Jun 06, 2019

Wunschanforderungen an Lehrende

Ich habe ja bereits das ein oder andere Mal geschrieben, dass ich mir wünsche, dass insbesondere Lehrende sich ihrer Verantwortung bewusst werden und gewisse Hierarchien bereit sind, aufzubrechen. Aber was genau möchte ich beispielsweise als Studentin von einer lehrenden Person? Was erwarte ich, was wünsche ich mir? Ich kann darauf nur einen geringen Einfluss nehmen, denn wenn ein neuer Professor berufen wird, kann auch die Fachschaft darauf Einfluss nehmen als eine der Stimmen der Studierenden. Sie ist zwar nicht so wirklich groß, aber immerhin ist sie da.
Jedenfalls möchte ich an dieser Stelle schreiben, was genau jemand, der sehr gute Lehre macht, mit sich bringt oder mit sich bringen sollte. Einige Beispiele, im Positiven wie im Negativen, habe ich bisher schon erlebt.

Das Wissen, dass ihr Stoff nicht für jede Person einfach ist

Viele Dozenten halten eine Vorlesung nicht zum ersten Mal, sondern haben unter Umständen diese eine Vorlesung für mehrere Jahre in ihrem Repertoire. Dann wird die Vorlesung eben jährlich oder jedes Semester angeboten und ich kann verstehen, dass das irgendwann für die lehrende Person dazu führt, dass sehr vieles einfach wirkt, insbesondere, wenn es sich noch um Grundvorlesungen handelt. Hier fehlt mir allerdings der Blickwinkel der Studierenden. Das sind diejenigen, die das alles zum ersten Mal hören und verstehen wollen. Hier muss für ein Bewusstsein gesorgt werden, dass es für viele eben nicht einfach ist, sei es durch Feedback der Studierenden oder das von Übungsgruppenleitern, falls es denn eine Übungsgruppe gibt. Um es mit den Worten aus eines Professors zu Vorlesungsbeginn zu sagen "Sie werden sehen, das ist alles ganz einfach. Okay, ehrlich gesagt ist das nicht einfach. Aber ich werde versuchen, es so zu erklären, dass Sie es als einfach empfinden."

Kommunikation mit Studierenden

Nur, wenn eine lehrende Person mit denjenigen redet, denen sie etwas beibringen soll, kann sie ein Gefühl dafür bekommen, was als einfach verständlich empfunden wird, was als schwierig gilt, was zu viel an Umfang ist, wo vielleicht noch tiefer ins Detail gegangen werden kann. Ja, auch hier müssen Studierende sich einbringen und aktiv mit ihren Dozenten sprechen. Aber auch hier können Lehrende weitreichende Maßnahmen anbieten. Sei es ein anonymisiertes Online-Forum für Fragen, interaktive Vorlesungen mit Zwischenfragen an die Studierenden oder ein Gespräch mit drei, vier Studierenden nach jeder Vorlesung, da einfach mal nach Interesse fragen und dort eine genauere Erklärung mitnehmen, Kommunikation über Übungsgruppen. Ich hatte schon mal all das und noch mehr in nur einer Vorlesung und ich fand es toll, so viele Möglichkeiten zu haben.
Gleichzeitig ist es wichtig, dass Studierende in der Kommunikation ernst genommen werden, auch was so was wie Praktikumsorganisation angeht. Als Praktikumsbetreuer erachte ich es als wichtig, insbesondere während der Laborzeiten ansprechbar zu sein. Ich fand es zudem toll, dass ein Professor, der das Praktikum betreut hat, selbst für einen der Versuche zuständig war, was sonst nur Masteranden/Doktoranden machen, das flacht die Hierarchie zumindest ein bisschen ab.

Ein gewisses Interesse an Didaktik

Didaktik, die Lehre des Lehrens, ist definitiv nicht nur etwas für angehende Lehrer an staatlichen Schulen. Auch Lehrende sollten ein Gefühl dafür haben, wie man Menschen wissenschaftlich fundiert etwas beibringt. Ich weiß, dass einige Hochschulen viel für die didaktische Weiterbildung ihres lehrenden Personals tun, gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, dass es nicht wenige Personen gibt, die eine solche didaktische Weiterbildung eher als nervige Pflicht ansehen, gerne mit dem Glauben, dass die eigene Lehre so gut wie wie nun einmal ist. Das führt mich direkt zum nächsten Punkt.

Lehrende machen Fehler und sind nicht perfekt

Es gibt so viele perfekte Lehrende wie es perfekte Menschen gibt, nämlich keine. Sei es das eigene Lehrkonzept, sei es irgendeine Erklärung, sei es ein Fehler, der irgendwie gemacht wurde. Das ist vollkommen in Ordnung. Ich wünsche mir dieses Eingeständnis auch von Lehrenden, dass es für sie okay ist, nicht alles zu wissen, dass sie auch mal Fehler machen, zu diesen Fehlern stehen und sich hinterfragen. Wissenschaft und Forschung sind ein stetiger Prozess. Lehre ist das auch. Insbesondere gehört für mich auch dazu, Kritik anzunehmen und dabei nicht in einen Prozess der pauschalen Abwehr und Rechtfertigung zu verfallen.

Übungsgruppen/Sprechstunden anbieten

Ich weiß, sehr viele Stundenpläne und Modulkataloge sind kurz vorm Überlaufen. Aber wenn irgendwie die Möglichkeit besteht, Übungsgruppen anzubieten, ist das eine großartige Sache. Es gibt schlicht und ergreifend mehr Übung für Studierende und eine weitere Option, wie der Stoff überhaupt angenommen wird und wo es Schwierigkeiten gibt. Gleichzeitig bestünde (sonst) die Möglichkeit von Tutorien oder Sprechstunden, einmal in der Woche für ein bis zwei Stunden, zu denen Studierende mit ihren Problemen kommen können.

Lehrmaterialien zur Verfügung stellen

Viele Lehrende haben in welcher Form auch immer ein Skript, einige stellen es auch Studierenden zur Verfügung, was ich für eine gewisse Verpflichtung halte. Lehre muss so offen wie möglich sein, denn auch dahinter steckt freies Wissen und freie Forschung. Darunter zählen für mich auch Vorlesungsmitschriften, sei es, um irgendwas im Nachhinein nachzuvollziehen, weil man irgendwas an der Tafel nochmal abgleichen möchte, sei es aus Gründen der Barrierefreiheit. Ja, auch hier zählt Barrierefreiheit, denn es gibt durchaus Menschen, die sehr schlecht sehen und Probleme damit haben, das an der Tafel zu entziffern und noch mehr Probleme beim Konzept Mitschreiben und gleichzeitig Zuhören und Verstehen haben. Es macht vieles nochmal nachvollziehbar, man kann überprüfen, an irgendeiner Stelle Literatur dazu suchen, eine Pause machen und sich alles nochmal verinnerlichen.

Vorlesungaufzeichnungen

Auch etwas langsamer durchzugehen, mehr Zeit zum Verstehen zu haben, Klausurenvorbereitung durch ein Bingewatching, das bringen Vorlesungsaufzeichnungen und auch hier haben wir wieder den Punkt mit der Barrierefreiheit. Zudem kann es immer sein, dass jemand an einem Vorlesungstermin schlicht nicht kann. Sei es wegen Kindern, einem Job, um sich das Studium überhaupt finanzieren zu können (ja, es gibt Studierende, die nebenbei arbeiten müssen) oder aus welchen Gründen auch immer. Da lässt sich garantiert eine ewig lange Liste schreiben. Wenn eine lehrende Person sich vor einen Hörsaal stellen und etwas erzählen kann, dann kann sie das in meinen Augen auch vor einer Kamera. Ich weiß, hier fehlen auch noch diverse Möglichkeiten zur Finanzierung, aber es gibt auch Dozenten, die daraus eine gewisse Eigeninitiative brachten.
Bei Vorlesungsaufzeichnungen wäre es super, auf den Datenschutz der Studierenden zu achten und den Mitarbeitern zu erklären, dass solche Bedenken durchaus berechtigt sind und jemand auch ein Problem damit haben könnte, gefilmt zu werden, was nicht nur daran liegt, dass jemand seine Frisur nicht im Internet sehen möchte, weil man ein Problem mit dem Haarschnitt oder was auch immer hat. Ein Bewusstsein für Datenschutz ist dabei unabdingbar, sodass wirklich nur der vordere Bereich des Lehrenden gefilmt werden sollte.

Faire Klausuren

An dieser Stelle ist es möglich, sich sehr zu streiten, wann eine Klausur fair ist. Das möchte ich an dieser Stelle nicht tun, ich möchte hier ein paar Maßnahmen nennen, um Klausuren fair gestalten zu können. Erstmal finde ich hier den Austausch mit Übungsgruppen(leitern) sehr wichtig, falls es denn Übungsgruppen gibt. Generell finde ich es wichtig, mit Menschen zu reden, die ein gewisses Gefühl für den Stoff und für die Studierenden haben.
Daneben halte ich diese Policy, Zweitversuche prinzipiell schwieriger als Erstversuche zu machen, nicht wirklich was. Es hat Gründe, dass Studierende durch Erstversuche fallen. Vielleicht haben sie nicht genug gelernt, vielleicht haben sie Probleme mit dem Stoff, prinzipiell ist es aber ein Zeichen, dass irgendwas zu schwierig für Studierende war. Da bringt es nichts, einen Zweitversuch noch schwieriger zu machen, weil da ja mehr Zeit zum Lernen ist. Das ergreift nicht die Tiefe des Problems. Daneben kann jeder mal einen schlechten Tag haben, krank sein und deswegen den Zweitversuch mitschreiben müssen oder was auch immer. Ich weiß, dass manche Hochschulen das so umgehen, dass es generell nur einen Versuch pro Semester/Jahr (letztes für jährlich stattfindende Veranstaltungen) gibt. Somit ist ein Zweitversuch für viele gleichzeitig ein Erstversuch und es kann nichts bewusst schwieriger gestellt werden.

Bessere Bezahlung und Entfristung von wissenschaftlichen Mitarbeitern

Ich weiß, ein Großteil der Lehre wird über wissenschftliche Mitarbeiter gestemmt, die selbst oft nur eine Halbtagsstelle haben, unbezahlte Überstunden ableisten und hoffen, ja genügend Paper zu veröffentlichen, um eine Anschlussstelle zu bekommen, sodass da logischerweise Zeit für Lehre hinten runter fällt. Forschung ist hart, daneben noch gute Lehre abzuleisten noch härter. Ich möchte daher gute Arbeitsbedingungen für insbesondere junge Menschen in der Wissenschaft, sodass weniger Druck darauf lastet, so viel zu schreiben und zu veröffentlichen wie möglich, weil nur davon eine weitere Stelle abhängig ist, und die Lehre als nervige, zeitfressende Pflicht deklariert. In diesem Rahmen muss auch als gut empfundene Lehre irgendeine Art der Belohnung erfahren.

