Feb 04, 2020

Hallo Arch, bye Manjaro

btw I use Arch. Nachdem dieser Punkt der Arch-User-Klischeeliste abgearbeitet ist, kommen wir dazu, dass ich etwas darüber schreibe, warum ich nun doch Arch-Userin geworden bin. Bis vor kurzem habe ich nämlich ein Arch-Derivat, Manjaro, verwendet. Dazu, wie ich mein Arch gebastelt habe, werde ich (wahrscheinlich) noch einen eigenen Beitrag schreiben. Eigentlich habe ich auch gesagt, dass ich, sobald Manjaro anfängt, mich zu stören oder irgendwelche Probleme bereitet, zu Debian wechsle.
Debian ist eine wunderbare Distribution und verwende ich auf einem anderen System. Auf meinem Laptop, den ich die meiste Zeit dabei habe, habe ich mich aber mittlerweile sehr an die Bedienung eines Arch-Derivats gewöhnt. Es ist bei mir eine gute Mischung aus Gewohnheit, so nah an neuer Software und Updates zu sein und tatsächlich Unzufriedenheit mit Manjaro. Da ich mein Manjaro sowieso sehr "archig" verwendet habe, was geht, aber nicht sein muss, war es für mich mit am naheliegensten.

Aber beginnen wir vielleicht einmal mit Manjaro und mir. Ich habe ein ThinkPad X230 bekommen, das mein Vater im Keller gefunden hat. Dafür habe ich mich mal nach einem Betriebssystem umgeschaut, nachdem ich Debian schon genauer kannte. Ich war zu diesem Zeitpunkt sicherlich nicht vollkommen neu in der Linux- und Unixwelt, aber ich habe mir Systeme wie Gentoo oder Arch oder Void Linux alles andere als zugetraut. Im Distrochooser und auf Empfehlung habe ich dann Manjaro entdeckt. Im Grunde genommen war es ein einfacher Einstieg in die Welt der Arch- und Rolling Release-Systeme. Die Installation war einfach, einmal den graphischen Installer über das vorher gelöschte System drüberzubügeln. Ich erinnere mich noch, dass das bisher meine erste Möglichkeit war, mal mit sudo rm -rf /* --no-preserve root zu sehen, wie ein System zerlegt wird, weil ich sowieso was Neues installieren wollte.
Allerdings begann ich schon mehr oder weniger früh damit, es zumindest Arch-ähnlich zu nutzen. Programme installierte ich typischerweise mit pacman, später kam yay für den Zugriff auf das Arch User Repository dazu. Das ist eigentlich ziemlich lustig, weil ich erst Herbst letzten Jahres bemerkt habe, dass Manjaro sogar einen eigenen Paketmanager mitbringt, nämlich Pamac. Dafür gab es sogar eine graphische Oberfläche. Gleichzeitig existiert Octopi als Möglichkeit zur graphischen Installation von Programmen. Aber das hat bei mir immer mal wieder zu Bugs geführt. Nachdem ich also sowieso immer die Kommandozeile verwendet habe, habe ich das irgendwann deinstalliert.
Obwohl ich mich immer mehr mit meinem System zurecht fand, war für mich nicht der Punkt erreicht, an dem ich aufgrund der technischen Eigenschaften über einen Wechsel der Distribution nachdachte. Manjaro lässt sich wunderbar wie ein reines Arch-System behandeln, aber das Schöne daran ist, das ist nicht notwendig. Ich kann Manjaro nutzen ohne (im besten Fall) jemals meine Kommandozeile gesehen zu haben. Gleichzeitig kann ich es mir dort häuslich einrichten. Abgesehen davon habe ich mir ein anderes System auch nicht zugetraut, hallo Impostor-Syndrom. Das wurde dann so langsam besser, nachdem ich mal vor einer unter anderem von mir gehaltenen Linux Install Party ein Gentoo installiert habe, um mal den Weg gegangen zu sein und immer mal wieder nicht nur mein Manjaro, sondern auch das von einem Freund mit kleineren Bugs versorgt habe.

