Jul 10, 2019

Straßenblockade in der Regensburger Altstadt mit Fridays For Future

Es war wieder eine Fridays For Future-Demonstration in Regensburg, dieses Mal am 5. Juli, die durchaus groß war. Diese Demonstration macht allerdings besonders, dass sie aus mehreren, einzelnen Demonstrationen bestand und den Verkehr im Bereich der Innenstadt und Altstadt weitgehend lahm legte. Wenn der Beginn zwischen den beiden Hochschulen, bei dem die Studierenden in die Stadt gegangen sind, angenommen wird, ist es um 14 Uhr losgegangen und um 22 Uhr geendet. 8 Stunden Demonstration sind durchaus viel und ich war auch nicht die ganze Zeit da. Ich war nämlich Ordnerin bei einer der gesperrten Straßen, wobei ein paar hundert Meter hinter der Einfahrt in die Straße schon die geplante Menschenkette war.

Das sind so die groben Umstände gewesen. Die Demonstration war schon lange vor besagtem Freitag, 5. Juli, in Planung. Dazu gibt's beispielsweise den Artikel "Fridays for Future" will Verker lähmen der Mittelbayerischen. Es sah auch eine Weile so aus, als wäre es möglich, die Demonstration wie geplant durchführen zu können.
Dooferweise wollte das Ordnungsamt dann erst am Mittwoch oder Donnerstag vor der Demonstration entscheiden, ob das so stattfinden darf. Dem voraus ging ein offener Brief der Regensburger Kaufleute und der Hotels in Regensburg. Darin geht es unter anderem um die Sorge der Gewinneinbußen, also doof für die Wirtschaft. Vereinfacht gesagt kommt mir Umwelt gegen Wirtschaft bekannt vor, auch, wenn es hierbei nicht um beispielsweise die Abschaltung von Kohlekraftwerken vs. Arbeitsplätze dort geht. Aber auch so Thematiken wie Anfahrt der Mitarbeitenden oder von Hotelgästen werden genannt, wobei es in meinen Augen kein Ding der Unmöglichkeit ist, innerhalb dieser zwei Stunden außerhalb zu parken. Interessanterweise wird auch das Bürgerfest kritisiert, aber dazu komme ich gleich noch. Kurz will ich aber noch darauf eingehen: "Wir bitten Sie, die Stadtführung, dringend, uns von dem Makel zu befreien, die Demohauptstadt Bayern zu sein."
Dabei schwingt so vieles mit, was mir übel aufstößt. Zum einen ist Regensburg definitiv keine Demohauptstadt. In beispielsweise München wird deutlich häufiger demonstriert. Zum anderen ist es kein Makel, wenn Menschen demonstrieren und dadurch ihre Meinung ausdrücken. Das ist ein fundamentales Grundrecht. Ich finde diesen Brief somit im Gesamten doch recht hart.

Kommen wir also noch kurz zum Bürgerfest. Ja, es hat zeitlich am Wochenende davor stattgefunden. Aber im Gegensatz zur Fridays For Future-Demonstrationen waren hier große Teile der Altstadt nicht für zwei Stunden mit dem Auto unbefahrbar, sondern für drei Tage. Dazu hat es offenbar keinen offenen Brief gegeben. An der Stelle möchte ich dem Bürgerfest nicht seine Berechtigung absprechen, aber ich lehne mich vermutlich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, beim Bürgerfest handelt es sich tendenziell um eine Veranstaltung, bei der konsumiert und eingekauft wird. Dass das auf die lokalen Läden in der Altstadt übergeht, ist verständlich. Eine Fridays For Future-Demonstration ist nicht konsumierend. Es ist vermutlich deutlich unwahrscheinlicher, dass Demonstrierende zwischendurch noch shoppen gehen wollen.

