Apr 22, 2019

Backprojekt 118 Cupcakes: Mit Helium zu den Edelgasen

Ich bin wieder zurück in der Küche mit den 118 Cupcakes, ein kleines Backprojekt von mir, in dem ich allen Elementen des Periodensystems versuche, aufgrund von irgendwelchen Eigenschaften Geschmacksrichtungen zuzuordnen. Natürlich ist das nicht unbedingt unglaublich ernst zu nehmen. Ich finde aber, es ist trotzdem irgendwo lustig, die jeweiligen Elemente des Periodensystems und Backen zu verbinden. Also geht es heute weiter mit Helium!

Das Element Helium ist ein Edelgas und damit im Gegensatz zu Wasserstoff eindeutig einer Hauptgruppe zuzuordnen. Ich erinnere mich noch an Diskussionen im Studium, ob Wasserstoff wirklich den Alkalimetallen zugeordnet werden kann oder ob eine Einrückung zu einer anderen Gruppe nicht unter Umständen sinnvoller wäre. Deswegen ist das gewöhnlichste Element des Universums, Wasserstoff, beim letzten Mal auch nicht nur das gewöhnliche Vanilla geblieben.
Aber zurück zum Helium: Helium gehört zur Gruppe der Edelgase, die nicht gerade viel tun. Edelgase sind mit sich selbst glücklich und zufrieden, ein wenig aufgelockert wird diese unglaubliche Selbstzufriedenheit weiter unten in der Gruppe. Helium allerdings kann nur mit großer Gewalt dazu gebracht werden, mit sich selbst eine Art Bindung einzugehen. Ein solches Helium-Dimer würde ich eher als Verhältnis zweier Heliumatome zueinander bezeichnen. Die Bindungsenergie ist unglaublich klein und der Bindungsabstand unglaublich groß. Der Abstand zweier solcher Heliumatome ist im Vergleich zum Abstand zweier Wasserstoffatome in einer vergleichbaren Bindung 70 Mal größer.
Eine ionische Bindung, also eine mit Ladungen, sehr einfach gesagt, ist mit positiv ionisiertem Wasserstoff, also einem Wasserstoff mit verlorenem Elektron, also genau genommen ein Proton, unter extremen Bedingungen möglich. Allerdings ist das unglaublich instabil.
Helium ist also ein Einzelgänger, was daran liegt, dass alle Elektronen soweit wie es geht aufgefüllt sind. In der Chemie gibt es auch eine Regel mit Namen Edelgasregel, die besagt, dass alle Atome versuchen, die Elektronenkonfiguration (hartes Wort, beschreibt aber eigentlich nur, wo welche Elektronen vorhanden sind) eines Edelgases zu erreichen, weil das besonders stabil ist. Das muss Helium nicht. Übrigens ist Helium das zweithäufigste Element in unserem Universum. Wieder ein Fall für die Vanille-Paste? Ich glaube, gerade ein Heliumcupcake braucht keine zweite Komponente, um glücklich zu sein, weswegen ich wahrscheinlich auf nur eine Geschmacksrichtung zurückgreifen werde. Gerade folgt nach Vanille die Schokolade als Eissorte. Aber schauen wir uns noch ein wenig Helium an.
Helium hat ein paar interessante, physikalische Eigenschaften. Helium ist unter bestimmten Bedinungen suprafluid, als einer der möglichen Zustände beim Abkühlen von Helium. Normalerweise ist es mit einem gasförmigen Element so, dass es beim Abkühlen zunächst flüssig und dann fest wird. Helium hat noch einen weiteren Zustand, was sich durch Helium I und Helium II abgrenzt. Helium II ist suprafluid. Diese Flüssigkeit hat keine bzw. eine nur sehr schwer messbare Viskosität, ist also das Gegenteil von zähflüssig. Es existiert keine innere Reibung, die "Flüssigkeit" fließt reibungsfrei durch enge Kapillaren. Das ist natürlich eine echt tolle Eigenschaft, die so im Falle von Helium und einem Lithium-Isotop auftritt. Wenn ich das backen möchte, wird es also schwierig.
Dazu kommt, dass dieser Zustand auch technisch nicht so einfach zu erreichen ist. Wir bewegen uns hier im Bereich von etwa 1 bis 4 K. Der absolute Nullpunkt liegt bei 0 K. Das ist nicht gerade der Level, auf dem ich für gewöhnlich backe. Eine Blase voller Helium im Cupcake zu haben und aufgrund dieser Blase der essenden Person eine hohe Stimmlage zu verschaffen wäre sicherlich auch schwierig. Es handelt sich um ein sehr leichtes Gas.

Ich glaube, aufgrund der Einfachheit und Häufigkeit von Schokolade werde ich Schoko-Cupcakes wählen. Ein Hintergedanke für die Suprafluidität könnte unter Umständen ein flüssiger Kern sein, aber gerade für meine Cupcakes, die auch mal zwei, drei Tage auf dem Küchentisch stehen, bis sie vollständig gegessen sind, ist das vielleicht nicht ganz ideal. Ein flüssiger(er) Kern ist nochmal eine Kunst für sich. Eine hohe Backtemperatur ist hier sicherlich von Vorteil in Kombination mit einer kurzen Backdauer. Aber kommen wir erst einmal zu meinem Rezept.

Schokoladen-Cupcakes
Zutaten

  • 400 g Zartbitterschokolade
  • 2 Eier (Größe M)
  • 125 g Butter
  • 75 g Zucker
  • 150 g Mehl
  • 200 g Sahne
  • 10 g Backpulver
  • 1 g Salz
  • 60 g Kakaopulver
  • 5 g Kaffeepulver
  • 150 mL Milch

