Apr 22, 2019

Backprojekt 118 Cupcakes: Mit Helium zu den Edelgasen

Ich bin wieder zurück in der Küche mit den 118 Cupcakes, ein kleines Backprojekt von mir, in dem ich allen Elementen des Periodensystems versuche, aufgrund von irgendwelchen Eigenschaften Geschmacksrichtungen zuzuordnen. Natürlich ist das nicht unbedingt unglaublich ernst zu nehmen. Ich finde aber, es ist trotzdem irgendwo lustig, die jeweiligen Elemente des Periodensystems und Backen zu verbinden. Also geht es heute weiter mit Helium!

Das Element Helium ist ein Edelgas und damit im Gegensatz zu Wasserstoff eindeutig einer Hauptgruppe zuzuordnen. Ich erinnere mich noch an Diskussionen im Studium, ob Wasserstoff wirklich den Alkalimetallen zugeordnet werden kann oder ob eine Einrückung zu einer anderen Gruppe nicht unter Umständen sinnvoller wäre. Deswegen ist das gewöhnlichste Element des Universums, Wasserstoff, beim letzten Mal auch nicht nur das gewöhnliche Vanilla geblieben.
Aber zurück zum Helium: Helium gehört zur Gruppe der Edelgase, die nicht gerade viel tun. Edelgase sind mit sich selbst glücklich und zufrieden, ein wenig aufgelockert wird diese unglaubliche Selbstzufriedenheit weiter unten in der Gruppe. Helium allerdings kann nur mit großer Gewalt dazu gebracht werden, mit sich selbst eine Art Bindung einzugehen. Ein solches Helium-Dimer würde ich eher als Verhältnis zweier Heliumatome zueinander bezeichnen. Die Bindungsenergie ist unglaublich klein und der Bindungsabstand unglaublich groß. Der Abstand zweier solcher Heliumatome ist im Vergleich zum Abstand zweier Wasserstoffatome in einer vergleichbaren Bindung 70 Mal größer.
Eine ionische Bindung, also eine mit Ladungen, sehr einfach gesagt, ist mit positiv ionisiertem Wasserstoff, also einem Wasserstoff mit verlorenem Elektron, also genau genommen ein Proton, unter extremen Bedingungen möglich. Allerdings ist das unglaublich instabil.
Helium ist also ein Einzelgänger, was daran liegt, dass alle Elektronen soweit wie es geht aufgefüllt sind. In der Chemie gibt es auch eine Regel mit Namen Edelgasregel, die besagt, dass alle Atome versuchen, die Elektronenkonfiguration (hartes Wort, beschreibt aber eigentlich nur, wo welche Elektronen vorhanden sind) eines Edelgases zu erreichen, weil das besonders stabil ist. Das muss Helium nicht. Übrigens ist Helium das zweithäufigste Element in unserem Universum. Wieder ein Fall für die Vanille-Paste? Ich glaube, gerade ein Heliumcupcake braucht keine zweite Komponente, um glücklich zu sein, weswegen ich wahrscheinlich auf nur eine Geschmacksrichtung zurückgreifen werde. Gerade folgt nach Vanille die Schokolade als Eissorte. Aber schauen wir uns noch ein wenig Helium an.
Helium hat ein paar interessante, physikalische Eigenschaften. Helium ist unter bestimmten Bedinungen suprafluid, als einer der möglichen Zustände beim Abkühlen von Helium. Normalerweise ist es mit einem gasförmigen Element so, dass es beim Abkühlen zunächst flüssig und dann fest wird. Helium hat noch einen weiteren Zustand, was sich durch Helium I und Helium II abgrenzt. Helium II ist suprafluid. Diese Flüssigkeit hat keine bzw. eine nur sehr schwer messbare Viskosität, ist also das Gegenteil von zähflüssig. Es existiert keine innere Reibung, die "Flüssigkeit" fließt reibungsfrei durch enge Kapillaren. Das ist natürlich eine echt tolle Eigenschaft, die so im Falle von Helium und einem Lithium-Isotop auftritt. Wenn ich das backen möchte, wird es also schwierig.
Dazu kommt, dass dieser Zustand auch technisch nicht so einfach zu erreichen ist. Wir bewegen uns hier im Bereich von etwa 1 bis 4 K. Der absolute Nullpunkt liegt bei 0 K. Das ist nicht gerade der Level, auf dem ich für gewöhnlich backe. Eine Blase voller Helium im Cupcake zu haben und aufgrund dieser Blase der essenden Person eine hohe Stimmlage zu verschaffen wäre sicherlich auch schwierig. Es handelt sich um ein sehr leichtes Gas.