Aber kommen wir mal zur Demonstration selbst. Im Vorfeld wusste ich bereits, dass Regensburg Repartiert dabei sein wird und dass Hackers For Future die Demonstration unterstützt, sodass ich in deren Ecke dabei war und letztlich die Straße mit gesperrt habe.
Bei dieser Straßensperre ist es nicht so, dass wir Rettungsdienste oder Menschen mit Behinderungen aufgehalten haben, sondern Menschen, die in diese Zone hineinfahren wollten, weil sie beispielsweise in der Stadt einkaufen wollen oder so was und wurde zu Beginn der Menschenkette auch noch mal strenger gehandhabt beispielsweise in Bezug auf Anwohnende, weil etwa geschätzte 300 Meter hinter der Kreuzung die Menschenkette stattfand.
Interessanterweise waren die Menschen in Autos, mit denen ich gesprochen habe, in den seltensten Fällen informiert. In meinen Augen hatte die Stadt die Verantwortung, zumindest Anwohnenden Bescheid zu geben, dass es zu Straßensperren kommen könnte, genauso wie Hotels ihren Gästen diese Problematik kommunizieren sollten.
Jedenfalls gab es einige Menschen, die nicht informiert waren, die aus verschiedensten Gründen in die Stadt hinein wollten. Eine Teilmenge dieser Menschen hat uns Ordnenden nicht geglaubt und hat dies mit der Polizei ausdiskutiert, wobei es sich dabei ausschließlich um Fahrer (ja, nur Männer) mit SUV oder teuren Autos gehandelt hat. Ich kann durchaus verstehen, wütend zu sein, gerade, wenn jemand es nicht mitbekommen hat. Aber in den allermeisten Fällen wäre es möglich gewesen, in einer Seitenstraße vor der Blockade zu parken und den Rest des Weges zu Fuß zu bewältigen.
Tatsächlich bin ich der Meinung, dass solch eine Demonstration auch irgendwo weh tun muss, um auf das Thema aufmerksam zu machen, denn die Folgen des Klimawandels werden deutlich mehr weh tun als zwei Stunden lang nicht in eine Innenstadt fahren zu können. Hätte ich mehr Zeit, fände ich es sogar spannend, das jede Woche so zu machen.
Ich meine, die Idee, das Auto mehrere Stunden oder einen Tag lang stehen zu lassen ist nicht so neu. Das gab es bereits 1973 während der Ölkrise und ich war damals im Politikunterricht sehr erstaunt, als meine Lehrerin davon erzählt hat. Insgesamt gab es vier autofreie Sonntag als Sparmaßnahme und ich fände es ehrlich gesagt spannend, das mal zu erleben und nicht nur aus Erzählungen zu kennen, weil ich ein bisschen zu jung bin, um die autofreien Sonntage zur Ölkrise mitbekommen zu haben. Leider ging es da auch eher um Wirtschaft statt um Umwelt. Aber früher war das Auto stehen zu lassen auch was, warum also nicht knapp 50 Jahre später im Namen der Umwelt?

Aber noch kurz zurück zur Demonstration, es war toll, danke, an alle Menschen, die dort waren und es war vermutlich auch nicht die letzte Demonstration von Fridays for Future und ich freue mich auf weitere Aktionen solcher Art.

Mär 15, 2019

Mein erstes Mal Fridays For Future in Regensburg

Fridays For Future, Schulstreik für das Klima, Schüler, die dem Unterricht freitags fern bleiben, um für eine tagesakutelle Umweltpolitik zu demonstrieren, was immer wieder in verschiedenen Medien thematisiert wird, das ist gewissermaßen etwas für mich. Ich bin seit meiner frühsten Jugend politisch und hätte mir gewünscht, dass damals solch ein Antrag unter meinen Mitschülern für die ACTA-Proteste gegeben hätte wie es das jetzt für die Klimapolitik gibt. Ich finde es unterstützenswert, dass junge Menschen sich in diesem Rahmen politisch engagieren. Deswegen wird dieser Beitrag etwas politischer und ich schreibe ein wenig über meine eigene Erfahrung mit der Fridays For Future-Bewegung.

Dass junge Menschen, in diesem Fall besonders eine Person, Greta Thunberg, sich diesbezüglich engagieren, habe ich etwa zum Jahreswechsel wahrgenommen. Mehr oder weniger auffällig wurde es dann im Laufe des noch jungen Jahres, allerdings hatte ich da schlicht und ergreifend keine Zeit, selbst so einer Klimademonstration beizuwohnen. Ich bin zwar Studentin und habe kaum Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht (Laborpraktika fallen unter die Anwesenheitspflicht, was aber irgendwo logisch ist), aber freitags waren mir die Vorlesungen zu wichtig, um sie ausfallen zu lassen. Nacharbeiten ist da sowieso schwierig, weil dort Dozenten dabei sind, die zwar ihre Folien online stellen, aber das war's dann auch. Die Mitschrift bekommen Anwesende, die das von der Tafel abschreiben, Vorlesungsaufzeichnungen gibt es nicht. Dieses Thema gibt vermutlich genug für einen eigenen Blogbeitrag her.
Doch dann kam irgendwann die vorlesungsfreie Zeit. Der Teil davon, der nicht für das Lernen für Klausuren drauf geht, ist tatsächlich so was wie frei. So kam es, dass ich zum ersten Mal wirklich Zeit für Fridays For Future hatte und sich für mich die Frage stellte, ob ich diese Veranstaltung mit meiner Anwesenheit unterstützen möchte. Dabei habe ich mir darüber Gedanken gemacht, was genau ich tun kann, anwesend sein ist klar. Aber so eine Demonstration lebt nicht nur von Anwesenden, es braucht auch Ordner.
Ordner sind quasi diejenigen, die ein bisschen darauf schauen, dass der Demozug grob zusammenbleibt und darauf hinweist, Straßen freizuhalten. Es kann auch sein, dass bestimmte Auflagen durchgesetzt werden sollen, beispielsweise ein Alkoholverbot. Es ist ein bisschen wie die Engel bei Chaosveranstaltungen wie dem Congress. Tatsächlich ist "engeln" auch ein schöneres Wort als "ordnern". Jedenfalls müssen diese Ordner volljährig sein. Ich kann mir vorstellen, dass viele Schüler das gerne tun würden, aber schlicht zu jung sind. Insofern sehe ich es gewissermaßen als meine Art der Hilfestellung an, eben so diese Bewegung zu unterstützen. Hätte es in meiner Schulzeit solche Demonstrationen gegeben, ich wäre froh über volljährige Menschen gewesen, die das übernehmen. Daher bin ich das vielleicht irgendwo meinem früheren Ich schuldig.