Zuerst schmelze ich 100 g der Zartbitterschokolade und mische die Schmelze mit 150 g Schlagsahne. Dabei ist es wichtig, dass von der Schokolade keine Brocken übrig bleiben, im Zweifelsfall einfach nochmal ein bisschen erwärmen. Das wandert für so mindestens zwei Stunden in den Kühlschrank, abhängig ist das irgendwo auch von der Temperatur der Schmelze, es kann aber auch länger drin bleiben. Diesmal fange ich auch rückwärts an, denn diese Schokoladen-Sahne-Schmelze ist für das Topping.
Dann zerhacke ich 100 g Zartbitterschokolade, die restlichen 200 g schmelze ich, weil ich schlicht und ergreifend keine Lust hatte, 300 g zu zerhacken und Spaß daran habe, Schokolade zu schmelzen. Sobald die Schokolade halbwegs angeschmolzen ist, gebe ich 125 g Butter zur Schokolade und schmelze weiter. Die zerhackte Schokolade mische ich mit 60 g Kakaopulver, was kein Trinkkakaopulver im klassischen Sinne ist, sondern wirklich Kakaopulver ohne Zuckerzusatz. Dazu kommen 150 g Mehl, 75 g Zucker, 1 g Salz, 10 g Backpulver und 5 g Kaffeepulver. Das ist zu wenig, um es als Kaffee-Cupcakes bezeichnen zu können, aber genau, um ein Aroma herauszukitzeln.
Die restliche Sahne, also 50 g, gebe ich zusammen mit 150 mL Milch und zwei Eiern dazu. Dann haue ich die Schmelze aus Butter und Schokolade rein, mische es und gebe den fertigen Teig bei 210 °C für 12 Minuten in den Ofen.
Es wird übrigens so schokoladig, weil für ein paar Rezepte für schokoladige Backerzeugnisse gilt, um ein wirklich schokoladiges Ergebnis zu erzielen, wird die dreifache Menge an Schokolade verwendet im Vergleich zum Rezept. Das wären also 1,2 kg Schokolade und ich glaube, das wird etwas viel für 12 Cupcakes. Danach kommt das Topping aus dem Kühlschrank drauf. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Helium-Cupcakes

Diesmal ist es vielleicht nicht wunderschön geworden, weil alles ein brauner Klumpen ist, aber es schmeckt sehr schokoladig. Passend zu Helium ist es mir leider nicht gelungen, transparente Cupcakes zu machen, aber immerhin sind die Cupcakes in sich selbst glücklich, weil sie sehr schokoladig sind, so wie eben Helium mit sich selbst unglaublich glücklich ist und keine Verbindungen zu anderen Elementen möchte.

Apr 13, 2019

Wie sieht ein Atom aus?

Elektronen, die wie die Planeten im Sonnensystem auf ihrer Umlaufbahn in kosmischer Schönheit um den Atomkern kreisen, wobei der Atomkern selbst wie eine Sonne zu sein scheint, nur mit weniger Strahlung... Eine Anordnung in Schalen, auf denen die Elektronen liegen... Das sind Ideen, wie Menschen gerne versuchen, sich dieses kleine Teilchen, das im Namen schon gleich mit drin hat, dass es so winzig ist, dass es unteilbar ist (viele physiknahe Menschen fallen gerade beim "unteilbar" lachend vom Stuhl), vorzustellen. Nur sind diese Ideen dooferweise falsch. Das Modell dazu mag schön sein, aber es stimmt nicht wirklich mit der Realität überein. Aber beginnen wir doch erst einmal von vorne.

Atome sind sehr klein. Ein einzelnes Atom mit dem bloßen, menschlichen Auge zu sehen, ist unmöglich und auch sonst ist unsere Vorstellungskraft für die Größenordnung von \(10^{-11}\) bis \(10^{-10}\) Metern kaum ausgelegt. Dennoch ist es irgendwo verständlich, dass wir versuchen, eine Vorstellung von Atomen zu etablieren, weil es komisch ist, mit irgendwas zu arbeiten, ja wissenschaftlich zu denken, zu dem kein Bild existiert. Ich glaube, die allgemeine Vorstellung ist noch relativ stark vom Schalenmodell geprägt, aber genau genommen ist das nicht korrekt. Auch das Atom-Logo, der Editor, mit dem ich diese Zeilen tippe, ist nicht ganz korrekt. Dort ist nämlich Folgendes zu sehen:

Logo des Editors Atom

Grob gesagt liegt ein Problem dieses Bilds darin, dass der Atomkern im Vergleich zur Atomhülle zu groß ist. Zwar ist dieser Teil sehr massereich, macht aber nicht wirklich etwas von der Größe aus. Die eigentliche Größe kommt durch die Hülle. Diese Hülle aus Elektronen ist aber auch problematisch, denn Elektronen stehen nicht still. Selbst, wenn das eine Momentaufnahme wäre, könnten die Elektronen nicht genau lokalisiert werden. Das liegt nicht an Messinstrumenten, die nicht gut genug sind, sondern an der Physik dahinter. Das Phänomen der Heisenbergschen Unschärferelation lässt zumindest einen Bereich zu, in dem die Elektronen unterwegs sind, sodass grob gesagt werden kann, wo Elektronen sind, dazu dann weiter unten mehr mit den Atomorbitalen. Somit ist übrigens auch ein Teil meines Headers falsch. Aber dass eine grinsende Avocado auf ein paar angedeuteten (und inkorrekten) Elektronenbahnen nur symbolisch zu sehen ist, konntet ihr euch bestimmt schon denken.

Teil des Headers von Guacamol

Aber fangen wir vielleicht erst einmal zeitlich gesehen vorher mit Atommodellen an. Das Atommodell von Dalton geht zunächst einmal davon aus, dass Atome als kleinste, kugelförmige Einheit bestehen, die sich je nach Element in Volumen und Masse unterscheiden. Eine exakt abgeschlossene Kugel ist ein Atom nicht, grob gesagt sind sie auch je nach Element unterschiedlich in Volumen und Masse schon. Es kommt halt darauf an, wie eng man diesen Punkt sehen möchte, denn für Ionen haben wir einen anderen Durchmesser und auch eine geringfügig andere Masse. Auf den Atomdurchmesser komme ich später nochmal zurück.

Mit Thompson und einem Kathodenstrahl wurde das Bild der unzerteilbaren Einheit des Atoms endgültig zerstört. Solch ein Kathodenstrahl ist letztlich ein Elektronenstrahl im Vakuum. Aber wenn wir Elektronen haben, dann ist ein Atom nicht die kleinste Einheit. Abgesehen davon ist so ein Atom von außen betrachtet elektrisch neutral. Wir brauchen also noch eine positive Ladung. Das war die Geburtsstunde des Rosinenkuchenmodells, ein richtig leckerer Name im Vergleich zu sonstigen Namen von Modellen.