Ich glaube, aufgrund der Einfachheit und Häufigkeit von Schokolade werde ich Schoko-Cupcakes wählen. Ein Hintergedanke für die Suprafluidität könnte unter Umständen ein flüssiger Kern sein, aber gerade für meine Cupcakes, die auch mal zwei, drei Tage auf dem Küchentisch stehen, bis sie vollständig gegessen sind, ist das vielleicht nicht ganz ideal. Ein flüssiger(er) Kern ist nochmal eine Kunst für sich. Eine hohe Backtemperatur ist hier sicherlich von Vorteil in Kombination mit einer kurzen Backdauer. Aber kommen wir erst einmal zu meinem Rezept.

Schokoladen-Cupcakes
Zutaten

  • 400 g Zartbitterschokolade
  • 2 Eier (Größe M)
  • 125 g Butter
  • 75 g Zucker
  • 150 g Mehl
  • 200 g Sahne
  • 10 g Backpulver
  • 1 g Salz
  • 60 g Kakaopulver
  • 5 g Kaffeepulver
  • 150 mL Milch

Zuerst schmelze ich 100 g der Zartbitterschokolade und mische die Schmelze mit 150 g Schlagsahne. Dabei ist es wichtig, dass von der Schokolade keine Brocken übrig bleiben, im Zweifelsfall einfach nochmal ein bisschen erwärmen. Das wandert für so mindestens zwei Stunden in den Kühlschrank, abhängig ist das irgendwo auch von der Temperatur der Schmelze, es kann aber auch länger drin bleiben. Diesmal fange ich auch rückwärts an, denn diese Schokoladen-Sahne-Schmelze ist für das Topping.
Dann zerhacke ich 100 g Zartbitterschokolade, die restlichen 200 g schmelze ich, weil ich schlicht und ergreifend keine Lust hatte, 300 g zu zerhacken und Spaß daran habe, Schokolade zu schmelzen. Sobald die Schokolade halbwegs angeschmolzen ist, gebe ich 125 g Butter zur Schokolade und schmelze weiter. Die zerhackte Schokolade mische ich mit 60 g Kakaopulver, was kein Trinkkakaopulver im klassischen Sinne ist, sondern wirklich Kakaopulver ohne Zuckerzusatz. Dazu kommen 150 g Mehl, 75 g Zucker, 1 g Salz, 10 g Backpulver und 5 g Kaffeepulver. Das ist zu wenig, um es als Kaffee-Cupcakes bezeichnen zu können, aber genau, um ein Aroma herauszukitzeln.
Die restliche Sahne, also 50 g, gebe ich zusammen mit 150 mL Milch und zwei Eiern dazu. Dann haue ich die Schmelze aus Butter und Schokolade rein, mische es und gebe den fertigen Teig bei 210 °C für 12 Minuten in den Ofen.
Es wird übrigens so schokoladig, weil für ein paar Rezepte für schokoladige Backerzeugnisse gilt, um ein wirklich schokoladiges Ergebnis zu erzielen, wird die dreifache Menge an Schokolade verwendet im Vergleich zum Rezept. Das wären also 1,2 kg Schokolade und ich glaube, das wird etwas viel für 12 Cupcakes. Danach kommt das Topping aus dem Kühlschrank drauf. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Helium-Cupcakes

Diesmal ist es vielleicht nicht wunderschön geworden, weil alles ein brauner Klumpen ist, aber es schmeckt sehr schokoladig. Passend zu Helium ist es mir leider nicht gelungen, transparente Cupcakes zu machen, aber immerhin sind die Cupcakes in sich selbst glücklich, weil sie sehr schokoladig sind, so wie eben Helium mit sich selbst unglaublich glücklich ist und keine Verbindungen zu anderen Elementen möchte.