Kontakt außerhalb von Lehrveranstaltungen zu Studierenden

Vor kurzem habe ich beim Sommerfest der einer Fakultät erleben dürfen, dass tatsächlich ein Professor mitgeholfen hat und solche einfachen Schichten wie die Grillschicht übernommen hat, was ich bisher gar nicht gekannt und nicht für möglich gehalten habe. Natürlich ist das nur ein Beispiel, was nicht zwingend für eine gute Lehre sprechen muss. Aber es zeigt schon einmal einen gewissen Kontakt und eine gewisse Kontaktfreudigkeit. Das hier ist sowieso neben all dem anderen ein ziemlicher Bonuspunkt, ist aber auch so ein bisschen ein Sinnbild für flachere Hierarchien.

Motivation

Ich finde es wichtig, dass Lehrende nicht unbedingt den Eindruck vermitteln, dass sie gerade nur in diesem Vorlesungssaal stehen, weil sie dooferweise eine Vorlesung halten müssen, aber sich eigentlich lieber mit etwas ganz anderem beschäftigen wollen. Das ist im Grunde genommen gerade bei wissenschaftlichen Mitarbeitern, die Forschungs- und Veröffentlichungsdruck haben am verständlichsten, die sind aber oftmals noch motiviert meiner Erfahrung nach. Wenn mir aber auffällt, dass jemand keine Lust auf Lehre hat, dann demotiviert das auf einer gewissen Ebene mich mit. Hat jemand hingegen Bock, mir was beizubringen, wirkt sich das auch positiv auf mich auf.

Mir ist bewusst, diese "Wunschliste" ist sehr lang und vieles davon können aufgrund der Probleme wie zeitlichem Mangel nur Professoren umsetzen und nicht wissenschaftliche Mitarbeiter, die neben ihrer Forschung eben auch mal eine Vorlesung halten, weil Lehre eben dazu gehört. Dabei beobachte ich in letzter Zeit sogar den Trend, dass wissenschaftliche Mitarbeiter oder studentische Hilfskräfte noch mit am meisten Spaß daran haben, etwas beizubringen, auch, wenn es in unbezahlten Überstunden endet. Vieles aus dieser Liste trifft deutlich eher auf Professoren zu, gleichzeitig spiegelt das hier natürlich meine subjektive Meinung wieder und ist auch nicht unbedingt abgeschlossen. Ich bin nun einmal Studentin und werde im Zweifelsfall auch mal lauter und fordernder, als Studierenden zugestanden wird. Dabei sind gerade wir diejenigen, die diese Lehre erleben und ihr häufig ohnmächtig gegenüber stehen.
Daher, Mitstudierende, werdet lauter, macht euch Gedanken über bessere Lehre, versucht, Vorschläge einzubringen, wenn ihr dazu die Kraft habe.

Mai 15, 2019

Ein kleiner Blick in die Physik

Nachdem ich mir mittlerweile doch recht sicher bin, dass das Chemiestudium und ich ab kommendem Wintersemester getrennte Wege gehen werden und mein Stundenplan für das Sommersemester erstaunlich wenig Veranstaltungen in der Chemie enthält, überlege ich natürlich, was ich tun möchte und was ich studieren möchte. Dass ich weiter studieren möchte und keine Ausbildung anstrebe, das weiß ich bereits. Ich sehe mich eher in einem Studium, zumal mir das Konzept besser gefällt und ich die dort vorhandene Freiheit und Selbstständigkeit sehr mag. Ich weiß ja bereits, dass ich grob im MINT-Bereich bleiben möchte. Da bietet sich die chemienahe Naturwissenschaft Physik an. Gleichzeitig will ich übrigens nicht umziehen, mir nicht wieder eine neue Wohnung und Wohnort suchen.

Im Chemiestudium hatte ich immer besonders viel Spaß an der physikalischen Chemie. Thermodynamik und Kinetik waren toll, auch das entsprechende Praktikum war geil. Zudem hatte ich in der Chemie im ersten und zweiten Semester Physikvorlesungen, Experimentalvorlesungen im Bereich Mechanik und Elektrodynamik. Ich muss sagen, diese Vorlesungen waren großartig, was sicherlich auch mit dem sehr motivierten und kompetenten Dozenten zusammenhing.
Das Praktikum in der Physik hat mir Spaß gemacht, was aber sicherlich auch mit der Organisationsstruktur zusammenhängt. Mit zwei Kommilitonen zusammen Experimente machen und nette, alles andere als strenge Praktikumsbetreuer zu haben, ist schon eine sehr glückliche Situation.
Insofern mag ich Physik sehr und hatte dazu sehr gute Voraussetzungen, das weiterhin zu mögen. Mich interessiert Physik auch mehr als Biologie, was zwar auch eine coole Naturwissenschaft ist, aber gerade im Laufe der schulischen Oberstufe ist mir aufgefallen, wie viel mehr Physik mich im Vergleich zu Biologie interessiert. Chemie und die Physik der Außenelektronen eines Atoms hängen ja auch stark zusammen. Ein Professor für physikalische Chemie sagte mal, wir machen all das, was für die Menschen in der Physik zu schwierig ist. Ich mag diesen "Kampf" und Vergleich zwischen Naturwissenschaften nicht wirklich. Letztlich ist der Übergang sehr fließend. Also, warum nicht den Sprung in die Physik wagen?

Um ehrlich zu sein, ich glaube, dass Physik nicht das passende Studienfach für mich ist. Ich finde Physik unglaublich interessant und beschäftige mich in meiner Freizeit damit. Aber ich befürchte, dass ein Studium der Physik ähnlich aufwendig ist wie das der Chemie, zumindest mit Blick auf die Menschen, die ich kenne und die Physik studieren.
Dazu kommt, dass Physik noch mathematischer ist als die Chemie. Im Physikstudium in Regensburg sind teilweise die Vorlesungen des Mathematik-Studiengangs drin. Ich mag Mathe, aber ich befürchte, dass es für mich zu mathematisch werden könnte. Mathematik-Mathevorlesungen sind noch einmal eine Nummer härter als das, was ich in der Chemie erlebt habe.
Abgesehen davon, ich befüchte, ich käme langfristig nicht mit dem Ziel der Forschung klar, auf das der Physikstudiengang an der Uni Regensburg schon durchaus strebt. Die Forschung als Berufsfeld ist... anstrengend und ich habe großen Respekt vor jedem Menschen, der sich diesen Stress aus befristeten Verträgen, Umzügen, tendenziell unbezahlte Überstunden antut. Sonst kenne ich so einige Menschen mit einem Abschluss in Physik, die letztlich in der IT gelandet sind. Dafür muss ich nicht Physik studieren.

Eine potentielle Idee wäre auch die Computational Science in Regensburg, das ist ein Studiengang als Kooperation der Fakultät für Mathematik und der Fakultät für Physik. Allerdings ist hier wieder das Problem, dass ich die Mathematik-Vorlesungen und auch Klausuren habe, dazu noch jene in der Physik und dazu noch verschiedene Vorlesungen im Bereich der IT. Das könnte mir dann doch etwas zu viel werden.

Zugegebenermaßen, ich möchte nicht an dem Punkt landen, an dem ich wieder mein Studienfach wechsle. Gerade Physik ist da doch sehr riskant, das hat nämlich nicht eine geringere Abbrecherquote. Ich werde also weiter meine Augen offen halten und ein Semester lang experimentieren, was mir am besten liegt und was ich langfristig tun möchte. Physik mag zwar als Studienfach rausfallen, aber ich kann mich natürlich immer noch in meiner Freizeit für Physik interessieren, darüber lesen und verstehen. Es ist schließlich noch immer eine wunderbare Naturwissenschaft.

Mai 06, 2019

Von der Verantwortung der Lehre an Universitäten

Der Titel des Beitrags lässt es schon erahnen. Für diejenigen, die mir auf diversen sozialen Medien folgen, ist es nicht ungewöhnlich, dass ich, nachdem ich schon das ein oder andere Mal anekdotenhaft über die Lehre an meiner Universität und meinen Veranstaltungen berichtete, vielleicht einmal einen längeren Beitrag darüber schreibe. Dabei soll es nicht nur um das Phänomen der if-Schleife in Programmierkursen der studienbegleitenden IT-Ausbildung gehen, sondern meine persönlichen Erfahrungen mit der Lehre an Universitäten sowie einem gewissen Teil an Kritik. Ich möchte darauf hinweisen, dass meine Perspektive eben die einer Studentin ist und ich hier meine persönlichen Erfahrungen und Gedanken schildere. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass das, was ich sage, nicht auf alle Lehrenden in allen Studiengängen zutrifft. Abgesehen davon haben viele Lehrende noch ihre eigenen Probleme wie eine angemessene Bezahlung.

Beginnen möchte ich eigentlich von einem anderen Standpunkt aus. Studium ist für uns Studierende Eigenverantwortung. Wir können selbst entscheiden, wann wir wohin kommen und gehen, meistens zumindest. Natürlich gibt es auch Pflichtveranstaltungen mit Anwesenheitspflicht, in der Chemie auch bekannt als Praktikum im Labor. Das ist aber eine der wenigen Anwesenheitspflichten, die ich als sinnvoll erachte. In dem Fall ist es unsere Verantwortung, entsprechend auf die Versuche vorbereitet zu sein, damit wir uns oder jemand anderem eben nicht versehentlich schaden. Aber ansonsten ist alles unsere Verantwortung: Dass wir die Fristen für Protokolle einhalten, dass wir uns auf Prüfungen vorbereiten, dass wir uns dafür rechtzeitig anmelden, sehr viel an Organisation ruht eben auf Studierenden. Ich bin grundsätzlich ein großer Fan von diesem Konzept, es fördert meine eigene Zeiteinteilung und lässt mich gewissermaßen selbstständig arbeiten. Das Konzept eines Studiums bringt eben viel Organisation mit sich, dafür auch mehr Freiheiten.
In der Chemie ist das allerdings eingeschränkter als in anderen Studiengängen, zumindest in Regensburg im Bachelor. Eine gewisse Freiheit, was ich wann tue, ist dabei, aber ich kann es kaum ausreizen. Einige Veranstaltungen verlangen ein Bestehen bereits vorheriger, die maximale Studiendauer endet bei acht Semestern ohne weitere Konsequenzen, die Regelstudienzeit beträgt sechs Semester. Wirklich wählen was ich wann mache, kann ich kaum. Zudem kann ich kaum überhaupt wählen, was ich mache. Im ganzen Bachelor-Studium gibt es ein Wahlpflichtfach, ein Einziges. Der Rest ist vorgeschrieben und ein dreimaliges Nichtbestehen einer Prüfung bedeutet die Exmatrikulation. Diese Freiheit, nur Grundvorlesungen zu hören und den Rest selbst zu wählen, fehlt also im Chemiestudium wie ich es kennengelernt habe vollkommen.