Rosinenkuchenmodell von Thompson (Tjalfave, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:PlumPuddingModel_ManyCorpuscles.png)

Dieses Modell geht davon aus, dass ein Atom eine große, positive Ladung besitzt und mit Elektronen gespickt ist, quasi wie Rosinen. Übrigens geht dieses Modell auch davon aus, dass die Masse des Atoms durch die Elektronen zustande kommt. Aber offensichtlich hat sich dieses Modell nicht durchgesetzt.
Das liegt an einem Versuch von Rutherford, in dem vereinfacht gesagt Atome, darunter so was wie Goldfolie, mit Alpha-Strahlen beschossen wurde. Alpha-Strahlen sind positiv geladene Heliumkerne. Im Modell von Thompson wäre die Alpha-Strahlung ungehindert durch gegangen. Allerdings ergab sich, dass ein Bruchteil der Strahlung reflektiert wurde. Daraus stammt die Idee, dass die positive Ladung eines Atoms in einem Kern im Inneren ist. Mittlerweile sind wir auf folgendem Stand:

Rutherfordsches Atommodell

Das Update dazu ist das Bohrsche Atommodell, das Elektronen auf Bahnen sieht. Somit sind wir bei quantifizierten Energiezuständen angelangt. Der Bohrsche Atommodell ist genau das Atommodell, das diese Idee von Elektronen auf Bahnen wie Planeten um die Sonne geprägt hat. Das Modell hat in sich aber noch ein paar physikalische Probleme. Würde sich ein Elektron, also etwas mit einer Ladung, kreisförmig bewegen, würde es elektromagnetische Strahlung aussenden. Dadurch verliert es Energie, denn diese Strahlung hat eine gewisse Energie, die das Elektron folglich nicht mehr hat, weil es dem Energieerhaltungssatz folgt. Dementsprechend müsste es in den Kern stürzen und Atome wären instabil. Da ich, ein riesiger Haufen aus Atomen und Molekülen, hier sitze, bin ich wohl zu einem großen Teil stabil. Zwar sind im menschlichen Körper auch radioaktive Isotope enthalten, aber diese Atom sind nicht dadurch instabil, dass Elektronen in den Kern fallen. Ein eigener Beitrag zu Radioaktivität wäre auch mal was, aber das ist eher bezogen auf den Atomkern, der sich seit dem Modell von Rutherford nicht mehr so wirklich geändert hat.
Aber zurück zum Modell von Bohr: Wir haben ein paar physikalische Fehler, die aber irgendwo in die richtige Richtung weisen. Die Bahnen sagen ja zumindest aus, dass die Energie der Elektronen quantifiziert ist. Die Idee von etwas, was kreisförmig ist, ist nicht vollkommen falsch und geht zumindest ganz grob in eine richtigere Richtung.

Das Update dazu, was auch aktuell ist, ist das Orbitalmodell. Orbitale sind Aufenthaltsorte von Elektronen, denn genau lokalisieren funktioniert nicht, also sind das Orte mit einer Aufenthaltswahrscheinlichkeit von 90 Prozent. Dafür stößt man öfter auf den Begriff der Elektronenwolke. Die Form dieser Orbitale ergibt sich aus den jeweiligen Wellenfunktionen, die mathematisch ein bisschen komplexer sind und streng genommen auf das Wasserstoffatom bezogen sind. Das sieht dann für die ersten paar Orbitale so aus.

s- und p-Atomorbitale

Die Kreis- bzw. Kugelform aus dem Bohrschen Atommodell ist zumindest so was wie extrem eingeschränkt vorhanden. Alle anderen Elektronen befinden sich in einem Bereich, in dem es neue Formen gibt. Das wird mit d-Orbitalen noch ein bisschen weiter von der "Planetenbahn" der Elektronen weggebracht.

d-Atomorbitale (Sven, CC-Lizenz, https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:D_orbitals.svg)

Die sogenannten f-Orbitale treiben das nochmals auf die Spitze.

f-Atomorbitale (Adrignola, CC-Lizenz 3.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:F-orbitals.png)

Mittlerweile ist da nichts mehr mit einfachen Bahnen und taucht jetzt die Frage nach einem Wie, einem Warum, einem Weshalb auf und wie das mit der Vorstellung funktioniert, wie Elektronen in einem Atom aufgeteilt sind. Glücklicherweise passt die Struktur des Periodensystem dazu. In das s-Orbital passen zwei, in das p-Orbital sechs, in das d-Orbital zehn und in das f-Orbital vierzehn Elektronen rein. Die genaue Aufteilung für jedes Element ist in der entsprechenden Elektronenkonfiguration zu finden, dazu gibt es auch ein Schema, wie das aufgefüllt wird, das spielt hier aber keine wirkliche Rolle.
Was ich hier eigentlich nur ins Bewusstsein rufen möchte, ist, dass ein Atom nicht so aussieht wie wir es sehr gerne darstellen, da bin ich keine Ausnahme. Das, was näher an die Realität kommt, ist deutlich komplexer. Das Aussehen eines Atoms ist letztlich auch davon abhängig, welches Atom genau betrachtet wird, ob es in einer Verbindung vorkommt, etc. Je nachdem, ob Elemente als Ionen vorliegen, also Elektronen zu viel oder zu wenig im Vergleich zu ihrem Grundzustand haben, ändert sich der Atom- bzw. Ionenradius.

Atomradius? Ionenradius? Wir sind wieder bei den Atomen als Kugeln und der Idee eines festen Radius. Einen absoluten Radius gibt es allerdings nicht. Stattdessen wird von verschiedenen Radien gesprochen. Für Atome, die in eine sogenannte kovalente Bindung eingehen, existiert der Kovalenzradius als halber Abstand zweier Atome eines Elementes in einer kovalenten Verbindung. Ich glaube, das geht auch ein kleines bisschen zu weit und ich hoffe, ein wenig Licht in den Aufbau der Atome gebracht zu haben.

Apr 07, 2019

Mein Stundenplan im Sommmersemester 2019

In einem der letzten Blogbeiträge über mein Studium habe ich ja bereits geschrieben, dass ich im Sommmersemester relativ viel Freiraum habe, welche Veranstaltungen ich besuche. Ich habe also ein ganzes Vorlesungsverzeichnis voller Möglichkeiten, habe mir aber schon zwei, drei Schwerpunkte im Voraus überlegt.
Ich habe noch einen offenen Mathe-Drittversuch, den ich schreiben muss, um in der Chemie nicht exmatrikuliert zu werden und damit die Bachelorprüfung endgültig nicht zu bestehen. Abgesehen davon habe ich damit das Modul zur Mathematik beendet. Das sind zwar merkwürdigerweise nur zehn Leistungspunkte, was sehr niedrig angesetzt ist, aber ein fertiges Mathemodul ist ein fertiges Mathemodul. Gerade, weil ich ja im Bereich der Naturwissenschaften und Technik bleiben möchte, so zumindest der aktuelle Plan, wird mir das sicherlich nicht schaden. Abgesehen davon gibt es schlimmere Vorlesungen als die der Mathematik. Ich habe mir überlegt, da was mit Stochastik zu machen, weil das auch nicht schaden kann, aber habe dazu nichts gefunden.
Daneben wollte ich noch immer die ein oder andere Veranstaltung in der Chemie belegen. Das werde ich aktuell unter Umständen tun, eventuell schaue ich mir aber auch eine ähliche Veranstaltung in der Physik an.