Aber all diese technischen Feinheiten waren für mich kein großartiger Grund zum Wechseln. Da bin ich an mein System gewöhnt, ich komme damit klar, auch, wenn es sicherlich andere Systeme gibt, die dort ähnlich sind. Für mich kamen tatsächlich immer mehr Dinge zusammen, die gewissermaßen als ideologisch zusammengefasst werden können. Es hat für mich bewusst damit angefangen, dass solche Dinge kamen wie etwas, was ich als Werbung auf Social Media und auch im Forum interpretiere für Software wie Crossover. Das ist eine Software, die als kommerzielle Version von Wine bezeichnet werden kann. Damit kann Software, die eigentlich nur auf Windows läuft, auch auf Linux-Systemen genutzt werden. Eigentlich möchte ich keine Distribution, die Werbung für kommerzielle Software macht, die dazu noch irgendwas mit Windows vereinfacht. Ja, ich weiß, dass Menschen teilweise auf Software angewiesen sind, die auf Windows läuft. Aber ich halte Menschen, die in der Lage sind, sich ein Linux-System zu installieren, selbst, wenn es nur durch den Installer klicken ist, auch dafür in der Lage, sich über Möglichkeiten zu informieren, wie sie solche Software weiter auf Linux nutzen können. Selbst dann existiert immer noch Wine. Und wenn das tatsächlich nicht die benötigten Funktionen bietet, dann existiert noch immer Crossover.
Normalerweise ist es mir egal, was andere Menschen auf ihren Systemen verwenden, so lange ich es nicht verwenden muss. Wenn so was in den Paketquellen eines Betriebssystems rumliegt, dann finde ich das nicht so geil. Aber ich kann damit leben. Der Fall, an dem ich nicht mehr damit leben kann, ist, wenn etwas, was ich ablehne, als Standard mitinstalliert wird.
Vor kurzer Zeit wurde ein Preview zur Manjaro-Version 19 veröffentlicht. Nachdem ich gelesen habe, dass sich darin etwas mit dem netten Namen "Microsoft Office Online" verbirgt, habe ich das verifiziert und ja, zu diesem Zeitpunkt wurde dieses Paket einfach mit installiert. Das scheint auch nicht seit dieser Version so zu sein, sondern schon vorher, aber damals, als ich das System installiert habe, war das nicht der Fall. Im Grunde genommen handelt es sich dabei um ein Paket, das Microsoft Office Online wie eine native Applikation erscheinen lässt. Ich mag diesen ganzen Microsoft Office-Kram nicht. Demnach war bei mir eine gewisse Grenze überschritten, das als Standard in die Installation zu packen. Selbst, wenn es mittlerweile zurückgenommen wurde, die Grenze wurde bei mir überschritten und dadurch, dass es immer mal wieder unterschiedlich stark passiert, will ich mir nicht anschauen, was als nächstes dran ist, was beworben und installiert wird. Das mag für einige User durchaus toll und hilfreich zum Wechseln sein. Aber ich bin von einer Person, die von einem Windows- auf ein Linux-System wechselt, sehr weit entfernt. Demnach bin ich vermutlich auch einfach nicht (mehr?) die Zielgruppe für ein Manjaro-System.

Im Endeffekt gibt es auch sehr wenige, kleine technische Dinge, die mich stören, die für mich aber einfach zu ignorieren waren. Da gehört zu was dazu wie ein Kernel im Preview zur neuen Version, der damals noch nicht als stable, sondern als Release Candidate markiert war. Klar, es ist ein Preview, aber es war in dem Fall ein stable Preview. Selbst, wenn 5.4 als (LTS-)Kernel nicht passt, Manjaro unterstützt aktuell daneben die LTS-Kernel 3.16, 4.4, 4.9, 4.14 und 4.19. Es besteht in meinen Augen absolut nicht die Notwendigkeit, einen Release Candidate-Kernel als Standard zu verwenden. Das kann ich mit einem laufenden System sehr gut ignorieren, wenn ich mir dort meinen Kernel selbst aussuche. Das kann ich auch genauso gut bei Arch.
Es kommen noch ein, zwei Kleinigkeiten dazu, die mich stören, aber im Grunde genommen nicht für einen Wechsel ausschlaggebend sind. Das ist im Grunde genommen auch etwas, was ich mit Deinstallation bestimmter Pakete lösen kann.

Wie auch immer, hier bin ich nun mit meinem Arch-System. Mal schauen, wie es sich so verhalten wird und ob es letztlich älter wird als das Manjaro. Letztlich war Manjaro für mich ein guter Einstieg in die Welt der Arch-Derivate und der Rolling Releases. Aber wenn ein System nicht mehr passt, dann ist ein Wechsel angebracht.