereich der Innenstadt und Altstadt weitgehend lahm legte. Wenn der Beginn zwischen den beiden Hochschulen, bei dem die Studierenden in die Stadt gegangen sind, angenommen wird, ist es um 14 Uhr losgegangen und um 22 Uhr geendet. 8 Stunden Demonstration sind durchaus viel und ich war auch nicht die ganze Zeit da. Ich war nämlich Ordnerin bei einer der gesperrten Straßen, wobei ein paar hundert Meter hinter der Einfahrt in die Straße schon die geplante Menschenkette war.

Das sind so die groben Umstände gewesen. Die Demonstration war schon lange vor besagtem Freitag, 5. Juli, in Planung. Dazu gibt's beispielsweise den Artikel "Fridays for Future" will Verker lähmen der Mittelbayerischen. Es sah auch eine Weile so aus, als wäre es möglich, die Demonstration wie geplant durchführen zu können.
Dooferweise wollte das Ordnungsamt dann erst am Mittwoch oder Donnerstag vor der Demonstration entscheiden, ob das so stattfinden darf. Dem voraus ging ein offener Brief der Regensburger Kaufleute und der Hotels in Regensburg. Darin geht es unter anderem um die Sorge der Gewinneinbußen, also doof für die Wirtschaft. Vereinfacht gesagt kommt mir Umwelt gegen Wirtschaft bekannt vor, auch, wenn es hierbei nicht um beispielsweise die Abschaltung von Kohlekraftwerken vs. Arbeitsplätze dort geht. Aber auch so Thematiken wie Anfahrt der Mitarbeitenden oder von Hotelgästen werden genannt, wobei es in meinen Augen kein Ding der Unmöglichkeit ist, innerhalb dieser zwei Stunden außerhalb zu parken. Interessanterweise wird auch das Bürgerfest kritisiert, aber dazu komme ich gleich noch. Kurz will ich aber noch darauf eingehen: "Wir bitten Sie, die Stadtführung, dringend, uns von dem Makel zu befreien, die Demohauptstadt Bayern zu sein."
Dabei schwingt so vieles mit, was mir übel aufstößt. Zum einen ist Regensburg definitiv keine Demohauptstadt. In beispielsweise München wird deutlich häufiger demonstriert. Zum anderen ist es kein Makel, wenn Menschen demonstrieren und dadurch ihre Meinung ausdrücken. Das ist ein fundamentales Grundrecht. Ich finde diesen Brief somit im Gesamten doch recht hart.

Kommen wir also noch kurz zum Bürgerfest. Ja, es hat zeitlich am Wochenende davor stattgefunden. Aber im Gegensatz zur Fridays For Future-Demonstrationen waren hier große Teile der Altstadt nicht für zwei Stunden mit dem Auto unbefahrbar, sondern für drei Tage. Dazu hat es offenbar keinen offenen Brief gegeben. An der Stelle möchte ich dem Bürgerfest nicht seine Berechtigung absprechen, aber ich lehne mich vermutlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, beim Bürgerfest handelt es sich tendenziell um eine Veranstaltung, bei der konsumiert und eingekauft wird. Dass das auf die lokalen Läden in der Altstadt übergeht, ist verständlich. Eine Fridays For Future-Demonstration ist nicht konsumierend. Es ist vermutlich deutlich unwahrscheinlicher, dass Demonstrierende zwischendurch noch shoppen gehen wollen.