Als ich meinen Stundenplan erstellt habe, habe ich aber noch die ein oder andere Idee gehabt, also neben Mathe und etwas im Bereich der physikalischen Chemie oder Physik will ich mir das ein oder andere im Rahmen der studienbegleitenden IT-Ausbildung zu Gemüte führen. Dort kommt auch mein Python-Kurs aus dem letzten Semester her. Ansonsten hatte ich es mir zum Ziel gemacht, mich ein wenig im Vorlesungsverzeichnis umzuschauen. Vielleicht finde ich ja etwas, was mich besonders interessiert oder sich soweit ganz cool anhört. Allerdings will ich nicht unbedingt in Seminare, denn ich möchte niemandem einen Platz wegnehmen, weil ich mir einfach nur mal irgendwas anschauen möchte. Vorlesungen mag ich, da kann ich rein gehen.
Dabei habe ich teilweise ganz spannende Sachen entdeckt. Die katholische Theologie zum Beispiel hat Veranstaltungen für Hörer aller Fakultät, bei denen dann auch mal so was dabei ist wie "Wie gestalte ich gute Beziehungen?" oder "Demokratie und Populismus - Herausforderungen für Gesellschaft und Kirche", was schon irgendwie interessant ist, aber gerade das Erste schneidet sich mit einer Veranstaltung, die ich gerne machen möchte, nämlich Algorithmen und Datenstrukturen. Ansonsten befürchte ich, nicht mit der katholischen Theologie glücklich zu werden. "Die Apostelgeschichte" oder "Kirche und Volk Gottes" interessiert mich kaum. Klar, es hätte eine gewisse Ironie, wenn ich als agnostische/atheistische Person mir etwas Ernsthaftes an der Fakultät für Katholische Theologie auswähle... aber so wirklich reizend oder besser als etwas, was ich zu einer bestimmten Zeit sowieso schon mache, ist da (leider?) nichts.
Zugegebenermaßen scrolle ich auch mehr durch die Veranstaltungen in der Rechtswissenschaft, weil ich mir eigentlich recht sicher bin, dass mich da sosiweso nichts anlachen wird. Ich bin kein riesiger Fan von Jura, wobei es eine Vorlesung aus der Rechtsmedizin gibt, die wohl sehr spannend und anschaulich sein soll. Die Voraussetzung dafür ist Interesse und gute Nerven. Diese schneidet sich allerdings mit der Vorlesung für C und C++, werde ich also höchstens mal sporadisch wahrnehmen.

In den Wirtschaftswissenschaften könnte es unter Umständen wieder interessanter werden, denn die Universität Regensburg hat drei Informatik- bzw. informatikähnliche Studiengänge, Wirtschaftsinformatik, Medieninformatik und Computational Science, die alle in unterschiedlichen Fakultäten untergebracht sind.
Grundlagen der Wirtschaftsinformatik würde schon fast interessant klingen, hätte ich da nicht die bereits angesprochene Vorlesung zu Algorithmen und Datenstrukturen ins Auge gefasst. Das Problem habe ich beispielsweise in der Medieninformatik nicht, für die Vorlesung muss ich noch nicht einmal das Haus verlassen. Diese Vorlesung gibt es nämlich als Videoaufzeichnung. Die Wirtschaftsinformatik hat generell wohl ein paar lustige Veranstaltungen, ich hätte mir gerne "Internettechnologien und Network Computing" mal angeschaut, aber auch hier habe ich wieder Überschneidungen mit C und C++. Die Wirtschaftsinformatik hat auch leider das nicht in ihrer Aufzeichnungen dabei. Ich sehe schon, ich werde auch noch einen Beitrag über die Situation bezüglich Vorlesungsaufzeichnungen an der Uni schreiben. Aber zurück zu den Vorlesungen! Im Master gibt es eine Vorlesung zu Kryptographie, eigentlich auch geil, überschneidet sich aber mit Struktur der Materie/Quantenmechanik. Es gibt übrigens auch eine Vorlesung mit dem schönen Namen "Einführung in die Kryptoökonomie: Blockchain und Krypoassets", die ich irgendwie für ein bisschen Popcorn ganz cool fände, die aber mittwochs von 16 bis 20 Uhr ist. Das ist eine Dauer und eine Uhrzeit, die das Buzzword-Bingo nicht wert ist. Viel mehr interessiert mich auch nicht an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, Immobilienökonomie oder so ist nicht so ganz meins.

Die Fakultät für Medizin hat leider nicht ganz so viel, was mich genauer interessiert, zumal hier das meiste für die klinischen Semester angeboten wird. Gerade bei Medizin habe ich den Eindruck, dass man nicht einfach so dort mal eine Vorlesung macht, sondern schon irgendwo Ahnung vom Gesamtpaket haben sollte. Das ist zumindest mein Gefühl, ich nehme gerne Korrekturen, wenn ich das falsch sehe. So was wie "Einführung in die Radiologie" ist aber sicherlich interessant. Die Molekulare Medizin überfordert mich etwas, zumal das ein Masterstudiengang ist und für Zahnmedizin kann ich mich gar nicht begeistern.