Dadurch ergibt sich auch eine gewisse Machtstellung für jeden einzelnen Lehrenden und ich glaube, hier liegt der Beginn eines Problems, das allerdings nicht nur die Chemie betrifft. Jede Prüfung kann die letzte Prüfung sein. Das gilt nicht nur für die Chemie, sondern insgesamt. Ist ein Studium so aufgebaut wie das der Chemie, dann wird es dadurch natürlich noch ein wenig krasser.
Ob jemand Prüfungen besteht oder nicht, hängt zudem zu einem nicht unerheblichen Anteil vom Dozenten ab. Natürlich ist es die Aufgabe von Studierenden, den Stoff entsprechend nachzuholen, versuchen zu verstehen und Ähnliches. Aber wie leicht oder schwer es einem Studierenden dann letztlich fällt, das ist auch abhängig vom Dozenten. Wie gut wird ein Thema erklärt? Wie schnell wird der Stoff durchgenommen? Welche Vorkenntnisse werden erwartet? Und wie ist die Klausur gestellt? Die Art und Qualität der Lehre ist ein entscheidener Faktor. Nicht umsonst können sich manche Dozenten vor einen Hörsaal stellen und sagen "Ich werde den Zweitversuch bewusst schwieriger machen, da hat man ja auch mehr Zeit zum Lernen!", immerhin haben sie einen unglaublich großen Einfluss auf die Klausur. Sie stellen sie nämlich und können dabei ihre Willkür erfahrungsgemäß ziemlich stark ausreizen.
In der Konsequenz können sich Studierende nicht dagegen wehren, selbst wenn es schon bemerkenswert unfair wird. Dann gilt nämlich einfach der jeweilige Dozent als besonders hart und seine Klausuren als entsprechend schwierig. Wirkliche Konsequenzen auch bei hohen Durchfallquoten gibt es nicht. Wir haben ab und an Evaluierungen der Vorlesungen, die die Qualität der Lehre sicherstellen sollen. Gerne werden sie mit dem Hinweis ausgeteilt, dass unsere Antworten, auch das handschriftlich Geschriebene, anonymisiert werden. Manche laufen immerhin auch online, das ist grundsätzlich zu befürworten, denn da fehlt die Handschrift. Jedenfalls kam es nun dooferweise vor, dass eine solche Vorlesungsevaluierung anstand. Die Antworten bekam der jeweilige Dozent auch erst nach Korrektur der Klausur, anonymisiert. Kommen wir zu einem kleinen Plottwist: Das Feedback der Evaluierung wurde nochmal angesprochen, dabei war auf Folien die Handschrift der Studierenden zu sehen, also nichts mit Anonymisierung. Es hatte zudem einen unschönen Beigeschmack, dass dies direkt vor der Besprechung der Klausur stattfand.
Nächstes Beispiel? Ein Dozent stellt in seinen Folien zu jedem Thema am Ende eine Übersicht zur Verfügung, die die klausurrevelanten Themen aufgreift. Die Themen in der Klausur gehen über diese vorher deklarierten, klausurrevelanten Inhalte hinaus. Etwa 40% derjenigen, die die Klausur mitschreiben, fallen durch. Die Aussage des Dozenten war in einer der Vorlesungen davor war "Der Erstversuch wird bestehbar. Für den Zweitversuch haben sie ja mehr Zeit zum Lernen." Die Ergebnisse des Zweitversuchs? 70% fallen durch und das auch nur, weil diesmal nicht mehr 50% der Punkte notwendig ist, um zu bestehen, sondern nur noch 40%. Wäre die Hälfte der Punkte notwendig gewesen, würde es sich um eine Durchfallquote von 95% handeln. An dieser Stelle könnte man nun darüber debattieren, dass es vielleicht nicht didaktisch sinnvoll ist, denjenigen, die sowieso schon Probleme mit dem Thema hatten, absichtlich eine schwierigere Klausur vorzusetzen. Auch die Erklärung "Das ist die Verantwortung der Studierenden, da hätten sie halt mehr lernen müssen" halte ich in dem Fall nicht für ausreichend.
Einzelfall? Ich befürchte leider nicht. Zu Beginn des zweiten Semesters begrüßte uns ein Dozent mit den Worten, dass es dem aktuellen vierten Semester nicht so gut geht. Auf etwa 70, 80 Studierende liegen 50 Drittversuche vor. Manche haben zwar mehrere, aber das ist trotzdem schon eine... größere Zahl an scheiternden Studenten.
Daneben gibt es noch die Erzählung einer Klausur, in der 15 Studierende im Zweitversuch angetreten sind. 12 oder 13 hatten daraufhin einen Drittversuch, den einer bestanden hat. Die Moral von der Geschichte? Eigentich haben Studierende laut Prüfungsordnung drei Versuche, aber je nach Dozent doch nur einen.
Gleichzeitig zeigen Vergleiche mit Lehrmaterialien vorheriger Lehrender einer Veranstaltung gerne mal, wie viel Spielraum überhaupt herrscht und dass der dann doch größer ist als erwartet.

Worauf möchte ich nun mit diesen Erzählungen hinaus? Lehrende Menschen haben Macht, sie haben die Macht, Studierenden ein Bestehen einfach oder schwierig zu machen. In kaum einem Fall können Studierende wirklich dagegen vorgehen. Dann gilt nun einmal eine bestimmte Vorlesung mit einem bestimmten Dozenten als besonders schwierig, aber das wissen die Studierenden ja und es liegt in ihrer Verantwortung damit umzugehen. Oder nicht? Zu einem gewissen Teil mag das stimmen, aber eine gewisse Macht bleibt. Aus solch einer Macht folgt eine gewisse Verantwortung. Ich bin der Meinung, dass Lehrende die Verantwortung haben, eine Ausbildung von (jungen) Menschen nach bestem Wissen und Gewissen durchzuführen.
Das beginnt schon bei der Bereitstellung der Lehrmittel. Manche Dozenten sind so freundlich und stellen sämtliche Unterlagen online zur Verfügung. Andere stellen gar nichts zur Verfügung und manche stellen nur Materialien in ihrer Vorlesung zur Verfügung und lassen diese oftmals nicht aufzeichnen. Ich möchte an der Stelle nicht unbedingt, dass Vorlesungsaufzeichnungen zur Pflicht werden. Ich möchte eher, dass ein gewisser Standard herrscht, dass gewisse Materialien rausgegeben werden wie Tafelanschriften in der Vorlesung. Das sollte nicht auf das Gutdünken der Lehrenden zur Verfügung gestellt werden. Diese Verantwortung führt schließlich bis zu dem Punkt, an dem die reine Einstellung eines Lehrenden ausschlaggebend für die Zukunft eines Menschen sein kann, während eine wirkliche Qualitätsüberprüfung kaum stattfindet. Ich bin mir bewusst, dass ich mich dabei auf durchaus dünnes Eis begebe. Ich möchte die Freiheit von Forschung und Lehre nicht in Frage stellen. Ich möchte, dass Lehrenden ihre Verantwortung bewusst wird, die sie mit ihrer Macht haben und das nicht auf "Studium braucht halt Selbstverantwortung" runterzubrechen. Ich wünsche mir gewisse Mechanismen der Qualitätskontrolle. Das klingt an der Stelle vielleicht hart, aber ich möchte dieses Machtgefälle gedanklich dadurch aufbrechen, dass ich Lehre als Serviceleistung mir gegebenüber betrachte. Die Gesellschaft zahlt mit Steuern viel Geld in Forschung und Lehre. Das Ergebnis sollte demnach nicht eine unglaublich riesig wirkende Willkür von Lehrenden sein, bei denen die Studierenden eben Glück haben müssen, dass Lehrenden etwas daran liegt, dass sie weiter kommen.

Ich versuche mich mal einem Perspektivenwechsel. Was hat eine lehrende Person von einer guten, eigenen Lehre? Das Gefühl, jemandem etwas beigebracht zu haben, eine gute Bestehensquote, einen guten Stand bei Studierenden. Darüber hinaus kostet gute Lehre Zeit. Diese Zeit fehlt dann in der Forschung oder in der eigenen Freizeit. Ich glaube, sehr viele Menschen in der Wissenschaft kennen das Problem der befristeten Verträge, des Drucks, möglichst viel zu veröffentlichen und sich in der Forschung einen Namen zu machen, um eben nicht als arbeitsloser Wissenschaftler zu enden. Dieses Business ist brutal und erfordert seine Opfer. Ich kann es eigentlich niemandem verdenken, unter diesen Bedingungen die Lehre hinten runter fallen zu lassen. Genauso wie ich es verstehen kann, dass jemand keine Lehre machen möchte, sondern sich der Forschung widmen will, fände ich es großartig, wenn Lehrende aufgrund guter Lehre belohnt werden könnten. In der Realität bringt es stattdessen eher Nachteile, unbezahlte Überstunden, Stress. Ich hatte innerhalb der studienbegleitenden IT-Ausbildung einen Kurs, in denen angemerkt wurde, dass ein Skript doch ganz geil wäre. Die Antwort war, dass wir uns für eine Festanstellung des Dozenten einsetzen könnten. Sobald er die hat, bekommen wir auch ein Skript. Ansonsten hat er eben keine Zeit dazu, weil er forschen muss, auch, um eine Anschlussstelle zu bekommen.
Ich möchte diese Situation mit diesem Beitrag nicht schlecht reden, weil dahinter oftmals keine wirkliche Wahl steckt. Die Wahl haben wenn dann eher jene mit einer Festanstellung, die rar gesäten Stellen von Professoren zum Beispiel.

Also, worauf möchte ich hinaus? Mir geht es darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, was eigentlich alles unter dem Deckmantel der Selbstverantwortung der Studierenden läuft. Natürlich sind Studierende zu einem großen Teil für ihren eigenen Erfolg verantwortlich. Aber einer der entscheidenen Faktoren sind Lehrende. Ich glaube, deren Verantwortung wird sehr gerne unterschätzt im Verhältnis zu der Machtposition, die sie oftmals haben. Ich wünsche mir Kontrollmechanismen für diese Macht. Aus großer Macht folgt schließlich große Verantwortung.

Mai 02, 2019

Wie ich die Chemie-Prüfungsordnung hackte

Nachdem ich einen Blogbeitrag darüber geschrieben habe, dass ich mein Studienfach wechseln werde, werde ich in der Folge zwangsläufig mit der Bürokratie einer Universität zu tun haben. Den ersten Teil davon habe ich nun zu einem großen Teil hinter mir, nachdem ich nach meiner Entscheidung endlich bei der Studiengangskoordinatorin für Chemie war. Das habe ich ehrlich gesagt ein kleines bisschen aufgeschoben. Normalerweise hätte ich mich sowieso mit ihr zum Semesterstart getroffen, um meinen Stundenplan zu besprechen, aber nachdem das ein wenig in Eigenregie passiert ist, wollte ich mit ihr diesmal darüber reden, was ich in der Zukunft mit einem angefangenen Chemie-Studium machen kann. Mein Ziel ist es, dass ich selbst bei einer Exmatrikulation nicht die Bachelor-Prüfung endgültig nicht bestanden habe, was bedeuten würde, dass ich nicht einfach so wieder mit einem Chemie-Studium anfangen könnte. Aber fangen wir lieber erst einmal von vorne an.