Aber kommen wir mal zur Demonstration selbst. Im Vorfeld wusste ich bereits, dass Regensburg Repartiert dabei sein wird und dass Hackers For Future die Demonstration unterstützt, sodass ich in deren Ecke dabei war und letztlich die Straße mit gesperrt habe.
Bei dieser Straßensperre ist es nicht so, dass wir Rettungsdienste oder Menschen mit Behinderungen aufgehalten haben, sondern Menschen, die in diese Zone hineinfahren wollten, weil sie beispielsweise in der Stadt einkaufen wollen oder so was und wurde zu Beginn der Menschenkette auch noch mal strenger gehandhabt beispielsweise in Bezug auf Anwohnende, weil etwa geschätzte 300 Meter hinter der Kreuzung die Menschenkette stattfand.
Interessanterweise waren die Menschen in Autos, mit denen ich gesprochen habe, in den seltensten Fällen informiert. In meinen Augen hatte die Stadt die Verantwortung, zumindest Anwohnenden Bescheid zu geben, dass es zu Straßensperren kommen könnte, genauso wie Hotels ihren Gästen diese Problematik kommunizieren sollten.
Jedenfalls gab es einige Menschen, die nicht informiert waren, die aus verschiedensten Gründen in die Stadt hinein wollten. Eine Teilmenge dieser Menschen hat uns Ordnenden nicht geglaubt und hat dies mit der Polizei ausdiskutiert, wobei es sich dabei ausschließlich um Fahrer (ja, nur Männer) mit SUV oder teuren Autos gehandelt hat. Ich kann durchaus verstehen, wütend zu sein, gerade, wenn jemand es nicht mitbekommen hat. Aber in den allermeisten Fällen wäre es möglich gewesen, in einer Seitenstraße vor der Blockade zu parken und den Rest des Weges zu Fuß zu bewältigen.
Tatsächlich bin ich der Meinung, dass solch eine Demonstration auch irgendwo weh tun muss, um auf das Thema aufmerksam zu machen, denn die Folgen des Klimawandels werden deutlich mehr weh tun als zwei Stunden lang nicht in eine Innenstadt fahren zu können. Hätte ich mehr Zeit, fände ich es sogar spannend, das jede Woche so zu machen.
Ich meine, die Idee, das Auto mehrere Stunden oder einen Tag lang stehen zu lassen ist nicht so neu. Das gab es bereits 1973 während der Ölkrise und ich war damals im Politikunterricht sehr erstaunt, als meine Lehrerin davon erzählt hat. Insgesamt gab es vier autofreie Sonntag als Sparmaßnahme und ich fände es ehrlich gesagt spannend, das mal zu erleben und nicht nur aus Erzählungen zu kennen, weil ich ein bisschen zu jung bin, um die autofreien Sonntage zur Ölkrise mitbekommen zu haben. Leider ging es da auch eher um Wirtschaft statt um Umwelt. Aber früher war das Auto stehen zu lassen auch was, warum also nicht knapp 50 Jahre später im Namen der Umwelt?

Aber noch kurz zurück zur Demonstration, es war toll, danke, an alle Menschen, die dort waren und es war vermutlich auch nicht die letzte Demonstration von Fridays for Future und ich freue mich auf weitere Aktionen solcher Art.

Jun 22, 2019

the code is documentation enough - oder?

Kommentare im Code, das ist für sehr viele Menschen, die schon einmal ein paar Zeilen in der Hand hatten, nicht unbedingt etwas Neues. Ich als fortgeschrittene Anfängerin, wie ich mich selbst in diesem Sinne einfach mal bezeichnen möchte, habe auch relativ früh begonnen, damit Bekanntschaft zu machen. Daher will ich darüber schreiben, wie mein Verhältnis zu Codekommentaren war, ist und vielleicht auch sein wird.
Tatsächlich bin ich nämlich nicht der Meinung, dass Code pauschal selbsterklärend ist. Ich höre in diesem Bereich oft "the code is documentation enough" und als jemand, der mittlerweile weiß, wie viele Gedanken hinter fünf Zeilen stehen können, möchte ich eigentlich dazu motiviert werden, diese Gedanken auch nachzuvollziehen, sehr gerne auch, wenn es sich dabei um meine eigenen, vergangenen Gedanken handelt.