Eine der größeren Fakultäten ist sicherlich Philosophie, Kunst-, Geschichts- und Gesellschaftswissenschaften. Künstlerisch-kreativ fühle ich mich ehrlich gesagt nur gelegentlich im Bereich des Schreibens. Geschichte ist schon irgendwie okay, aber nichts, für das ich brenne. Philosophie, Gesellschaftswissenschaften, unter Umständen cool. Ich habe mir überlegt, mir unter Umständen "Introduction to the History of Science" zu geben, eine Vorlesung aus der Wissenschaftsgeschichte, tendiere aber gerade eher dazu, das nicht zu machen, weil ich sonst an diesem Tag von acht bis achtzehn Uhr ohne Pause an der Uni hänge. Das ist mir dann ein wenig zu krass.
In der Philosophie habe ich mir überlegt, mir "Einführung in die moderne Logik" anzuschauen. Das schneidet sich allerdings mit der Quantenmechanik aus der Chemie und der Zentralübung in Mathe, bedauerlicherweise.
In der Politikwissenschaft habe ich wieder etwas mehr gefunden und gerade das Seminar "Computational Social Science - Methodologie & Anwendungsfelder in der Politikwissenschaft" würde mich eigentlich total ansprechen, aber ich will niemandem einen Platz in seinem Hauptfach wegnehmen, zumal ich da mit "Algorithmen und Datenstrukturen" beschäftigt bin. Glücklicherweise habe ich aber Zeit für die Veranstaltung "Einführung in die Internationale Politik", was ich mir ganz cool vorstelle. Internationale, politische Angelegenheiten fand ich im Politikunterricht schon ganz geil und warum nicht dieses Wissen auffrischen, wenn ich gerade die Möglichkeit dazu habe? Spannend wäre da auch eine Übung bezüglich Brexit und EU, aber da habe ich voraussichtlich einen anderen Kurs, nämlich HTML und CSS. Mit dem hatte ich glaube ich bisher noch gar keien Überschneidung. Es wäre mal interessant, eine Analyse der Vorlesungszeiten der Uni zu basteln, um herauszufinden, wann die meisten Vorlesungen sind und wie sich das über die Jahre verändert hat. Interessant wäre das auch mal deutschlandweit, aber jede Uni hat ja ihr eigenes Interface.

Aber zurück zum Thema und zur nächsten Fakultät, Psychologie, Pädagogik und Sportwissenschaft. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich mir auch mal überlegt habe, Psychologie zu studieren, bin mir aber mittlerweile nicht mehr so ganz sicher, ob das was für mich wäre. Eventuell wäre "Allgemeine Psychologie" eine Idee, aber das ist auch schon der zweite Teil und überschneidet sich mit der Internationalen Politik. "Klinische Psychologie und Neuropsychologie" könnte noch ganz cool sein, aber das ist halt alle zwei Wochen abends von 18 bis 21 Uhr. Insofern wären da vielleicht ein, zwei Besuche cool, aber mehr muss um diese Uhrzeit für mich echt nicht sein, solange ich es mir noch aussuchen kann. Ich habe das Gefühl, ich kann am besten arbeiten, wenn ich morgens bis mittags Vorlesungen habe und danach nichts, freie Zeiteinteilung. Aktuell sieht's so aus, dass ich dreimal in der Woche bis mindestens 17 oder 18 Uhr an der Uni bin, da muss eine solche vierte Veranstaltung nicht sein. Die Vorlesung, die nur die klinische Psychologie beinhaltet, schneidet sich auch wieder mit Algorithmen und Datenstrukturen.
Der ganze Kram der Sportwissenschaft in dieser Fakultät interessiert mich sogar nicht, weswegen ich da mal kurz drüber geschaut und genau das festgestellt habe.

Die nächste Fakultät wird wieder groß. Mittlerweile sind wir bei den Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften angelangt. Hier wären tendenziell auch Teile von Sprachkursen, würde mich das genauer interessieren. Allerdings brenne ich nicht so sehr auf Ungarisch oder Rumänisch.
Vermutlich auch zum Bedauern meiner ehemaligen Deutschlehrerin, die mir damals auch das Studium dieses Bereichs nahegelegt hat, habe ich nichts im Bereich der Germanistik gefunden, was mich so wirklich anspricht. Das hängt aber auch damit zusammen, dass die Germanistik aus wenigen Vorlesungen und deutlich mehr Seminaren besteht. Ich will niemandem in der Germanistik seinen Seminarplatz wegnehmen, nur weil ich mal reinschauen will.
Das für mich Interessante an dieser Fakultät ist übrigens, dass hier auch das Institut für Informationen und Medien, Sprache und Kultur ist, das Institut, das Medieninformatik und Informationswissenschaft anbietet. Allerdings brenne ich nicht so wirklich für die Einführung in die Anwendungsprogrammierung mit Android, dafür will ich erstmal noch weitere Erfahrung im Programmieren sammeln. Meine Vorlesung zu Algorithmen und Datenstrukturen kommt aus der Physik und nicht aus der Medieninformatik. Eventuell wäre "Grundlagen Human Computer Interaction" was, das steht immerhin auch im Modulkatalog für die studienbegleitende IT-Ausbildung und da habe ich sogar Zeit.
Diese Fakultät ist übrigens auch die, die das ganze Gender Studies-Angebot enthält, aber da finde ich, ist irgendwie nichts so wirklich Ansprechendes oder Cooles dabei. Meistens ist auch was sehr fachbezogen und basiert auf British Fiction oder dem Mittelhochdeutschen, was ich nicht als meine Kernkompetenz betrachte.

Mittlerweile bin ich bei der Fakultät für Mathematik angekommen. Allerdings weiß ich schon, dass ich hier nicht wirklich was finden werde, so cool Mathe auch ist. Ich habe ja erstmal noch was aus meinem eigenen Mathemodul aus der Chemie. Die Mathematik aus der Mathe-Fakultät für alle, die Mathe im Hauptfach studieren, traue ich mir nicht zu, um mal reinzuschauen.

Dementsprechend geht es weiter in der Fakultät für Physik. Ich selbst habe ein fertiges Physikmodul mit Mechanik und Elektrodynamik als Experimentalvorlesung und einem Praktikum, in der die Themen der beiden Vorlesungen grob angesprochen werden. Ich muss sagen, ich mag auch Physik, aber ich will mir nicht Vorlesungen anhören, bei denen ich schon eine gewisse Ahnung habe, sondern möchte neuen Input. Auch die Physik hat übrigens eine eigene Quantenmechanik-Vorlesung, die liegt mir zeitlich aber viel zu unpassend. Dazu gibt es noch die bereits erwähnte Vorlesung zur Struktur der Materie, die durchaus noch ein wenig "chemischer" ist. Aus der Physik ist übrigens auch meine Vorlesung zu Algorithmen und Datenstrukturen sowie mein C/C++-Kurs.

In der Fakultät für Biologie und Vorklinische Medizin habe ich erwartet, dass mich eventuell die ein oder andere Veranstaltung anspricht. Ich sehe mich in meiner Zukunft nicht als Biologin, aber gerade in der Schule fand ich Biologie richtig toll. Grundlagen der Ernährungslehre, auch freigegeben für Mediziner und Naturwissenschaftler, fände ich irgendwo auch interessant, aber es überschneidet sich mit meiner Matheübung und ist freitags von 14 bis 18 Uhr. Das sind Zeiten, mit denen ich nicht so wirklich arbeiten kann. Wenn ich dorthin gehe, wird das eher sporadischer Besuch sein. Die Genetik-Vorlesung wäre ansprechend gewesen, überschneidet sich aber mit meiner Mathe-Vorlesung. Leider ist in der Bioinformatik, die keinen eigenen Studiengang hat, aber sporadisch auftaucht, keine wirkliche Vorlesung zu finden.