Mär 31, 2019

Backprojekt 118 Cupcakes: Die Einführung mit Wasserstoff

Ich gebe zu, der Titel dieses Beitrags wirkt schon etwas merkwürdig. Die Mischung aus Cupcakes und Wasserstoff ist nicht unbedingt intuitiv. Allerdings steht dahinter ein größeres Backprojekt, was ich von jetzt an in Zukunft immer mal wieder in Angriff nehmen möchte. Ich möchte zu jedem Element des Periodensystems einen Cupcake backen.
Die Idee ist mir dadurch gekommen, dass ich auf Twitter ein Bild gesehen habe, auf dem ein Periodensystem mit Cupcakes zu sehen war. Mein erster Gedanke war "Das möchte ich auch!" Jedoch ist mir dann aufgefallen, dass 118 Cupcakes auf einmal eine ziemlich große Menge sind, für die ich dann auch Menschen bräuchte, die das alles essen. Meine nächste Überlegung war, das eventuell aufzuteilen. Vielleicht hier mal eine Hauptgruppe backen, da mal die Lanthanoide, danach mal eine Periode nur mit Nebengruppenelementen... Aber mir ist aufgefallen, dass das unterschiedliche Ausbeuten ergäbe. Manche Cupcake-Ladungen wären größere als andere und ich tue mich schwer damit, exakt auf den Cupcake genau zu skalieren. Also dachte ich mir, ich möchte das für jedes Element tun. Das passt ganz gut damit zusammen, dass ich sowieso schon geplant habe, zu jedem Element vielleicht was Kurzes zu machen, was ich nun damit verbinde, diesem irgendeine Form des Geschmacks und sei es durch Farben zuzuordnen. Also gibt es jetzt Chemie und leckeres Essen. Die Cupcakes enthalten übrigens nicht zwingend das jeweilige Element.

Aber im Falle von Wasserstoff, dem ersten Element im Periodensystem, wird es ziemlich sicher im Cupcake enthalten sein. Die gesamte organische Chemie, worunter ein Großteil der Chemie der Nahrung fällt, braucht Wasserstoff. Daneben haben wir Wasserstoff im Wasser. Aber ganz abgesehen davon handelt es sich bei Wasserstoff um das häufigste Element des Universums. Diese Häufigkeit, ja schon fast Gewöhnlichkeit, sorgt dafür, dass ich Vanille als Geschmacksrichtung in Erwägung ziehe. Allerdings würde ich tatsächlich nur das Wasserstoff mit einem Proton im Kern als Vanilla bezeichnen. Es gibt noch zwei weitere Isotope, Deuterium mit einem Neutron im Kern und Tritium, radioaktiv übrigens, mit zwei Neutronen im Kern. Aber will ich beim Backen auf potentielle Isotope Rücksicht nehmen? Versteht mich nicht falsch, die verschiedenen Wasserstoffisotope sind notwendig für eine Kernfusion wie sie gerade in diesem Moment in unserer Sonne stattfindet. Tendenziell wäre also auch was leuchtend Sonniges eine Option. Aber sowohl das erste Isotop mit nur einem Proton, Protium manchmal genannt, als auch Deuterium leuchten in einer Entladungsröhre pink. Das lässt mich mental schon mal in die Richtung Himbeere gehen. Außerdem beginnt "Himbeere" mit H. H ist das Symbol für Wasserstoff im Periodensystem, es kommt von Hydrogen.

Wasserstoff neigt darüber hinaus dazu, mit sich selbst eine Verbindung einzugehen, was uns dann im H\(_2\)-Molekül begegnet. Das liegt daran, dass ein einzelnes Wasserstoffatom das Bestreben dazu hat, seine Atomhülle zu vervollständigen, um wie Helium auszusehen. Dazu benötigt es einen Partner mit einem Elektron und das ist nun einmal der Wasserstoff selbst. Wasserstoff ist ein Energieträger, wird also eingesetzt, um andere Energieformen in für uns besser nutzbare Formen wie elektrische Energie umzuwandeln. Vereinfacht könnte diese Eigenschaft als Energieträger auf einen hohen Brennwert der Cupcakes angewandt werden. Damit kann ich mich also richtig mit Zucker, Fetten und sonstigen leckeren, aber kalorienreichen Erlebnissen austoben. Allerdings ist diese Eigenschaft für Cupcakes im Allgemeinen alles andere als selten.