Beginnen wir erst einmal bei meinen Erfahrungen mit Programmierung. Im Informatik-Unterricht hatte ich als Sprache Delphi/Object Pascal und habe da meine ersten Erfahrungen gemacht, die ich aber gerne als 0. Erfahrungen bezeichne. Wir sind im Endeffekt nicht über Schleifen hinausgekommen und vieles war auch (teilweise mit Bugs behafteten) Code vom Buch abschreiben und im Programm schauen, was passiert. Irgendwann fand ich es total toll, die Farbe meines Programms zu ändern und so hatte bald alles, was ich programmierte, einen Dark Mode. Ich habe den Dark Mode also vor macOS implementiert. Aber viel mit Code-Kommentaren war da nicht. Ich weiß nicht mehr viel von Delphi, erst recht nicht, wie ich Kommentare schreibe. Zugegeben, das war auch nicht unbedingt nötig. Dass wir in unsere Schleifen lieber ein break-Statement packten, wussten wir aufgrund Endlosschleifen und Versuchen mit einem Task-Manager, die loszuwerden, auch. Keine Kommentare, keine Dokumentation, im Zweifelsfall stand eh alles Notwendige im Buch.

Dann belegte ich vor einem knappen Dreiviertel-Jahr einen Python-Kurs an der Uni. Im Zweifelsfall etwas auszukommentieren kannte ich bereits von LaTeX und war für mich ein bekanntes Verfahren, um den Bereich eines Fehlers einzuschränken. In Python war das sogar noch einfacher als in LaTeX.
Irgendwann verwendete ich dann Code-Kommentare als wirkliche Dokumentation, aber nicht für mich, sondern eher, damit andere Menschen meine Abgaben verstehen. Eigentlich war es nämlich so, dass wir unsere Lösungen in der Übung einem der Übungsgruppenleiter vorstellten. Allerdings hatte ich da zu Anfang wenig, zu Ende immer mehr Praktikumstage am Tag der Übung. Also konnte ich niemandem mehr erklären, was ich tue, und musste Code-Kommentare schreiben, damit die Menschen, die später meinen Code sehen, verstehen, was ich tue und was ich sonst erklärt hatte. Das waren dann in der Regel solche Dinge wie "plot for all functions" oder "dictionary for all ingredients of pizza", also eigentlich etwas, was selbsterklärend ist. Das sind vermutlich die Gründe, aus denen auch solche Memes entstehen wie "99% of all code comments" und wir haben ein Bild einer Katze, auf der "cat" steht. Etwa so:

Code-Kommentare als Beschreibung "Cat" mit einer Katze

Allerdings hat Code von mir eine weitere Eigenschaft. Meine Namen von Variablen, Klassen, Funktionen und so ziemlich allem ist nicht unbedingt aussagekräftig. Ich werde ganz gerne mal kreativ und finde mich lustig. Das hat zur Folge, dass in einem Programm, in dem irgendwas mit \(\pi\) passiert, das von mir geschrieben wurde, überdurchschnittlich oft die Wörter "pie", "lie" und "cake" vorkommen. Ich habe auch mal ein Programm zum Üben von Vokabeln geschrieben und es Voq genannt. Hätte ich allen Funktionen und Klassen irgendwas Klingonisches zugeordnet, wäre es ohne erklärende Kommentare schwierig geworden. Bei einem Programm, das mit der Brownschen Molekularbewegung zu tun hat, taucht überdurchschnittlich das Wort "Brownie" auf. Genauso würde in einem Programm zur Caesar-Verschlüsselung überdurchschnittlich oft das Wort "Salad" vorkommen. Ich mag Wortspiele, solche Situationen erheitern mich. Ich bin die Person, die so was wie "char izard", "char mander" oder "int entionally" schreibt. Code darf und soll für mich irgendwo auch kreativ sein und Spaß machen. Deswegen sagte jemand auch mal in meiner Gegenwart "Manche Menschen nennen es "main", andere Menschen nennen diese Funktion "doallthestuff"". Das ist dann auch tatsächlich eher privater Code.
Wenn ich diesen Code allerdings drei Wochen später anfasse und ich nicht weiß, wofür meine Cakes, Pies, Klingons, Brownies, Salads und Charmanders da sind und was sie eigentlich tun, ich also erstmal im besten Fall herausfinde, was ich warum getan habe, im schlechtesten Fall alles schließe, ist das nicht so erstrebenswert. Deswegen begann ich vor einiger Zeit, für mich, Code-Kommentare nicht mehr als offensichtlich zu gestalten.