Die Prüfungen in diesem Studiengang sind erst einmal so aufgebaut, dass es für vieles eine Prüfung in Form einer Klausur gibt. In der Regel steckt in einem Modul auch nicht nur eine solche Klausur, sondern mehrere. So ist zum Beispiel im Modul Energetik Thermodynamik I, Thermodynamik II, Kinetik und Elektrochemie mit drin. Das sind insgesamt zwei Klausuren, Thermodynamik I und Kinetik sind in einer Klausur, Thermodynamik II und Elektrochemie in einer weiteren. Allerdings bin ich nicht automatisch für die Thermodynamik II angemeldet, wenn ich Thermodynamik I geschrieben habe. Den Klausurtermin darf man sich nicht wirklich aussuchen. Zwar kann ich mich einfach nicht für eine Prüfung anmelden, kann die dann aber frühestens im darauf folgenden Jahr nachholen, weil jede Veranstaltung nur alle zwei Semester angeboten wird. Damit wird es relativ ungünstig, Klausuren zu schieben. Wenn ich mich für eine Klausur anmelde in einem Semester anmelde, muss ich den Erstversuch wahrnehmen, wenn ich nicht gerade krank bin. Wenn ich dort durchfalle, dann muss ich den Zweitversuch wahrnehmen, der meistens gegen Ende der vorlesungsfreien Zeit ist, außer ich bin gerade krank. Beim Durchfallen im Zweitversuch wird es etwas komplizierter.
Ich habe nämlich in der Regel keinen einfachen Drittversuch, indem ich eine Klausur nochmal schreibe, es existiert stattdessen eine mündliche Prüfung über das gesamte Modul. Das setzt voraus, dass ich die sonstigen Prüfungen in diesem Modul entweder bestanden oder zweimal nicht bestanden habe, um eben auch in diesem Drittversuch zu landen. Scheitert solch ein Drittversuch, folgt die Exmatrikulation und das endgültige Nicht-Bestehen der Bachelorprüfung. Dooferweise findet solch ein Drittversuch im laufenden Semester statt und die Befürchtung existiert, ob daraus nicht auch eine Exmatrikulation im laufenden Semester folgt. Davor kann zum Beispiel ein Doppelstudium in irgendeinem anderen, nicht zulassungsbeschränkten Fach retten, wenn diese Befürchtung im Raum steht.
Jedenfalls traf mich der Fluch der zweimal nicht bestandenen Prüfung. Ende des zweiten Semesters stand ich vor dem Gedanken eines Drittversuchs in der Grundvorlesung in der organischen Chemie. In Mathe habe ich zwar auch einen Drittversuch, shit happens, das enttäuscht mich schon fast mehr als die Organik, aber dieser ist, weil er an der Mathe-Fakultät ist, ein ganz "normaler" schriftlicher Drittversuch. Allerdings ist im Modul Grundvorlesung in Organik noch eine Klausur zur anorganischen Chemie dabei, Hauptgruppen und Komplexchemie, sowie eine Klausur zur Organik für Reaktionsmechanismen. Diese beiden weiteren Klausuren sind normalerweise im dritten Semester ansäßig. Meine Studiengangskoordinatorin hat mir auch sehr nahe gelegt, diese beiden Klausuren mitzuschreiben. Der Grund darin liegt in einem Praktikum, das nur mit einer bestandenen Klausur in Reaktionsmechanismen angetreten werden kann. Falls ich dort zweimal durchfalle und die Klausur in Anorganik nicht schreibe und das erst ein Jahr später tue, ist der Drittversuch erst ein Jahr später in dem dann laufenden Semester. Um es vielleicht ein wenig verständlicher auszudrücken, falle ich in Reaktionsmechanismen im 3. Semester zweimal durch und schreibe Anorganik erst im 5. Semester, kann ich mich eigentlich direkt exmatrikulieren, hart ausgedrückt. Der Drittversuch wäre dann im laufenden 6. Semester, was der späteste Zeitpunkt für das Organik-Praktikum ist, weil das nicht mehr ins 8. Semester passen würde. Dort ist die Zeit für einen Kurs in Rechtskunde, die Ringvorlesung, die Bachelorarbeit und diverse Bachelorprüfungen. An der Uni Regensburg gibt es nämlich noch zur Erlangung des Bachelors mündliche Prüfungen in Organik, Anorganik, Analytik und der physikalischen Chemie mehr oder weniger über alles, was im Studium so passiert ist.
Ach ja, das hatte ich ja auch noch nicht erwähnt, die Regelstudienzeit. Die Regelstudienzeit für den Bachelor-Studiengang beträgt sechs Semester. Ohne weitere Konsequenzen funktioniert das Ausreizen bis zum 8. Semester. Wie ich das mitbekommen habe, meldet sich aber durchaus das Prüfungsamt bei Studierenden, die sich irgendwann nicht mehr für die entsprechenden Prüfungen anmelden. Aber am Ende des 8. Semesters gilt die Bachelorprüfung als erstmalig nicht bestanden und ab hier wird alles unglaublich schwierig, an Zeit zu bekommen. Insofern ist es unglaublich wichtig, dieses Praktikum in der Organik so früh wie möglich zu machen, eigentlich im 4. Semester. Deswegen wurde mir auch geraten, Organik und Anorganik so schnell wie möglich hinter mich zu bringen.

Gehen wir ein wenig in der Zeit nach vorne. Ich hatte mich ursprünglich für Anorganik und Organik im dritten Semester als Klausur angemeldet. Mir ist allerdings am Freitag vor dem Samstag, an dem ich mich noch abmelden konnte, aufgefallen, dass ich mich dafür noch abmelden kann. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon an dem Punkt, an dem ich mir vergleichsweise sicher war, dass ich zum Wintersemester mein Studienfach wechsle. Da prägte sich auch die Idee aus, darauf zu achten, mir die Chemie-Tür im Zweifelsfall offen zu halten. Insofern habe ich mich dann abgemeldet. Ich wusste bereits vorher von einer anderen Studentin in einem höheren Semester, dass man einen Drittversuch durchaus dadurch schieben kann, die notwendigen Klausuren einfach nicht zu schreiben und nicht anzutreten, sondern das erst ein Jahr später zu tun. Somit sparte ich mir einen Drittversuch im laufenden 4. Semester. Also bleibt nur noch Mathe als Drittversuch.
Tatsächlich wird die Frist zum Antreten von Wiederholungsprüfungen bei Nicht-Bestehen durch Exmatrikulation nicht unterbrochen. Das betrifft in meinem Fall nur Mathe. Alles andere ruht quasi, weil ich im Modul für Organik die Reaktionsmechanismen-Prüfung nicht mitgeschrieben habe. Demnach kann ich deswegen nicht endgültig die Bachelor-Prüfung nicht bestehen. Schaffe ich den Mathe-Drittversuch nicht, sieht das noch einmal anders aus. Aber offenbar ist es an diversen Fachhochschulen und Universitäten trotzdem möglich, wieder oder weiter Chemie zu studieren, wurde mir von der Studiengangskoordinatorin erklärt, selbst wenn ich an der Uni Regensburg ein endgültiges Nicht-Bestehen hinbekomme.

Ich bin allerdings froh, dass ich letzten Endes herausgestellt hat, dass mein durchaus verwirrtes Verhalten mittlerweile von der Studiengangskoordinatorin als nicht totale Katastrophe eingestuft wurde, sondern ich im Zweifelsfall noch immer Chemie studieren kann, mehr oder weniger "problemlos" an der Uni, was natürlich auch die Mitnahme diverser Fehlversuche einschließt, wenn ich denn Mathe schaffe, was ich ja plane. Gleichzeitig bin ich froh, diesen Teil der Bürokratie der Hochschulen bereits irgendwie geschafft zu haben. Es wird ein Spaß, das in einem weiteren Studiengang alles irgendwie anrechnen zu lassen, was ich denn anrechnen lassen kann. Das ist zumindest ein weiterer Teil vom bürokratischen Wahnsinn, nachdem ich froh bin, dass mein erster, bestimmt nicht so vorgesehener "Hack" geklappt hat.
Aber warum genau möchte ich mir denn unbedingt die Möglichkeit erhalten, doch noch Chemie zu studieren, wenn ich mich doch gerade dagegen entschieden habe, weil es nichts für mich ist? Ich will nicht, dass diese Tür sich unbedingt schließt, wenn es denn nicht sein muss und ich es mit vergleichsweise geringem Aufwand ändern kann. Nur, weil ich mich jetzt dagegen entschieden habe, Chemie weiter zu studieren, weiß ich nicht, ob ich nicht irgendwann in meinem Leben einen Punkt erreiche, an dem ich das nicht doch möchte. Dabei würde ich mich dann vermutlich leichter tun, wenn ich einen Studiengang eben nicht endgültig nicht bestanden habe. Ich kann für mich nicht die Entscheidung treffen, dass ich nie wieder Chemie studieren möchte, wenn ich es so leicht verhindern kann. Eine nicht endgültig geschlossene Tür ist eine nicht endgültig geschlossene Tür. Ich glaube, alleine vom Gefühl her hilft mir das ein wenig, dass ich, wenn ich das denn möchte, in irgendeiner wie auch immer gearteten Zukunft wieder Chemie studieren könnte.
Abgesehen von all dem schreibe ich meine Mathe-Klausur mit, weil ich damit ein fertiges Mathemodul habe, was mir eventuell im Laufe meines Hochschulweges helfen kann. Hier kommt mir dann wieder die Hochschulbürokratie unter und ich hoffe, dass das zumindest ähnlich positiv ausgeht wie die Tatsache, dass ich (wahrscheinlich) kein endgültiges Nicht-Bestehen habe.

Apr 07, 2019

Mein Stundenplan im Sommmersemester 2019

In einem der letzten Blogbeiträge über mein Studium habe ich ja bereits geschrieben, dass ich im Sommmersemester relativ viel Freiraum habe, welche Veranstaltungen ich besuche. Ich habe also ein ganzes Vorlesungsverzeichnis voller Möglichkeiten, habe mir aber schon zwei, drei Schwerpunkte im Voraus überlegt.
Ich habe noch einen offenen Mathe-Drittversuch, den ich schreiben muss, um in der Chemie nicht exmatrikuliert zu werden und damit die Bachelorprüfung endgültig nicht zu bestehen. Abgesehen davon habe ich damit das Modul zur Mathematik beendet. Das sind zwar merkwürdigerweise nur zehn Leistungspunkte, was sehr niedrig angesetzt ist, aber ein fertiges Mathemodul ist ein fertiges Mathemodul. Gerade, weil ich ja im Bereich der Naturwissenschaften und Technik bleiben möchte, so zumindest der aktuelle Plan, wird mir das sicherlich nicht schaden. Abgesehen davon gibt es schlimmere Vorlesungen als die der Mathematik. Ich habe mir überlegt, da was mit Stochastik zu machen, weil das auch nicht schaden kann, aber habe dazu nichts gefunden.
Daneben wollte ich noch immer die ein oder andere Veranstaltung in der Chemie belegen. Das werde ich aktuell unter Umständen tun, eventuell schaue ich mir aber auch eine ähliche Veranstaltung in der Physik an.