Wasserstoff in weiteren Verbindungen ist vielleicht mehr oder weniger direkt nutzbar, wenn ich etwas Flüssiges hinzugeben möchte. So gut wie alle Flüssigkeiten in der Küche sind wässrige Lösungen. Milch ist eine wässrige Lösung, auch Sahne enthält Wasser. Potentieller Himbeersaft? Wässrige Lösung. Wasserstoffperoxid wäre nicht so gesundheitsförderlich, Ammoniak als weitere Wasserstoffverbindung auch nicht. An der Stelle sei mir ein schlechter Witz erlaubt: "A person goes to a bar: "I want some H\(_2\)O!" Another person says "I want some H\(_2\)O too!" The second person dies." Ich habe keine Ambitionen, mit meinen Backkünsten jemanden umzubringen, also bleiben wir bei wässrigen Lösungen und organischen Wasserstoffverbindungen.
Eine von sehr vielen organischen Wasserstoffverbindungen ist übrigens Zucker, als Glucose zu finden mit der Summenformel C\(_6\)H\(_{12}\)O\(_6\). Wir haben also im Vergleich sehr viel Wasserstoff.

Vanilla-Himbeer-Cupcakes
Zutaten

  • 300 g gefrorene Himbeeren
  • 50 mL Himbeer-Sirup
  • 1 mL Vanille-Extrakt
  • 50 g Vanille-Paste
  • 215 g Mehl
  • 100 g Zucker
  • 3 Eier Größe M (bei mir waren das 255 g Ei)
  • 200 g Butter
  • 5 g Backpulver
  • 120 g Frischkäse
  • 150 g Puderzucker

Zuerst werfe ich die gefrorenen Himbeeren, davon 250 g, die idealerweise schon ein bisschen angetaut sind, mit 20 mL Himbeer-Sirup, 1 mL Vanille-Extrakt und 30 g Vanille-Paste (das sind laut Packungsangabe 6 Vanille-Schoten, ups) in einen Mixer. Nachdem das eine coole Smoothie-Eis-Konsistenz hat, werfe ich es mit 215 g Mehl, 100 g Zucker, 3 Eiern, 100 g Butter und 5 g Backpulver (könnte übrigens etwas wenig sein, mehr geht also auch) zusammen und vermische es. Das ist mir noch zu fest, also gebe ich weitere 30 mL Himbeer-Sirup hinzu. Nachdem das alles eine passende Konsistenz hat, gebe ich es für 20 Minuten bei 200 °C in den leicht vorgeheizten Ofen, also wird es wohl eine Temperaturkurve sein und nicht konstant 200 °C. Die benötigte Temperatur ist sowieso abhängig von Form und Größe der Cupcakes und daher Temperatur und Zeit nur ein grober Richtwert.
Nach diesem Auskühlen folgt die Zubereitung des Toppings. Dafür werfe ich 100 g Butter, 120 g Frischkäse, 150 g Puderzucker und den Rest der Vanille-Paste, also 20 g, zusammen, vermische es und dann ist das Topping schon durch. Danach werfe ich die restlichen Himbeeren auf die Cupcakes als essbare Deko drauf. Das sieht dann so aus.

Wasserstoffcupcakes

Tatsächlich ist das jetzt ein wenig himbeerfarbener geworden als gewollt, insbesondere innen drin. Allerdings ist es sehr vanillig geworden, denn irgendwie hat das ganze die Kraft und den Geschmack von 10 Vanilleschotten. Aber es ist lecker!

Die weiteren Beiträge dieser kleinen, aber langen Reihe werden mehr oder weniger regelmäßi erscheinen. Es kommt ganz darauf an, wie ich gerade zum Backen komme. Das hier wird also eine längere Sache, sowohl für mich als auch für meine Cupcake-Esser.