Mittlerweile schreibe ich mir da Erklärungen wie "Information in dictionary is splitted in key -> value, value is a tuple, but user check is for all" rein, also beispielsweise Informationen, wie etwas gespeichert ist. Ich hatte auch mal einen Aufruf eines Strings mit randomdictionary[0][1][1][1]. Wenn ich also Listen in Listen und Dictionaries habe, dann ist es vielleicht auch nicht die beste Idee, diese Art der Speicherung zu wählen. Aber was will ich denn auch großartig machen, wenn ich ein Dictionary in einer .txt speichern soll, nee? Bitte widersteht an der Stelle der Versuchung, mir in einem sozialen Netzwerk eurer Wahl zu schreiben, wie ich das anders und "besser" machen soll, danke schön. Aber in solchen Fällen habe ich ein Problem, wenn ich nicht irgendwie dokumentiere, was genau ich warum tue.
Seit kurzem versuche ich mich an kleineren Dingen mit SQLite. Meine bisherigen Berührungspunkte mit SQL sind gering. Somit ist quasi für mich sehr vieles neu, sehr vieles ungewohnt, sehr vieles auf den ersten Blick nicht ganz so verständlich und das ist total in Ordnung. Also schreibe ich mir in meinen Code, was ich genau warum tue, was was tut, warum ich genau dieses Konzept gewählt habe oder wählen musste. Es sind quasi "Nice to have"-Informationen. Glücklicherweise weiß ich auch gleichzeitig, wie ich denke und welche Informationen mir persönlich weiterhelfen.

Seitdem habe ich tatsächlich auch wieder eine Programmieraufgabe abgegeben. Wenn ich weiß, welche Person das liest und wie meine Erkärungen sonst so sind, kommt da auch mal was wie "if (n > depth) { // I don't want to kill my RAM with endless recursion" raus. Einfach, weil ich mir sicher bin, dass das in diesem Moment vollkommen in Ordnung ist. Abgesehen davon ist es für mich auch irgendwie lustig und wenn ich schon im Code selbst lustig bin, dann kann ich das auch in den Kommentaren sein, wenn ich das möchte. Es kommt immer ein wenig darauf an, wer das lesen und verstehen soll. In erster Linie bin das ich. Wenn ich meinen Code mit anderen Menschen teile, weil sie zum Beispiel meinen Code im Rahmen von einem Kurs bewerten, dann ist das entweder mündlich oder ich weiß grob, wie ich es diesen Menschen erklären würde und kippe es so in die Kommentare.

Was ich sehr schade finde, ist, dass bisher kein Programmierkurs mich darauf hingewiesen hat, wie wichtig Code-Kommentare sein können und dass diese Art der Dokumentation oftmals hinten runter fällt. Klar, Programmieraufgaben, die man wöchentlich meistens in einem durch programmiert, brauchen nicht unbedingt Kommentare, weil das, was getan wurde, zeitlich noch sehr frisch ist. Ich habe in einem Kurs gelernt, dass es in Python offenbar ganz cool ist, dass Kommentare in einer eigenen Zeile stehen.
Von Tools wie Doxygen hörte oder eher las ich erst im Buch "C im 21. Jahrhundert". Ich kann verstehen, dass das nicht unbedingt in (Anfänger-)Kursen behandelt wird. Das würde ich durchaus auch als weiter fortgeschritten bezeichnen. Aber wie schreibe ich gute Codekommentare? Wie vermeide ich es, eine Funktion "cat" zu schreiben und den Kommentar dazu "cute cat" zu nennen? Denn eigentlich ist der Code nicht Dokumentation genug, gerade für Menschen, die noch neu in dieser Welt sind. Dokumentation kann Erklärung und Vereinfachung sein und ist somit für mich ein mächtiges Tool, um meinem Kopf auf die Sprünge zu helfen, meine eigenen Gedanken zu rekonstruieren.