Als nächstes kommen wir zur Fakultät für Chemie und Pharmazie, also meine Heimfakultät. Arg spannende Vorlesungen über das, was ich sowieso schon weiß, was ich machen möchte, werde ich vermutlich nicht finden. Biochemie und Bioorganik möchte ich ehrlich gesagt nicht unbedingt machen, Anorganik Nebengruppen und Metallorganik muss auch nicht sein.

Ansonsten hat die Uni viele weitere Studienangebote. Mich reizt irgendwo auch der Kurs für Schwedisch, für den ich sogar Zeit hätte. Daneben gibt es die studienbegleitende IT-Ausbildung, aus der ich einen Großteil meiner Kurse aus dem Bereich zum ersten Mal gefunden habe. Eventuell werde ich auch einen Javascript-Kurs besuchen, aber dort stehen noch keine Zeiten fest, wann genau der jetzt eigentlich ist. Überblicksmäßig sieht mein Studenplan bisher so aus:

  • Struktur der Materie
  • Mathematik für Chemiker
  • Programmieren in C und C++
  • Algorithmen und Datenstrukturen
  • Quantenmechanik
  • Quantum mechanics for slow thinkers (das ist das Quantenmechanik-Tutorium der Chemie)
  • HTML und CSS
  • Einführung in die internationale Politik
  • Schwedisch A1
  • Grundlagen Human Computer Interaction
  • Javascript

Ich würde mal sagen, ich bin gespannt auf mein neues Semester, in dem ich mich ein wenig orientieren kann. Was genau ich mache, ist auch abhängig davon, in welchem Kurs ich überhaupt einen Platz bekomme. All diese Kurse werden mir vermutlich zu viel werden. Insgesamt sind das um die 50 ECTS, das wird ein wenig krass. Im Falle von Struktur der Materie und Quantenmechanik wird eines der beiden vermutlich rausfliegen. Für HTML und CSS ist es sowieso fraglich, ob ich da rein komme. Die Einführung in die internationale Politik ist eine Veranstaltung, auf die ich keine weitere Lernzeit verwende. Das ist eher nur zum Anschauen. Auswahl habe ich jedenfalls genug.

Mär 31, 2019

Backprojekt 118 Cupcakes: Die Einführung mit Wasserstoff

Ich gebe zu, der Titel dieses Beitrags wirkt schon etwas merkwürdig. Die Mischung aus Cupcakes und Wasserstoff ist nicht unbedingt intuitiv. Allerdings steht dahinter ein größeres Backprojekt, was ich von jetzt an in Zukunft immer mal wieder in Angriff nehmen möchte. Ich möchte zu jedem Element des Periodensystems einen Cupcake backen.
Die Idee ist mir dadurch gekommen, dass ich auf Twitter ein Bild gesehen habe, auf dem ein Periodensystem mit Cupcakes zu sehen war. Mein erster Gedanke war "Das möchte ich auch!" Jedoch ist mir dann aufgefallen, dass 118 Cupcakes auf einmal eine ziemlich große Menge sind, für die ich dann auch Menschen bräuchte, die das alles essen. Meine nächste Überlegung war, das eventuell aufzuteilen. Vielleicht hier mal eine Hauptgruppe backen, da mal die Lanthanoide, danach mal eine Periode nur mit Nebengruppenelementen... Aber mir ist aufgefallen, dass das unterschiedliche Ausbeuten ergäbe. Manche Cupcake-Ladungen wären größere als andere und ich tue mich schwer damit, exakt auf den Cupcake genau zu skalieren. Also dachte ich mir, ich möchte das für jedes Element tun. Das passt ganz gut damit zusammen, dass ich sowieso schon geplant habe, zu jedem Element vielleicht was Kurzes zu machen, was ich nun damit verbinde, diesem irgendeine Form des Geschmacks und sei es durch Farben zuzuordnen. Also gibt es jetzt Chemie und leckeres Essen. Die Cupcakes enthalten übrigens nicht zwingend das jeweilige Element.

Aber im Falle von Wasserstoff, dem ersten Element im Periodensystem, wird es ziemlich sicher im Cupcake enthalten sein. Die gesamte organische Chemie, worunter ein Großteil der Chemie der Nahrung fällt, braucht Wasserstoff. Daneben haben wir Wasserstoff im Wasser. Aber ganz abgesehen davon handelt es sich bei Wasserstoff um das häufigste Element des Universums. Diese Häufigkeit, ja schon fast Gewöhnlichkeit, sorgt dafür, dass ich Vanille als Geschmacksrichtung in Erwägung ziehe. Allerdings würde ich tatsächlich nur das Wasserstoff mit einem Proton im Kern als Vanilla bezeichnen. Es gibt noch zwei weitere Isotope, Deuterium mit einem Neutron im Kern und Tritium, radioaktiv übrigens, mit zwei Neutronen im Kern. Aber will ich beim Backen auf potentielle Isotope Rücksicht nehmen? Versteht mich nicht falsch, die verschiedenen Wasserstoffisotope sind notwendig für eine Kernfusion wie sie gerade in diesem Moment in unserer Sonne stattfindet. Tendenziell wäre also auch was leuchtend Sonniges eine Option. Aber sowohl das erste Isotop mit nur einem Proton, Protium manchmal genannt, als auch Deuterium leuchten in einer Entladungsröhre pink. Das lässt mich mental schon mal in die Richtung Himbeere gehen. Außerdem beginnt "Himbeere" mit H. H ist das Symbol für Wasserstoff im Periodensystem, es kommt von Hydrogen.

Wasserstoff neigt darüber hinaus dazu, mit sich selbst eine Verbindung einzugehen, was uns dann im H\(_2\)-Molekül begegnet. Das liegt daran, dass ein einzelnes Wasserstoffatom das Bestreben dazu hat, seine Atomhülle zu vervollständigen, um wie Helium auszusehen. Dazu benötigt es einen Partner mit einem Elektron und das ist nun einmal der Wasserstoff selbst. Wasserstoff ist ein Energieträger, wird also eingesetzt, um andere Energieformen in für uns besser nutzbare Formen wie elektrische Energie umzuwandeln. Vereinfacht könnte diese Eigenschaft als Energieträger auf einen hohen Brennwert der Cupcakes angewandt werden. Damit kann ich mich also richtig mit Zucker, Fetten und sonstigen leckeren, aber kalorienreichen Erlebnissen austoben. Allerdings ist diese Eigenschaft für Cupcakes im Allgemeinen alles andere als selten.