Ich habe mit der lokalen Fridays For Future-Gruppe kommuniziert und gefragt, ob ich als Ordnerin helfen kann und so kam ich dann heute vor der Demonstration zu einer kleinen Einweisung. Bedauerlicherweise war es ein wenig regnerisch, was aber offenbar die wenigsten Schüler davon abgehalten hat zu demonstrieren. Es ist übrigens sehr spannend zu sehen, wie sich solch eine Demonstration formiert und immer mehr junge Menschen mit eigenen Schildern kommen. Im Übrigen waren Schüler nicht die einzigen Anwesenden. Ein paar der lokalen Parents For Future-Gruppe waren auch da. Besonders cool fand ich auch einen Lehrer, der sich aus einem Gespräch mit einer weiteren Ordnerin und mir mit den Worten "Ich muss mal kurz dahinten zu meinen Schülern!" verabschiedete.
Ehrlich gesagt, ich finde es extrem schade, wenn Schulen sich gegen diese Proteste stellen. Schon klar, es gibt eine Schulpflicht, aber die Drohnung mit Verweisen für ein paar Fehlstunden? Bitte was? Es geht hier um junge Menschen, die politisch engagiert sind. Die Meisten würden das vermutlich auch in ihrer Freizeit tun. Oh, warte, das tun sie, in Hamburg sind aktuell Ferien und trotzdem wurde sich an dieser großen, globalen Demonstration beteiligt. Dass der Streik auf die Schulzeit fällt, ist, damit es auffällt. Und wenn ich mal ganz ehrlich nach meiner eigenen Bequemlichkeit gehe, dann klingt bis um eins in der warmen Schule sitzen besser als zwei Stunden lang im Nassen und Kalten rumzulaufen. Gut, mittlerweile habe ich die Wahl zwischen einer warmen Wohnung beziehungsweise einem warmen Bett und einer nass-kalten Demonstration. Aber in meiner Schulzeit gab es diese Wahl ja noch nicht einmal. Daher bin ich ganz froh, dass ich vor zwei Wochen gesehen habe, dass in der Kleinstadt, der saarländischen Provinz, Fridays For Future-Demonstrationen stattfinden. Ich habe mich richtig gefreut, als mir eine Freundin geschrieben hat, dass sie sich extra dafür frei genommen hat.
Aber zurück nach Regensburg: Ich habe vor Ort erfahren, dass wir eine lange Route vor uns haben, vier Kilometer, durch die Altstadt, aber auch über die Nibelungenbrücke. Auf dieser Brücke ist vergleichsweise viel Verkehr. Demnach hatten wir als Ordner relativ wenig auf dem Weg in der Altstadt zu tun, als es dann aber auf die Straße ging, war das etwas schwieriger, darauf zu achten, dass jeder auf der richtigen Seite geht und sich nicht irgendwie doof in den bald wieder geöffneten Verkehr begibt. Die Gegenfahrbahn wurde nämlich kurz darauf auch wieder geöffnet. Aber gerade dadurch, dass es zu solchen Beeinträchtigungen kommt, fällt die Demonstration auch auf. Der RVV hat deswegen auch Verspätungen und Ausfälle von 10 bis 15 Uhr angekündigt.

Generell war die Demonstration aber unglaublich friedlich und geradezu idealistisch. Das ist aber gerade für junge, politische Menschen irgendwo ganz normal. Ich werde mal schauen, dass es mich vielleicht noch ein paar Mal zu Fridays For Future verschlägt. Ein wenig muss ich mich im Rest der vorlesungsfreien Zeit ja zwischen Regensburg und der saarländischen Provinz aufteilen.