Jun 14, 2019

Eine überdimensionale, aufblasbare Katze, ein Chaos-Event, eine Digitalstrategie und... die FDP

Dieser Beitrag ist vermutlich etwas merkwürdig, denn er handelt zunächst einmal von einer überdimensionalen, aufblasbaren Katze. Fangen wir mal andersrum an. Ich war auf einem Chaos-Event, der Gulaschprogrammiernacht, und es war wie zu erwarten toll. Die Gulaschprogrammiernacht findet jährlich in Karlsruhe dank des dortigen Hackspaces Entropia statt. Vor dem Veranstaltungsgelände tauchte dann allerdings genannte Katze auf.

Riesige, aufblasbare Katze

Das hat viele Menschen und mich sehr erfreut, dass da eine riesige Katze ist, weil Katzen toll sind. Katzen sind Quellen für Memes, sie sind flauschig und ansonsten auch ziemlich tolle Lebewesen. Menschen in meinem Hackspace finden Katzen so toll, wir haben eine eigene Katzengruppe, in die wir andauernd Katzenbilder werfen.

Natürlich ist auch irgendwann die Frage aufgetaucht, woher diese Katze eigentlich kommt, aber niemand hatte so wirklich eine Antwort. Die Polizei Karlsruhe hatte dazu selbst getwittert, dass die Katze nur wenige Tage in Karlsruhe sei, sie den Grund ihres Besuches aber nicht verraten wollte. (Link zum Tweet der Polizei, Achtung, Twitter)
Seit sie kurzzeitig verschwunden war, gab es sogar eine Anfrage an FragDenStaat, eine Plattform, die es ermöglicht, Anfragen an diverse Behörden zu stellen, um Zugang zu bestimmten Dokumenten zu erhalten. (Link zur Anfrage auf fragdenstaat.de)
Nachdem dort noch keine Antwort aufgetaucht ist, habe ich das Thema seit der GPN eigentlich vergessen. Bis ich vor kurzem etwas von der FDP-Fraktion im Bundestag gesehen habe.

Ich wurde darüber auf Twitter aufmerksam und bin dann letztlich auf Facebook gelandet. (Link zum Post der FDP-Bundestagsfraktion, Achtung, Facebook)
In dem Post geht es darum, dass das Ministerium für Inneres, Digitales und Migration in Baden-Württemberg für 2,2 Millionen Euro unter anderem diese große Katze aufgestellt hat. Das ist laut FDP-Fraktion eine Anspielung auf die Beliebtheit von Catcontent im Internet und Teil einer Werbekampagne des Ministeriums. Das dortige Bild suggeriert ähnlich wie der Text, dass die 2,2 Millionen Euro in diese Katze geflossen sind.

Bild der FDP im Facebook-Post, Quelle ist dieselbe wie der Post der Fraktion

Uns lächelt die Forderung an, dass 2,2 Millionen Euro auch in den Glasfaserausbau hätten investiert werden können. Versteht mich nicht falsch, ich finde Glasfaserausbau toll.
Aber ich konnte mir kaum vorstellen, dass nur diese Katze alleine 2,2 Millionen Euro kostet. Ich habe schon einige Prestige-Projekte gesehen, ich konnte mir das irgendwie nicht so ganz vorstellen. Eine aufblasbare Katze, 2,2 Millionen Euro? Da ist irgendwas faul, zumal ja auch die FDP etwas von "unter anderem" schreibt.
Immerhin hatte ich jetzt einen Anhaltspunkt, dass die Katze aus irgendeiner Kampagne kommt. Und was wäre das für eine Kampagne, wenn das entsprechende Ministerium sie nicht bewerben würde? Und, welch Überraschung, es wird tatsächlich auf der Seite des Landes Baden-Württemberg beworben. (Informationskampagne "Alles beim Neuen" auf der Seite des Landes)