Als ich meinen Stundenplan erstellt habe, habe ich aber noch die ein oder andere Idee gehabt, also neben Mathe und etwas im Bereich der physikalischen Chemie oder Physik will ich mir das ein oder andere im Rahmen der studienbegleitenden IT-Ausbildung zu Gemüte führen. Dort kommt auch mein Python-Kurs aus dem letzten Semester her. Ansonsten hatte ich es mir zum Ziel gemacht, mich ein wenig im Vorlesungsverzeichnis umzuschauen. Vielleicht finde ich ja etwas, was mich besonders interessiert oder sich soweit ganz cool anhört. Allerdings will ich nicht unbedingt in Seminare, denn ich möchte niemandem einen Platz wegnehmen, weil ich mir einfach nur mal irgendwas anschauen möchte. Vorlesungen mag ich, da kann ich rein gehen.
Dabei habe ich teilweise ganz spannende Sachen entdeckt. Die katholische Theologie zum Beispiel hat Veranstaltungen für Hörer aller Fakultät, bei denen dann auch mal so was dabei ist wie "Wie gestalte ich gute Beziehungen?" oder "Demokratie und Populismus - Herausforderungen für Gesellschaft und Kirche", was schon irgendwie interessant ist, aber gerade das Erste schneidet sich mit einer Veranstaltung, die ich gerne machen möchte, nämlich Algorithmen und Datenstrukturen. Ansonsten befürchte ich, nicht mit der katholischen Theologie glücklich zu werden. "Die Apostelgeschichte" oder "Kirche und Volk Gottes" interessiert mich kaum. Klar, es hätte eine gewisse Ironie, wenn ich als agnostische/atheistische Person mir etwas Ernsthaftes an der Fakultät für Katholische Theologie auswähle... aber so wirklich reizend oder besser als etwas, was ich zu einer bestimmten Zeit sowieso schon mache, ist da (leider?) nichts.
Zugegebenermaßen scrolle ich auch mehr durch die Veranstaltungen in der Rechtswissenschaft, weil ich mir eigentlich recht sicher bin, dass mich da sosiweso nichts anlachen wird. Ich bin kein riesiger Fan von Jura, wobei es eine Vorlesung aus der Rechtsmedizin gibt, die wohl sehr spannend und anschaulich sein soll. Die Voraussetzung dafür ist Interesse und gute Nerven. Diese schneidet sich allerdings mit der Vorlesung für C und C++, werde ich also höchstens mal sporadisch wahrnehmen.

In den Wirtschaftswissenschaften könnte es unter Umständen wieder interessanter werden, denn die Universität Regensburg hat drei Informatik- bzw. informatikähnliche Studiengänge, Wirtschaftsinformatik, Medieninformatik und Computational Science, die alle in unterschiedlichen Fakultäten untergebracht sind.
Grundlagen der Wirtschaftsinformatik würde schon fast interessant klingen, hätte ich da nicht die bereits angesprochene Vorlesung zu Algorithmen und Datenstrukturen ins Auge gefasst. Das Problem habe ich beispielsweise in der Medieninformatik nicht, für die Vorlesung muss ich noch nicht einmal das Haus verlassen. Diese Vorlesung gibt es nämlich als Videoaufzeichnung. Die Wirtschaftsinformatik hat generell wohl ein paar lustige Veranstaltungen, ich hätte mir gerne "Internettechnologien und Network Computing" mal angeschaut, aber auch hier habe ich wieder Überschneidungen mit C und C++. Die Wirtschaftsinformatik hat auch leider das nicht in ihrer Aufzeichnungen dabei. Ich sehe schon, ich werde auch noch einen Beitrag über die Situation bezüglich Vorlesungsaufzeichnungen an der Uni schreiben. Aber zurück zu den Vorlesungen! Im Master gibt es eine Vorlesung zu Kryptographie, eigentlich auch geil, überschneidet sich aber mit Struktur der Materie/Quantenmechanik. Es gibt übrigens auch eine Vorlesung mit dem schönen Namen "Einführung in die Kryptoökonomie: Blockchain und Krypoassets", die ich irgendwie für ein bisschen Popcorn ganz cool fände, die aber mittwochs von 16 bis 20 Uhr ist. Das ist eine Dauer und eine Uhrzeit, die das Buzzword-Bingo nicht wert ist. Viel mehr interessiert mich auch nicht an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Immobilienökonomie oder so ist nicht so ganz meins.

Die Fakultät für Medizin hat leider nicht ganz so viel, was mich genauer interessiert, zumal hier das meiste für die klinischen Semester angeboten wird. Gerade bei Medizin habe ich den Eindruck, dass man nicht einfach so dort mal eine Vorlesung macht, sondern schon irgendwo Ahnung vom Gesamtpaket haben sollte. Das ist zumindest mein Gefühl, ich nehme gerne Korrekturen, wenn ich das falsch sehe. So was wie "Einführung in die Radiologie" ist aber sicherlich interessant. Die Molekulare Medizin überfordert mich etwas, zumal das ein Masterstudiengang ist und für Zahnmedizin kann ich mich gar nicht begeistern.

Eine der größeren Fakultäten ist sicherlich Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften. Künstlerisch-kreativ fühle ich mich ehrlich gesagt nur gelegentlich im Bereich des Schreibens. Geschichte ist schon irgendwie okay, aber nichts, für das ich brenne. Philosophie, Gesellschaftswissenschaften, unter Umständen cool. Ich habe mir überlegt, mir unter Umständen "Introduction to the History of Science" zu geben, eine Vorlesung aus der Wissenschaftsgeschichte, tendiere aber gerade eher dazu, das nicht zu machen, weil ich sonst an diesem Tag von acht bis achtzehn Uhr ohne Pause an der Uni hänge. Das ist mir dann ein wenig zu krass.
In der Philosophie habe ich mir überlegt, mir "Einführung in die moderne Logik" anzuschauen. Das schneidet sich allerdings mit der Quantenmechanik aus der Chemie und der Zentralübung in Mathe, bedauerlicherweise.
In der Politikwissenschaft habe ich wieder etwas mehr gefunden und gerade das Seminar "Computational Social Science - Methodologie & Anwendungsfelder in der Politikwissenschaft" würde mich eigentlich total ansprechen, aber ich will niemandem einen Platz in seinem Hauptfach wegnehmen, zumal ich da mit "Algorithmen und Datenstrukturen" beschäftigt bin. Glücklicherweise habe ich aber Zeit für die Veranstaltung "Einführung in die Internationale Politik", was ich mir ganz cool vorstelle. Internationale, politische Angelegenheiten fand ich im Politikunterricht schon ganz geil und warum nicht dieses Wissen auffrischen, wenn ich gerade die Möglichkeit dazu habe? Spannend wäre da auch eine Übung bezüglich Brexit und EU, aber da habe ich voraussichtlich einen anderen Kurs, nämlich HTML und CSS. Mit dem hatte ich glaube ich bisher noch gar keien Überschneidung. Es wäre mal interessant, eine Analyse der Vorlesungszeiten der Uni zu basteln, um herauszufinden, wann die meisten Vorlesungen sind und wie sich das über die Jahre verändert hat. Interessant wäre das auch mal deutschlandweit, aber jede Uni hat ja ihr eigenes Interface.

Aber zurück zum Thema und zur nächsten Fakultät, Psychologie, Pädagogik und Sportwissenschaft. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich mir auch mal überlegt habe, Psychologie zu studieren, bin mir aber mittlerweile nicht mehr so ganz sicher, ob das was für mich wäre. Eventuell wäre "Allgemeine Psychologie" eine Idee, aber das ist auch schon der zweite Teil und überschneidet sich mit der Internationalen Politik. "Klinische Psychologie und Neuropsychologie" könnte noch ganz cool sein, aber das ist halt alle zwei Wochen abends von 18 bis 21 Uhr. Insofern wären da vielleicht ein, zwei Besuche cool, aber mehr muss um diese Uhrzeit für mich echt nicht sein, solange ich es mir noch aussuchen kann. Ich habe das Gefühl, ich kann am besten arbeiten, wenn ich morgens bis mittags Vorlesungen habe und danach nichts, freie Zeiteinteilung. Aktuell sieht's so aus, dass ich dreimal in der Woche bis mindestens 17 oder 18 Uhr an der Uni bin, da muss eine solche vierte Veranstaltung nicht sein. Die Vorlesung, die nur die klinische Psychologie beinhaltet, schneidet sich auch wieder mit Algorithmen und Datenstrukturen.
Der ganze Kram der Sportwissenschaft in dieser Fakultät interessiert mich sogar nicht, weswegen ich da mal kurz drüber geschaut und genau das festgestellt habe.

Die nächste Fakultät wird wieder groß. Mittlerweile sind wir bei den Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften angelangt. Hier wären tendenziell auch Teile von Sprachkursen, würde mich das genauer interessieren. Allerdings brenne ich nicht so sehr auf Ungarisch oder Rumänisch.
Vermutlich auch zum Bedauern meiner ehemaligen Deutschlehrerin, die mir damals auch das Studium dieses Bereichs nahegelegt hat, habe ich nichts im Bereich der Germanistik gefunden, was mich so wirklich anspricht. Das hängt aber auch damit zusammen, dass die Germanistik aus wenigen Vorlesungen und deutlich mehr Seminaren besteht. Ich will niemandem in der Germanistik seinen Seminarplatz wegnehmen, nur weil ich mal reinschauen will.
Das für mich Interessante an dieser Fakultät ist übrigens, dass hier auch das Institut für Informationen und Medien, Sprache und Kultur ist, das Institut, das Medieninformatik und Informationswissenschaft anbietet. Allerdings brenne ich nicht so wirklich für die Einführung in die Anwendungsprogrammierung mit Android, dafür will ich erstmal noch weitere Erfahrung im Programmieren sammeln. Meine Vorlesung zu Algorithmen und Datenstrukturen kommt aus der Physik und nicht aus der Medieninformatik. Eventuell wäre "Grundlagen Human Computer Interaction" was, das steht immerhin auch im Modulkatalog für die studienbegleitende IT-Ausbildung und da habe ich sogar Zeit.
Diese Fakultät ist übrigens auch die, die das ganze Gender Studies-Angebot enthält, aber da finde ich, ist irgendwie nichts so wirklich Ansprechendes oder Cooles dabei. Meistens ist auch was sehr fachbezogen und basiert auf British Fiction oder dem Mittelhochdeutschen, was ich nicht als meine Kernkompetenz betrachte.

Mittlerweile bin ich bei der Fakultät für Mathematik angekommen. Allerdings weiß ich schon, dass ich hier nicht wirklich was finden werde, so cool Mathe auch ist. Ich habe ja erstmal noch was aus meinem eigenen Mathemodul aus der Chemie. Die Mathematik aus der Mathe-Fakultät für alle, die Mathe im Hauptfach studieren, traue ich mir nicht zu, um mal reinzuschauen.

Dementsprechend geht es weiter in der Fakultät für Physik. Ich selbst habe ein fertiges Physikmodul mit Mechanik und Elektrodynamik als Experimentalvorlesung und einem Praktikum, in der die Themen der beiden Vorlesungen grob angesprochen werden. Ich muss sagen, ich mag auch Physik, aber ich will mir nicht Vorlesungen anhören, bei denen ich schon eine gewisse Ahnung habe, sondern möchte neuen Input. Auch die Physik hat übrigens eine eigene Quantenmechanik-Vorlesung, die liegt mir zeitlich aber viel zu unpassend. Dazu gibt es noch die bereits erwähnte Vorlesung zur Struktur der Materie, die durchaus noch ein wenig "chemischer" ist. Aus der Physik ist übrigens auch meine Vorlesung zu Algorithmen und Datenstrukturen sowie mein C/C++-Kurs.

