Mai 15, 2019

Ein kleiner Blick in die Physik

Nachdem ich mir mittlerweile doch recht sicher bin, dass das Chemiestudium und ich ab kommendem Wintersemester getrennte Wege gehen werden und mein Stundenplan für das Sommersemester erstaunlich wenig Veranstaltungen in der Chemie enthält, überlege ich natürlich, was ich tun möchte und was ich studieren möchte. Dass ich weiter studieren möchte und keine Ausbildung anstrebe, das weiß ich bereits. Ich sehe mich eher in einem Studium, zumal mir das Konzept besser gefällt und ich die dort vorhandene Freiheit und Selbstständigkeit sehr mag. Ich weiß ja bereits, dass ich grob im MINT-Bereich bleiben möchte. Da bietet sich die chemienahe Naturwissenschaft Physik an. Gleichzeitig will ich übrigens nicht umziehen, mir nicht wieder eine neue Wohnung und Wohnort suchen.

Im Chemiestudium hatte ich immer besonders viel Spaß an der physikalischen Chemie. Thermodynamik und Kinetik waren toll, auch das entsprechende Praktikum war geil. Zudem hatte ich in der Chemie im ersten und zweiten Semester Physikvorlesungen, Experimentalvorlesungen im Bereich Mechanik und Elektrodynamik. Ich muss sagen, diese Vorlesungen waren großartig, was sicherlich auch mit dem sehr motivierten und kompetenten Dozenten zusammenhing.
Das Praktikum in der Physik hat mir Spaß gemacht, was aber sicherlich auch mit der Organisationsstruktur zusammenhängt. Mit zwei Kommilitonen zusammen Experimente machen und nette, alles andere als strenge Praktikumsbetreuer zu haben, ist schon eine sehr glückliche Situation.
Insofern mag ich Physik sehr und hatte dazu sehr gute Voraussetzungen, das weiterhin zu mögen. Mich interessiert Physik auch mehr als Biologie, was zwar auch eine coole Naturwissenschaft ist, aber gerade im Laufe der schulischen Oberstufe ist mir aufgefallen, wie viel mehr Physik mich im Vergleich zu Biologie interessiert. Chemie und die Physik der Außenelektronen eines Atoms hängen ja auch stark zusammen. Ein Professor für physikalische Chemie sagte mal, wir machen all das, was für die Menschen in der Physik zu schwierig ist. Ich mag diesen "Kampf" und Vergleich zwischen Naturwissenschaften nicht wirklich. Letztlich ist der Übergang sehr fließend. Also, warum nicht den Sprung in die Physik wagen?

Um ehrlich zu sein, ich glaube, dass Physik nicht das passende Studienfach für mich ist. Ich finde Physik unglaublich interessant und beschäftige mich in meiner Freizeit damit. Aber ich befürchte, dass ein Studium der Physik ähnlich aufwendig ist wie das der Chemie, zumindest mit Blick auf die Menschen, die ich kenne und die Physik studieren.
Dazu kommt, dass Physik noch mathematischer ist als die Chemie. Im Physikstudium in Regensburg sind teilweise die Vorlesungen des Mathematik-Studiengangs drin. Ich mag Mathe, aber ich befürchte, dass es für mich zu mathematisch werden könnte. Mathematik-Mathevorlesungen sind noch einmal eine Nummer härter als das, was ich in der Chemie erlebt habe.
Abgesehen davon, ich befüchte, ich käme langfristig nicht mit dem Ziel der Forschung klar, auf das der Physikstudiengang an der Uni Regensburg schon durchaus strebt. Die Forschung als Berufsfeld ist... anstrengend und ich habe großen Respekt vor jedem Menschen, der sich diesen Stress aus befristeten Verträgen, Umzügen, tendenziell unbezahlte Überstunden antut. Sonst kenne ich so einige Menschen mit einem Abschluss in Physik, die letztlich in der IT gelandet sind. Dafür muss ich nicht Physik studieren.

Eine potentielle Idee wäre auch die Computational Science in Regensburg, das ist ein Studiengang als Kooperation der Fakultät für Mathematik und der Fakultät für Physik. Allerdings ist hier wieder das Problem, dass ich die Mathematik-Vorlesungen und auch Klausuren habe, dazu noch jene in der Physik und dazu noch verschiedene Vorlesungen im Bereich der IT. Das könnte mir dann doch etwas zu viel werden.

Zugegebenermaßen, ich möchte nicht an dem Punkt landen, an dem ich wieder mein Studienfach wechsle. Gerade Physik ist da doch sehr riskant, das hat nämlich nicht eine geringere Abbrecherquote. Ich werde also weiter meine Augen offen halten und ein Semester lang experimentieren, was mir am besten liegt und was ich langfristig tun möchte. Physik mag zwar als Studienfach rausfallen, aber ich kann mich natürlich immer noch in meiner Freizeit für Physik interessieren, darüber lesen und verstehen. Es ist schließlich noch immer eine wunderbare Naturwissenschaft.