Diese Informationskampagne des Landes weist auf die Digitalstrategie des Landes hin. Die ganze Werbekampagne hat ein Budget von 2,2 Millionen Euro und das nicht einmalig, sodass wir ein paar Wochen was davon haben, sondern zwei Jahre lang. Die Katze ist das Maskottchen. Das Geld ist letztlich für eine Werbeagentur.
Wollen wir das doch mal in Relationen setzen. Weil ich es irgendwie lustig finde, den Zeitraum von zwei Jahren mit den Monaten vor einer Wahl zu vergleichen, nehmen wir doch einfach mal die Ausgaben der Parteien zur Bundestagswahl 2017. (Ausgaben der Parteien zur Bundestagswahl, Achtung, Merkur)
Die SPD steigt mit 24 Millionen Euro, alleine die CDU mit 20 Millionen Euro, die Linke mit 6,5 Millionen Euro, die Grünen mit 5,5 Millionen Euro und die FDP mit 5 Millionen Euro ein. Gut, damit bespielen sie zwar die gesamte Bundesrepublik, aber gleichzeitig tun sie das nur wenige Wochen und Monate vor der Wahl.

Wagen wir doch mal den Schritt zu der Webseite, die mit der Kampagne zusammenhängt. Die Webseite ist unter https://www.digital-bw.de zu finden. Ich fühle mich davon ehrlich gesagt ein wenig erschlagen, aber na ja, ich bin vermutlich auch nicht die Zielgruppe dieser Seite. Ich finde Katzen und Glasfaser ja jetzt schon toll. Ich bin ein Digital Native, ich bin mit all dem aufgewachen und habe eine gewisse Ahnung. Die Seite ist letztlich viel Buzzword-Bingo. Ich weiß nicht genau, warum man unbedingt eine Forschungseinrichtung zu künstlicher Intelligenz als Cyber Valley bezeichnen muss. Oder unglaublich oft irgendwelche Menschen mit VR-Brillen zeigt. Auf die Verfahren zur Bürgerbeteiligung mit Augmented und Virtual Reality bin ich gespannt.
Ansonsten bin ich ehrlich gesagt beeindruckt davon, wie viel Javascript man auf eine Seite packen kann, ohne dass irgendwas kaputt geht. Da ist viel Content mit drin, auch wenn der sich gerne mal wiederholt. Das könnte deutlich schlechter sein. Warum hat eigentlich nur Baden-Württemberg so was?
Dazu kommt leider immer noch, dass die Politik die Digitalisierung verpennt hat. Solche Kampagnen vor zehn, zwanzig Jahren, solche Maßnahmen vor zehn Jahren, wären echt was Tolles gewesen.
Abgesehen davon ist da auch einiges dabei, was ich als problematisch erachte. Bodycams für die Polizei ist nicht nur ein Risiko für die Freiheit, sondern auch für den Datenschutz. Das wird auch nicht besser, wenn die Aufzeichnungen auf Servern der Polizei statt auf einer Cloud gespeichert werden. Ich will nämlich nicht, dass irgendwas gespeichert wird. Ähnlich ist es mit dem mit Alexa verknüpften Burgerservice einer Kommune. Dieser Heimassistent von Amazon stand ja bisher schon mehrmals in Kritik, mit Benutzungsdaten nicht gerade toll umzugehen.

Cool, aber was genau ist jetzt mit dem Glasfaserausbau? Laut der Seite des Landes Baden-Württemberg fließt eine Milliarde in dieser Legistlaturperiode in den Bereich Digitalisierung. Davon landet die Hälfte im Infrastrukturausbau. Ja, es wäre durchaus interessant zu wissen, was mit der anderen Hälfte passiert. Aber so landet 227 Mal so viel im Ausbau von Infrastruktur als für die Informationskampagne vorgesehen ist. Würde man dies alles in Glasfaserausbau investieren, würde es sich um 7000 Kilometer Glasfaser handeln.
Ich werde jedenfalls gespannt die Strategie Baden-Württembergs beobachten und mal schauen, was noch so passiert. Vielleicht kommt ja mal tatsächlich was Sinnvolles im Bereich Digitalisierung raus.

Update: Die Anfrage bei FragDenStaat wurde beantwortet. Es liest sich durchaus interessant, aber jener Punkt, mit den Kosten der Katze für sich alleine, wird auch beantwortet: "Für 6.061,- Euro netto konnte sie vom Hersteller freigekauft werden." Damit werden rund 0.3 Prozent des Gesamtbudgets für diese Katze ausgegeben.

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