In der Fakultät für Biologie und Vorklinische Medizin habe ich erwartet, dass mich eventuell die ein oder andere Veranstaltung anspricht. Ich sehe mich in meiner Zukunft nicht als Biologin, aber gerade in der Schule fand ich Biologie richtig toll. Grundlagen der Ernährungslehre, auch freigegeben für Mediziner und Naturwissenschaftler, fände ich irgendwo auch interessant, aber es überschneidet sich mit meiner Matheübung und ist freitags von 14 bis 18 Uhr. Das sind Zeiten, mit denen ich nicht so wirklich arbeiten kann. Wenn ich dorthin gehe, wird das eher sporadischer Besuch sein. Die Genetik-Vorlesung wäre ansprechend gewesen, überschneidet sich aber mit meiner Mathe-Vorlesung. Leider ist in der Bioinformatik, die keinen eigenen Studiengang hat, aber sporadisch auftaucht, keine wirkliche Vorlesung zu finden.

Als nächstes kommen wir zur Fakultät für Chemie und Pharmazie, also meine Heimfakultät. Arg spannende Vorlesungen über das, was ich sowieso schon weiß, was ich machen möchte, werde ich vermutlich nicht finden. Biochemie und Bioorganik möchte ich ehrlich gesagt nicht unbedingt machen, Anorganik Nebengruppen und Metallorganik muss auch nicht sein.

Ansonsten hat die Uni viele weitere Studienangebote. Mich reizt irgendwo auch der Kurs für Schwedisch, für den ich sogar Zeit hätte. Daneben gibt es die studienbegleitende IT-Ausbildung, aus der ich einen Großteil meiner Kurse aus dem Bereich zum ersten Mal gefunden habe. Eventuell werde ich auch einen Javascript-Kurs besuchen, aber dort stehen noch keine Zeiten fest, wann genau der jetzt eigentlich ist. Überblicksmäßig sieht mein Studenplan bisher so aus:

  • Struktur der Materie
  • Mathematik für Chemiker
  • Programmieren in C und C++
  • Algorithmen und Datenstrukturen
  • Quantenmechanik
  • Quantum mechanics for slow thinkers (das ist das Quantenmechanik-Tutorium der Chemie)
  • HTML und CSS
  • Einführung in die internationale Politik
  • Schwedisch A1
  • Grundlagen Human Computer Interaction
  • Javascript

Ich würde mal sagen, ich bin gespannt auf mein neues Semester, in dem ich mich ein wenig orientieren kann. Was genau ich mache, ist auch abhängig davon, in welchem Kurs ich überhaupt einen Platz bekomme. All diese Kurse werden mir vermutlich zu viel werden. Insgesamt sind das um die 50 ECTS, das wird ein wenig krass. Im Falle von Struktur der Materie und Quantenmechanik wird eines der beiden vermutlich rausfliegen. Für HTML und CSS ist es sowieso fraglich, ob ich da rein komme. Die Einführung in die internationale Politik ist eine Veranstaltung, auf die ich keine weitere Lernzeit verwende. Das ist eher nur zum Anschauen. Auswahl habe ich jedenfalls genug.

Mär 22, 2019

Was kann im Chemiestudium schief gehen? - Warum ich zum kommenden Wintersemester das Studienfach wechsle

Wie der Titel erkennen lässt, ist der Anlass dieses Beitrags etwas unschöner als sonst. Dementsprechend wird dieser Beitrag länger und für mich vergleichsweise hart zu schreiben. Diejenigen, die mich vielleicht schon vor der Zeit dieses Blogs verfolgen, haben jetzt vermutlich einige Fragezeichen im Kopf, kombiniert mit einem "Wie, warum, weshalb?", abgesehen von denjenigen, die das vielleicht schon etwas länger wissen und persönlich von mir davon gehört haben und mit denen ich vielleicht auch schon ausführlicher geredet habe. Es wird ein wenig emotional werdend und für manche vielleicht sogar triggend. Das Folgende ist übrigens auch meine subjektive Sicht der Dinge, auch, wenn einiges davon sicherlich verallgemeinbar ist wie die simple Aussage, dass ein Chemiestudium hart ist. Ich möchte heute ein wenig von meinem Weg im Chemiestudium erzählen, der mich in eine Sackgasse gebracht habe, von der aus ich handeln muss.

Anfangen möchte ich mit einer Aussage, die ich in einem Praktikumsversuch von unserer sehr lieben Assistentin, die uns eigentlich für dieses Studium wieder ein bisschen motivieren wollte, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben und den Spaß an der Chemie zu behalten. Allerdings fiel in diesem Gespräch auch der Satz "Fast jeder, der hier einen Bachelor (in Regelstudienzeit) macht, hat ne halbe Depression, wenn nicht sogar eine Ganze."
Das hat reingehauen. Das war zu einem Zeitpunkt im Semester, an dem ich sowieso gerade aus einem anstrengenden Praktikum ins nächste, unorganisierte Praktikum kam. Gleichzeitig war das schon vergleichsweise nah an der Klausurenphase, vor der ich seit meinen ersten Klausuren Versagensangst habe. Aus Angst lernen, ein Konzept, das ich an der Universität kennenlernte. Meine Mutter hat mich eigenlich bis zu meinem Abitur immer als "Kind, das gerne lernt" beschrieben.

Aber gehen wir vielleicht zum Anfang meines Studiums. Meine Motivation dafür möchte ich hier eigentlich gar nicht länger erläutern, das wäre ein Thema für einen eigenen Beitrag. Glücklicherweise bin ich nämlich nicht an dem Punkt gelandet, an dem ich nie wieder etwas mit Chemie zu tun haben will. Aktuell möchte ich nur raus aus diesem Studium. Chemie ist eine tolle Naturwissenschaft. Mit dem Gefühl bin ich übrigens auch ins Studium gestartet und gerade in der allgemeinen Chemie hatte ich das Gefühl, gut mitzukommen und ein paar Dinge auch schon in der Schule gehört zu haben. Dazu muss man sagen, ich hatte nie wirkliche Probleme in der Schule und habe für mein Abitur zwar gelernt und habe auch einen Schnitt hingelegt, der mir sicherlich dabei helfen wird, in ein Studienfach reinzukommen, das ich künftig machen möchte, allerdings fühlt es sich so an, als hätte ich für jede einzelne Klausur mehr gemacht als für meine fünf Prüfungen im Abi. Meine Versagensangst hatte ich nicht das erste Mal in einer Klausur, sondern in meinem ersten Praktikum. Rückblickend betrachtet war das alles halb so wild, aber gerade frisch in der zweiten Semesterhälfte ins Labor gekommen will niemand etwas falsch machen. Immerhin ist das Labor ja der Arbeitsort eines Chemikers (kurze Anmerkung, dieses Bild des Arbeitsplatz eines Chemikers stimmt nur bedingt) und dort jetzt schon etwas falsch machen war dramatisch. Es entsteht Druck, gerade im Vergleich mit den Kommilitonen. Denn es ist ja bereits schon am Anfang bekannt, wie wenig von all jenen, die das Studium beginnen, dann überhaupt den Bachelor-Abschluss schaffen. Ein frühes Hintendranhängen kann fatal sein.
Ein fehlgeschlagener Versuch bedeutete übrigens, diesen Versuch nochmal machen zu müssen, was schon in Ordnung ist. Aber gerade dadurch, dass das Praktikum teilweise bis in die erste Klausur gereicht hat, konnte ich kaum einschätzen, wie viel Aufwand genau diese eine, die erste Klausur war. Vielleicht bin ich unter anderem deswegen durchgefallen. Es ist ja auch nicht so, dass ich das Semester über gefaulenzt habe. Übungsblätter waren an der Tagesordnung und waren ja sogar für die Klausurzulassung notwendig. Vielleicht habe ich mir mehr Freizeit rausgenommen, als mir zugestanden hat. Ironischerweise fühlt sich das genauso rückblickend für jedes Semester an. Obwohl ich weiß, was ich getan habe, obwohl ich es schwarz auf weiß nachschauen kann, habe ich das permanente Gefühl, einfach zu wenig gemacht und mich nicht genug aufgeopfert zu haben.

Die darauffolgende, vorlesungsfreie Zeit war zwar vorlesungsfrei, aber nicht arbeitsfrei, denn wir hatten ein Praktikum. Die erste, fehlgeschlagene Klausur hatte ich mittlerweile bestanden, die Zweite stand noch aus. Soweit ich das in Erinnerung habe, hat der Physik-Dozent die Klausur aber nicht unglaublich schwierig gestellt, weil wir wegen des Praktikums sowieso kaum Zeit zum Lernen hatten. Rückblickend betrachtet war er einer der motiviertesten und kompetentesten Dozenten, die ich bisher erlebt habe. Es war ja nicht alles am Chemiestudium schlecht. Jedenfalls war das darauffolgende Praktikum nochmal nervenzerrend.
Eventuell hat der ein oder andere schon einmal den Begriff "Ionenlotto" gehört. Das wäre auch eigentlich schon wieder einen ganzen, eigenen Beitrag wert. Kurz gesagt ist das eines der giftigsten Praktika im ganzen Studium. Dort begegneten wir Chemikalien wie Arsenik, diversen Quecksilberverbindungen wie Quecksilbernitrat, Bleiacetat, Schwefelwasserstoff, Kaliumcyanid, solche Kandidaten. Es ist also ein Praktikum, das über drei Wochen, von morgens bis abends, quasi die gesamte Konzentration fordert. Ach ja, Handschuhe wurden durch die Praktikumsassitenten (das sind Masteranden oder Doktoranden, die uns dabei beaufsichtigen) gewissermaßen verboten. Das würde ich heute auch nicht mehr mitmachen. Ich finde es ehrlich gesagt mehr als nur unverantwortlich, das auch noch mit der Begründung "Damit ihr lernt, mit Giftstoffen vorsichtig umzugehen" zu rechtfertigen, denn vermutlich werden die Meisten von uns in ihrer chemischen Karriere kaum mehr mit solchen giftigen Stoffen arbeiten. Ich fahre ja auch nicht ohne Sicherheitsgurt Auto, damit ich lerne, mit dem Gaspedal vorsichtig umzugehen. Jedenfalls empfand ich dieses Praktikum als sehr kräfteraubend. Es gab einen verzweifelten Abend von meinen Kommilitonen und mir, an dem wir abends nach Praktikumsende zu der WG von einem von uns gegangen sind und vorher noch einkaufen waren. Unser Einkauf bestand aus sieben Tafeln Schokolade, Pesto und zwei Flaschen Cider, was ziemlich gut unsere Stimmung widerspiegelte. Also, versteht mich nicht falsch, all diese Reaktionen sind schon cool, es ist nur anstrengend.

Dann kam auch schon das zweite Semester und damit eine Disziplin, die mir besonders Schwierigkeiten bereiten sollte: Organische Chemie. Ja, ich habe versucht, seit Beginn des Semester mitzulernen und habe mir dieses Mal weniger Freizeit gegönnt als vorher. Ich konnte nicht schon wieder irgendwo durchfallen. Long story short: Ich fiel in zwei Prüfungen durch, Mathe und organische Chemie. Mathe finde ich nach wie vor sehr enttäuschend und ist der Grund, warum ich mir wahrscheinlich nochmal die Mathe-Vorlesung geben werde. Allerdings machte ich mir gerade in der Organik unglaublich viel Druck. In der Vorlesungszeit hatten wir zwar ein Tutorium, bei diesem war ich allerdings erst einmal ein wenig hinten dran. Es hat etwa Mitte des Semester angefangen und ich bin hingegangen, allerdngs in der Gruppe gelandet, in der die Dozentin wollte, dass wir alle reihum unsere Lösungen vorstellen. Ein "Ich habe das nicht", unter Umständen, weil ich gerade einmal froh war, den ersten Schritt der Reaktion hinzubekommen, galt nicht. Da war nochmal die Angst, zu versagen und nichts zu können unglaublich präsent. Etwa ab diesem Zeitpunkt zieht sich das konstant durch den Rest des ganzen Studiums, denn hier habe ich wirklich verstanden, wie langsam ich im Vergleich bin und ehrlich gesagt macht das psychisch fertig. Ich habe mich für Wochen tagelang nur mit Organik beschäftigt, abgesehen von dem, was ich im Semester selbst schon getan habe, und es hat einfach nicht geklappt. Ich habe einen Punkt erreicht, an dem ich Klausuren nicht einfach nur noch mit Lernen bestehe, sondern indem ich einen noch größeren Teil meiner Freizeit opfern muss.
In der Organik landete ich dann schließlich im Drittversuch. Das ist der Versuch, der Studierende von einer Exmatrikulation trennt. Diesen hatte ich übrigens bis heute nicht. Meine Studienordnung sieht einen mündlichen Drittversuch für das ganze Modul vor, um diesen Drittversuch absolvieren zu können, muss ich alle Teilprüfungen bestanden oder zweimal nicht bestanden haben. In dem Fall ist in diesem Modul noch Organische Chemie - Reaktionsmechanismus und Anorganische Chemie - Hauptgruppen und Komplexe mit drin. Gerüchteweise kann man sich bei einem Drittversuch in zwei dieser drei Prüfungen auch direkt die Exmatrikulation abholen.

Für das dritte Semester wollte ich erste Konsequenzen ziehen. Ich wollte nicht meine Freizeit aufgeben und nur noch Chemie machen. Das ist nicht, wer ich bin, ich wollte noch so was wie Hobbies, die mittlerweile langsam wieder in meinem Leben auftauchen. Es ist total krass, morgens im Bett zu liegen und sich aussuchen zu können, was man an diesem Tag tut, dabei alle Zeit der Welt hat. Ich wollte wieder richtig Zeit haben, mich mit meinen Freunden zu treffen und nicht nur Menschen mal kurz zu sehen, weil ich sie gerade in meinen Terminkalender quetschen konnte. Also entschied ich mich dazu, die Regelstudienzeit in Absprache mit Studiengangskoordination zu ignorieren und in acht statt in sechs Semestern zu studieren. Sieben fällt weg, alle Veranstaltungen an meiner Universität werden nur jährlich angeboten. Das passiert tatsächlich gar nicht so selten, dass in der Chemie mal länger gebraucht wird. Ich entschied mich letztlich dazu, die Praktika in der Analytik und in der physikalischen Chemie mitzumachen und mir die Vorlesung in Anorganik und Organik zu geben. Anfangs war noch Thermodynamik und Elektrochemie dabei, mich hat allerdings das Praktikum so überfahren, dass ich das gestrichen habe. Daneben wollte ich noch einen Python-Kurs machen.
Trotz meines abgespeckten Stundenplans war es noch immer viel. Ich habe teilweise viel Zeit mit meinen Protokollen verbracht, mir aber auch einen Teil an Freizeit gegönnt. Allerdings ging Freizeit zunehmend mit schlechtem Gewissen einher. Das Semester über habe ich versucht, soweit mitzulernen wie es geht, aber irgendwann hatte ich dann die Wahl zwischen Schlaf und Studium. Ich habe tatsächlich immer mal wieder versucht, mir den Luxus zu gönnen, acht Stunden Schlaf zu bekommen. Manchmal habe ich sogar versucht, mir einen Tag frei zu nehmen und mal nichts für mein Studium zu tun. Das hat das schlechte Gewissen natürlich befeuert. In der physikalischen Chemie gab es dann noch... nennen wir es einfach mal organisatorische Schwierigkeiten, die mich mitgenommen haben. Stress war immer präsent. Weitere organisatorische Schwierigkeiten folgten im Analytik-Praktikum, das ich fast hätte alleine machen müssen und so nur die Hälfte der Versuche alleine hatte. Wir reden hier übrigens von einem Praktikum, das darauf zugeschnitten ist, dass zwei Studierende es zusammen und gleichzeitig machen. Darüber hinaus hatte ich noch einen gewissen Anteil an Organisation, wann ich jetzt welche Versuche überhaupt mache, was sonst auch nicht dazu gehört. Es kam viel zusammen.
Es kam so viel zusammen, dass meine Mutter beim Besuch meiner Eltern in Regensburg mir im Nachhinein erzählte, dass ich extrem gestresst und angespannt wirkte. Tatsächlich sah meine Wohnung zu der Zeit auch ziemlich chaotisch aus. Ich war nicht so oft zuhause, oftmals nur zum Schlafen, und wollte nicht meine Freizeit auch noch damit verbringen, mir privat mehr Stress zu machen. Ich hatte weder Zeit für Sport, noch für meine Ernährung. Seit Beginn des Studiums habe ich konstant an Masse gewonnen.
Übrigens war der Level an Stress für meine Kommilitonen, die das ganze Studium in Regelstudienzeit machen, nicht besser, sondern schlechter, sodass ich teilweise mit fiebrigen Kommilitonen im Labor stand, die im Nachhinein kaum noch wussten, was wir eigentlich gemacht haben. Dieses Studium hat keinem von uns wirklich Zeit gelassen, so etwas wie krank zu sein, geschweige denn uns auszukurieren. Natürlich können wir dann zuhause bleiben. Aber das bedeutet einen Nachholversuch und Nachholversuch bedeutet weniger Zeit für alles andere.
Richtung Klausurenphase, also Ende November, also eigentlich sechste Semesterwoche, geht es dann auch langsam noch stärker los mit Lernen für die Klausuren, also soweit das mit Protokollen vereinbar ist. Ich habe versucht, so viel zu lernen wie es geht und ehrlich gesagt habe ich wieder angefangen, meine Freizeit einzuschränken. Ich wollte nicht faulenzen. Denn genau genommen hat alles, was ich während der Vorlesungszeit gemacht habe, sich genauso angefühlt, obwohl ich eigentlich immer irgendwie gestresst war. Zu Weihnachten hatte ich dann zwar noch Protokolle zu schreiben, allerdings habe ich das in die erste Woche des neuen Jahres geschoben und wollte die Zeit um Weihnachten intensiver zum Lernen für die Klausuren nutzen. Das hat soweit auch geklappt, dann kam der 35c3. Dazu habe ich mir eine kurze Pause verordnet, weil ich das Event nicht damit verbringen wollte, in einer Ecke zu sitzen und zu lernen. Am 1.1. war ich dann krank und zugleich vollkommen im Stress. Ich hatte einen richtig fiesen Infekt, den ich mir zeitlich absolut nicht leisten konnte. Ich kam kaum aus dem Bett raus, etwas, was ich von mir absolut nicht gewohnt bin. Glücklicherweise hat mein Partner für diese Versuche einiges übernommen, wofür ich ihm sehr dankbar bin, aber das hat mir gezeigt, dass ich nicht nur mein Recht auf Freizeit mit der Immatrikulation abgegeben habe, sondern auch mein Recht auf Kranksein.
Meine Reaktion in diesem Moment war nicht laut "Fuck this shit, I'm out!" zu schreien, sondern... mich schlecht zu fühlen. Ich war ja selbst an meiner Lage Schuld. Ich habe mich da ja selbst rein gebracht, indem ich Lernen für wichtiger hielt als Protokolle zu schreiben. Klar, damit, dass ich so krank werde, habe ich kaum rechnen können. Zudem ist krank sein ja auch nicht faulenzen. Das wurde übrigens die Woche danach nur ein wenig besser und so schleppte ich mich krank in eine Woche mit drei Versuchen. Mir ist es übrigens kaum gelungen, das wirklich auszukurieren.
An diesem Punkt wollte ich eigentlich gerade weiter schreiben, wie der Rest des Januars war, aber ehrlich gesagt erinnere ich mich da nur noch an so drei Termine, an denen ich noch genau weiß, was ich außer lernen so gemacht habe. Für meine Kommilitonen war das nicht gerade besser. Es gab natürlich Gerüchte zu diversen Klausuren. Regulär in Regelstudienzeit wären es fünf gewesen. Über eine dieser gab es solche motivierenden Erzählungen aus Jahren davor, dass dort so 14, 15 Leute durchgefallen sind, was passieren kann. Den Zweitversuch haben dann zwei bestanden, der Rest ist im Drittversuch gelandet. Davon hat einer bestanden. Zu der einen Klausur, die ich letztlich mitgeschrieben habe, hat der Dozent lediglich gesagt, dass der Erstversuch bestehbar ist. Für den Zweitversuch habe man ja schließlich mehr Zeit zum Lernen. Meine Vorbereitungszeit für diese Klausur, zu der ich mich mehr oder weniger intensiv damit beschäftigt habe? Drei Monate.
Etwa zu der Zeit habe ich dann endgültig gemerkt, dass was für mich nicht stimmt. Ich kann nicht nur lernen, lernen, lernen, ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich krank bin oder mir gar Freizeit oder Hobbies erlaube und im Gegenzug das Gefühl erhalten, nichs zu können.

Etwa zwei Wochen vor der ersten (und einzigen, wie ich später beschlossen habe) Klausur hatte ich so viel Angst davor, so viel Angst zu versagen, dass ich unter Tränen hyperventilierend in der Küche von Freunden stand, meine erste Panikattacke wegen einer Klausur. Netterweise wurde mir erklärt, wie kompentent die psychologische Beratung an der Uni ist und dass man gerade bei solchen Fällen auch schnell einen Termin bekommt. Aber ich wollte nicht in die Situation kommen, ernsthaft psychologische Beratung zu brauchen. Versteht mich nicht falsch, es ist großartig, dass es so etwas gibt. Aber ich wollte nicht an diesen Punkt gelangen, an dem ich aufgrund meines Studiums so fertig bin. Ein Besuch der psychologischen Beratung würde aber genau das eingestehen, dachte ich mir.
Gleichzeitig war das zeitlich auch der Moment, an dem ich Probleme damit hatte, einen Moment zu finden, meinen Eltern von diesen Problemen zu erzählen. Ich wollte sie einfach nicht enttäuschen. Gleichzeitig wollte ich es ihnen eigentlich persönlich sagen, hatte aber sowieso die Sorge, wegen potentiellen Zweitversuchen gar nicht mehr in der vorlesungsfreien Zeit nach Hause zu kommen. Ein Freund drückte das mit "Du hast also zu viel Stress, um deinen Eltern zu sagen, dass du zu viel Stress im Studium hast. Merkste selber?" aus. Tatsächlich habe ich es meiner Mutter dann per Facetime gesagt (ein Hoch auf die Digitalisierung!) und sie hat erstmal gut mit mir geweint, weil ich ja eigentlich immer so viel Spaß an der Chemie hatte. Aber letztlich sind meine Eltern coole Socken, die mir daraus keinen Vorwurf machen.

Und jetzt? Jetzt will ich daran arbeiten, wieder so was wie Hobbies aufzunehmen. Gleichzeitig will ich wieder etwas finden, was ich kann. Denn ja, dieses Studium hat nicht nur auf diesen Punkt gehauen, sondern mit einem Presslufthammer rein getroffen. Das wird mich noch eine Weile begleiten. Ich mochte es ja noch nie, diesen Eindruck des Nichtskönnens zu erwecken, aber jetzt kommt da noch eine Portion mehr Ungeduld und Selbstzweifel dazu. Das heißt, dass ich unglaublich emotional und sensibel reagieren kann, wenn ich irgendwas nicht auf den ersten Versuch schaffe, was ja vollkommen in Ordnung ist, eigentlich. Bei mir ruft das mittlerweile das Gefühl hervor, unglaublich schlecht in allem zu sein und nie wieder etwas zu finden, was ich kann. Damit kann ich mal besser, mal schlechter umgehen. Was ich sonst noch mitnehme, ist schon ein gewisses Wissen. Ich habe ja nicht nichts gemacht. Dieses Wissen kann ich natürlich weiter erklären und teilen. Es war ja nicht alles schlecht.

Ich hoffe übrigens, dass das tatsächlich besser so für mich ist. Ich habe meinen Spaß an der Chemie nicht völlig verloren, zum Glück! Ich glaube an einem Punkt zu sein, an dem ich durchaus wieder das Verhältnis zu mir selbst herstellen kann, in dem ich etwas kann. Wenn ich nach eineinhalb von elf bis zwölf Jahren bis zum Doktor, den ja etwa 85 Prozent in der Chemie machen, der Meinung bin, dass ich dieses Studienfach nicht wieder anfangen würde mit dem Wissen, das ich jetzt habe, ist es nicht zu spät zum Wechseln. Ich meine, ich bin ja gerade mal 20 Jahre alt, noch kann ich Fehler machen, ohne mich dann zum Studienabschluss zu alt zu fühlen.
In die Richtung geht vermutlich auch die Frage, die das alles hier aufwirft: Und jetzt? Jetzt werde ich ein Semester (fast) alles machen wie ich es möchte. Ich habe ein ganzes Vorlesungsverzeichnis an Möglichkeiten und habe die Gelegenheit, in alles reinzuschauen, was mich interessiert. Allerdings habe ich zumindest ein grobes Gefühl, in welche Richtung es gehen könnte und habe auch schon einen groben Stundenplan. Dazu folgt dann vermutlich noch ein Beitrag. Ich wollte diesen Beitrag hier jedoch zuerst geschrieben haben. Es geht mir nahe und nachdem ich so viel über mein Studium geschrieben habe, wollte ich nicht einfach so aufhören, sondern irgendeine Form der Erklärung liefern. Ich habe das Gefühl, das nicht kürzer machen zu können, denn ich möchte ja auch meine Erfahrungen teilen.
Was bedeutet das eigentlch für Guacamol? Erstmal sehr wenig, denn ich verliere ja nicht sämtliches chemisches Wissen mit diesem Entschluss. Chemie als Hobby, die Möglichkeit, dieses Thema von mir wegzuschieben, wenn ich gerade die Lust habe, hört sich nur deutlich beruhigender an als mich damit so lange zu beschäftigen, bis ich nichts anderes mehr kenne.

So, ein langer Text, für einen Blogbeitrag ungewöhnlich lang. Ich bleibe dabei, mich darum zu kümmern, dass es mir langfristig besser geht. Und für den Rest habe ich zumindest einen groben Plan. Wir schreiben uns. Oder eher ich schreibe hier.

Mär 19, 2019

Laptop und LaTeX im Studium

Mitschreiben, Folien vor meiner Nase und nicht auf einem Projektor haben, schnell irgendetwas nachschauen oder etwas für später kurz suchen und markieren, jemandem eine Nachricht schreiben, etwas berechnen, ohne einen Taschenrechner zu suchen, etwas auswerten... Ich nutze meinen Laptop im Studium, insbesondere Vorlesungen gerne und oft. Ehrlich gesagt glaubte ich nicht, dass das etwas arg Ungewöhnliches ist und doch bin ich regelmäßig in Vorlesungen, in denen ich damit in der Minderheit bin. Die Vorlesungen, in denen ich für gewöhnlich bin, sind Vorlesungen in der Chemie und hier wird relativ viel per Hand mitgeschrieben. Generell sind Laptops hier relativ selten in Vorlesungen selbst zu sehen. Genau deswegen möchte ich ein wenig darüber schreiben, warum ich das tue und warum dieses System für mich funktioniert. Gleichzeitig möchte ich ein paar Worte über LaTeX verlieren, ein System, mit dem ich mittlerweile ganz gut klar komme.

Doch fangen wir erst einmal am Anfang an. Wieso schreibe ich an meinem Laptop mit, wenn es doch irgendwo von Hand schneller gehen könnte? Meine Handschrift ist rein subjektiv nicht die Schönste und ich schreibe seit meiner frühen Jugend Texte an Computern. Irgendwann habe ich mein eigenes Tippsystem so optimiert, dass ich an die 100 Wörter pro Minute komme, was aber relativ schnell ermüdend ist und insgesamt dann etwas weniger, aber immer noch schnell ist. Dasselbe von Hand hinzubekommen ist für mich sportlich, insbesondere, wenn ich das noch lesen können soll. Wenn ich was mit einer Tastatur tippe, klar, dann können da Buchstabenverdreher drin sein oder ich tippe auf einen Buchstaben, der auf der Tastatur daneben liegt. Aber ich kann deutlich häufiger entziffern, was das bedeuten soll.
Um kurz etwas auszuschweifen, das ist einer der Punkte, an denen ich viele Dozenten nicht verstehe, die nur etwas an der Tafel anschreiben, das aber nicht in digitaler Form zur Verfügung stellen. Handschrift ist nicht immer schön und führt gerne zu Ablesefehlern. Abgesehen davon sind solche digitalen Medien im Vergleich zu Tafelanschriften ein Schritt zu mehr Barrierefreiheit. Menschen mit schlechter Sehkraft (trotz Brille) sind hier häufig auf Kommilitonen angewiesen, weil sie Probleme damit haben, genau zu lesen, was an der Tafel steht. In Vorlesungen, in denen man sowieso mitdenken will, ist das nur zusätzlich belastend, krampfhaft zu verstehen, was eigentlich an der Tafel steht.
Zurück zu meiner Mitschrift: Ich bin nicht gut darin, meine Mitschriften so zu sortieren, dass ich immer weiß, wo ich sie finde. Tatsächlich habe ich die meiste Zeit in der Schule die Blätter eingeheftet, chronologisch. Je nach Masse war es da gar nicht so einfach, ein bestimmtes Thema zu finden. Mittlerweile suche ich mir den jeweiligen Ordner raus und suche in einem spezifischen Dokument nach dem, was ich wissen will. So trivial wie das alles hier erscheint, das tut es durchaus auch für mich, es erleichtert mir im Vergleich zum klassischen Mitschreiben einiges.

Zu Beginn im ersten Semester habe ich noch einiges per Hand mitgeschrieben, einfach, weil ich da gerade in das Unileben reingekommen bin und nicht so ganz wusste, wie ich mathematische Ausdrücke in der Physik mitschreiben soll. In Mathe war das dank eines ausführlichen Skripts kein Problem. Abgesehen davon mussten wir im ersten Semester unsere Laborprotokolle auch noch von Hand schreiben. Das hat sich erst im dritten Semester geändert.
Im zweiten Semester hingegen habe ich mein System zum Mitschreiben. Ich habe angefangen, mich mit LaTeX zu befassen. LaTeX ist eine Vereinfachung von TeX, ein Textsatzsystem, womit vereinfacht gesagt jeder Text wunderschön aussehen kann. Für mich als jemand, der nie mit Word warm geworden ist, weil ich dank meines Vaters immer Open oder Libre Office hatte, war das ansprechend, zumal ich damit das Problem der mathematischen Formeln lösen konnte. Mit LaTeX ist das deutlich einfacher. Auch chemische Formeln sind damit machbar, Strukturformeln und Reaktionsmechansimen theoretisch auch, aber ich traue mir damit nicht zu, eine Vorlesung schnell genug mitzuschreiben. Das ist das Einzige, was mir in der Richtung noch fehlt.
Mir wurde der Tipp, mir LaTeX anzuschauen, schon relativ früh gegeben, bevor ich angefangen habe zu studieren. Im zweiten Semester hatte ich dann einen vergleichsweise holprigen Start mit LaTeX, weil ich mit vielem nicht wusste, wie es funktioniert und mich mit unglaublich unspezifischen Fehlermeldungen herum geschlagen habe. Zum Glück hatte ich da wunderbare Unterstützung. Die Lernkurve ist relativ steil. Die meisten Vorlagen von Dokumenten sind mehr als einmal verwendbar.

Im dritten Semester habe ich dann irgendwann angefangen, meinen Laptop mit ins Labor zu nehmen, was durchaus nicht frei von Risiken ist.
Es muss nur einmal irgendein Kolben umfallen, die Flüssigkeit darin über den Laptop laufen und im besten Fall war zufällig nur destilliertes Wasser drin. Die beiden Praktika im dritten Semeter waren vom Anteil an potentiell giftigen Stoffen, die ich nicht an meinem Laptop haben will, sehr gering. Der Bereich, in dem ich mich das allerdings nicht mehr getraut habe, ist der Bereich der Radioanalytik. Kontaminierter Laptop ist ein Probem, das ich unbedingt vermeiden wollte.
Ansonsten war es aber in Ordnung und ich habe immer einen Platz gefunden, an dem andere Computer bereits standen oder sehr wenig schief gehen konnte. Somit habe ich angefangen, schon im Labor Versuche zu protokollieren und auszuwerten. Zudem ist es einfach bequemer, sich im Labor nochmal das Skript am Laptop durchzulesen, statt zehn Seiten pro Versuch auszudrucken.
Mittlerweile habe ich aber für die Laborabenteuer ein älteres ThinkPad (X201, das alles hatte außer einen Akku, ist ein alter Laptop meines Vaters), dessen Ende durch darauf geschüttete Flüssigkeiten zwar traurig, aber verkraftbar wäre.

Das ist mittlerweile mein Work Around fürs Arbeiten an der Uni geworden und ich muss sagen, ich fühle mich damit relativ wohl. Es wird dadurch auch deutlich einfacher, Wissen mit anderen Menschen zu teilen. Das hier beschreibt einen wesentlichen Teil meiner Arbeitsweise und vielleicht entdeckt ja jemand darin noch was für sich selbst.