Wasserstoff in weiteren Verbindungen ist vielleicht mehr oder weniger direkt nutzbar, wenn ich etwas Flüssiges hinzugeben möchte. So gut wie alle Flüssigkeiten in der Küche sind wässrige Lösungen. Milch ist eine wässrige Lösung, auch Sahne enthält Wasser. Potentieller Himbeersaft? Wässrige Lösung. Wasserstoffperoxid wäre nicht so gesundheitsförderlich, Ammoniak als weitere Wasserstoffverbindung auch nicht. An der Stelle sei mir ein schlechter Witz erlaubt: "A person goes to a bar: "I want some H\(_2\)O!" Another person says "I want some H\(_2\)O too!" The second person dies." Ich habe keine Ambitionen, mit meinen Backkünsten jemanden umzubringen, also bleiben wir bei wässrigen Lösungen und organischen Wasserstoffverbindungen.
Eine von sehr vielen organischen Wasserstoffverbindungen ist übrigens Zucker, als Glucose zu finden mit der Summenformel C\(_6\)H\(_{12}\)O\(_6\). Wir haben also im Vergleich sehr viel Wasserstoff.

Vanilla-Himbeer-Cupcakes
Zutaten

  • 300 g gefrorene Himbeeren
  • 50 mL Himbeer-Sirup
  • 1 mL Vanille-Extrakt
  • 50 g Vanille-Paste
  • 215 g Mehl
  • 100 g Zucker
  • 3 Eier Größe M (bei mir waren das 255 g Ei)
  • 200 g Butter
  • 5 g Backpulver
  • 120 g Frischkäse
  • 150 g Puderzucker

Zuerst werfe ich die gefrorenen Himbeeren, davon 250 g, die idealerweise schon ein bisschen angetaut sind, mit 20 mL Himbeer-Sirup, 1 mL Vanille-Extrakt und 30 g Vanille-Paste (das sind laut Packungsangabe 6 Vanille-Schoten, ups) in einen Mixer. Nachdem das eine coole Smoothie-Eis-Konsistenz hat, werfe ich es mit 215 g Mehl, 100 g Zucker, 3 Eiern, 100 g Butter und 5 g Backpulver (könnte übrigens etwas wenig sein, mehr geht also auch) zusammen und vermische es. Das ist mir noch zu fest, also gebe ich weitere 30 mL Himbeer-Sirup hinzu. Nachdem das alles eine passende Konsistenz hat, gebe ich es für 20 Minuten bei 200 °C in den leicht vorgeheizten Ofen, also wird es wohl eine Temperaturkurve sein und nicht konstant 200 °C. Die benötigte Temperatur ist sowieso abhängig von Form und Größe der Cupcakes und daher Temperatur und Zeit nur ein grober Richtwert.
Nach diesem Auskühlen folgt die Zubereitung des Toppings. Dafür werfe ich 100 g Butter, 120 g Frischkäse, 150 g Puderzucker und den Rest der Vanille-Paste, also 20 g, zusammen, vermische es und dann ist das Topping schon durch. Danach werfe ich die restlichen Himbeeren auf die Cupcakes als essbare Deko drauf. Das sieht dann so aus.

Wasserstoffcupcakes

Tatsächlich ist das jetzt ein wenig himbeerfarbener geworden als gewollt, insbesondere innen drin. Allerdings ist es sehr vanillig geworden, denn irgendwie hat das ganze die Kraft und den Geschmack von 10 Vanilleschotten. Aber es ist lecker!

Die weiteren Beiträge dieser kleinen, aber langen Reihe werden mehr oder weniger regelmäßi erscheinen. Es kommt ganz darauf an, wie ich gerade zum Backen komme. Das hier wird also eine längere Sache, sowohl für mich als auch für meine Cupcake-Esser.

Mär 25, 2019

Mein Beitrag zu Save The Internet in München

Am Wochenende, genau genommen am Samstag, waren etwa 200000 Menschen alleine in Deutschland auf der Straße, um gegen die geplante Urheberrechtsreform der EU zu demonstrieren. Die Abstimmung dazu ist übrigens am Dienstag, also noch können wir den Tag nutzen, um Druck auf unsere Abgeordneten auszuüben, gegen die Reform zu stimmen. Ich selbst durfte mich am Samstag als Rednerin für die Jungen Piraten beteiligen. Danke nochmal, dass mir das möglich gemacht wurde, ich zittere immer noch ein bisschen, wenn ich daran denke, vor der größten Demonstration in Deutschland vor 50000 Menschen gesprochen zu haben. Ihr seid alle großartig!
Ich möchte diesen Beitrag hier auch aus Transparenzgründen schreiben, denn ich möchte hier rekonstruieren und festhalten, was ich auf der Bühne gesagt habe. Ich habe mir das zwar im Voraus überlegt, aber ich habe keine Rede eins zu eins auswendig gelernt und runter gesprochen, ich habe nämlich die Neigung dazu, wenn ich etwas "vorlese", das viel zu schnell runterzubrechen.

Also, dann mal auf zu meinem Beitrag. Gefunden habe ich dies übrigens in diesem Video https://www.youtube.com/watch?v=A0aPtukvu5U (so ab 1:57:30, ich habe es mal ohne time stemp verlinkt, weil diese Demonstration wesentlich mehr war als mein Redebeitrag) Die Frage, die an mich gestellt wurde, lautet: "Das Internet soll durch die Urheberrichtslinie angepasst werden und nicht die Urheberrechtsrichtlinie an die Kultur des Internets. Was macht die Politik in Digitalthemen falsch und wie würdest du es anders machen?"
Meine Antwort dazu war folgendermaßen:

Die Politik macht leider viel zu viel in Digitalthemen falsch. Erstmal die Besetzung der Ämter von Axel Voss bis hin zu Katharina Barley, die im Koalitionsvertrag stehen hat, dass sie gegen Uploadfilter stimmt und letztlich dafür stimmt. Wir brauchen ein Urheberrecht das für die Nutzer und die Urheber ist. Nutzer und Urheber können nur zusammen gestalten. Und dementsprechend müssen die Urheber endlich nicht mehr von Verwertungsgesellschaften ausgebeutet werden. Und übrigens, auch die Nutzer profitieren davon, denn mehrere Studien belegen auch, dass sogenannte Raubkopien nicht zu schlechteren Verkaufszahlen führen. Dementsprechend braucht es ein neues Urheberrecht.
Aber es gibt natürlich noch mehr, zum Beispiel die Netzneutralität, was wieder besonders in der Urheberrechtsdebatte wichtig ist, denn alle Bits sind gleich. Dazu kommt, dass wir unbedingt weiterhin Medienbildung im Netz brauchen, auch für Erwachsene, damit Axel Voss nicht mehr solche sinnlosen Vorschläge einbringen muss.
Wir brauchen Gigabit-Strategien für Europa und stabiles Mobilfunknetz. Ich bin hier von Regensburg her gefahren und hatte kaum Internet, das geht echt nicht.
Aber das Wichtigste ist, dass wir unsere Freiheit im Netz verteidigen. Ich möchte hier nicht noch ein paar Mal stehen, weil wir Angst haben, dass unsere Freiheit im Netz eingeschränkt wird. Ich möchte, dass Axel Voss, CDU, CSU Angst haben, nicht mehr in dieses Parlament einzuziehen, weil sie zu wenig Stimmen haben. Danke schön!

Mir ist bewusst, dass ich nur einen kleinen Ausschnitt von dem ansprechen konnte, was in der Netzpolitik falsch läuft. Die zwei Minuten Redezeit habe ich ziemlich genau getroffen. Viel mehr wäre da tatsächlich nicht drin gewesen, obwohl mir bewusst ist, dass das ein Thema ist, über das ich stundenlang reden könnte. Die Urheberrechtsreform ist ja schon ein Thema für Stunden und dort habe ich manche Themen wie Uploadfilter letztlich bewusst ausgeklammert, weil ich mir sicher war, dass dazu sowieso schon jeder was sagt. Abgesehen davon ist meine Frage so weitreichend gewesen, ich wollte dann doch neue Vorschläge bringen. Meine Notizen hatten noch ein paar mehr Themen, die ich hier zumindest noch ein wenig anreißen kann:

  • Uploadfilter und Zensurinfrastruktur in der aktuellen Version der Urheberrechtsreform
  • Uploadfilter als Instrument der Monopolbildung, Programmierung primär von Großkonzernen wie Google oder Facebook, die dann von "allen" benutzt werden
  • Verbot von Uploadfiltern
  • Netzneutralität gesetzlich verankert
  • Gigabit für jeden
  • Keine anlasslose und pauschale Speicherung von Kommunikationsdaten
  • Keine Angriffe gegen "Darknet-Infrastruktur" wie der Bundesrat es vor kurzem auf den Weg gebracht hat, stattdessen Unterstützung beispielsweise des Tor-Projektes
  • Unterstützung von Freifunk
  • Exportkontrollen für Überwachungs- und Zensurtechnologie
  • Unterstützung von Open Source-Projekten
  • Mehr Open Source im Verwaltungsbereich
  • Open Data: Daten, die zur öffentlichen Nutzung erzeigt wurden, unabhängig von ihrer Herkunft der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung vorzustellen
  • Keine Pflicht, bürgerlichen Namen statt Nicknames anzugeben
  • Verschlüsselte Kommunikation mit Behörden/Bürgerämtern zur Verfügung stellen
  • Pflichtfach Informatik an Schulen
  • Verfügbarkeit von altersgerechter Medienbildung von jung bis alt
  • Recht auf Privatsphäre und Anonymität

Die Liste ist nicht vollständig, da hätte ich noch durchaus mehr finden können, nur um mal einen Eindruck zu verschaffen, was so möglicherweise in der Netzpolitik aktuell falsch laufen könnte. Wie ich schon in meiner Rede sagte, das Wichtigste ist es in meinen Augen, die Freiheit im Netz zu verteidigen. Wird der Vorschlag zur Urheberrechtsreform abgelehnt, dann ist das natürlich großartig. Bedauerlicherweise wird das freie Netz aber immer wieder durch irgendwelche merkwürdigen Gesetzesvorhaben attackiert. Ja, wir werden einen langen Atem brauchen. Aber lasst uns nicht aufhören, unsere Freiheit zu verteidigen.

Mär 22, 2019

Was kann im Chemiestudium schief gehen? - Warum ich zum kommenden Wintersemester das Studienfach wechsle

Wie der Titel erkennen lässt, ist der Anlass dieses Beitrags etwas unschöner als sonst. Dementsprechend wird dieser Beitrag länger und für mich vergleichsweise hart zu schreiben. Diejenigen, die mich vielleicht schon vor der Zeit dieses Blogs verfolgen, haben jetzt vermutlich einige Fragezeichen im Kopf, kombiniert mit einem "Wie, warum, weshalb?", abgesehen von denjenigen, die das vielleicht schon etwas länger wissen und persönlich von mir davon gehört haben und mit denen ich vielleicht auch schon ausführlicher geredet habe. Es wird ein wenig emotional werdend und für manche vielleicht sogar triggend. Das Folgende ist übrigens auch meine subjektive Sicht der Dinge, auch, wenn einiges davon sicherlich verallgemeinbar ist wie die simple Aussage, dass ein Chemiestudium hart ist. Ich möchte heute ein wenig von meinem Weg im Chemiestudium erzählen, der mich in eine Sackgasse gebracht habe, von der aus ich handeln muss.

Anfangen möchte ich mit einer Aussage, die ich in einem Praktikumsversuch von unserer sehr lieben Assistentin, die uns eigentlich für dieses Studium wieder ein bisschen motivieren wollte, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben und den Spaß an der Chemie zu behalten. Allerdings fiel in diesem Gespräch auch der Satz "Fast jeder, der hier einen Bachelor (in Regelstudienzeit) macht, hat ne halbe Depression, wenn nicht sogar eine Ganze."
Das hat reingehauen. Das war zu einem Zeitpunkt im Semester, an dem ich sowieso gerade aus einem anstrengenden Praktikum ins nächste, unorganisierte Praktikum kam. Gleichzeitig war das schon vergleichsweise nah an der Klausurenphase, vor der ich seit meinen ersten Klausuren Versagensangst habe. Aus Angst lernen, ein Konzept, das ich an der Universität kennenlernte. Meine Mutter hat mich eigenlich bis zu meinem Abitur immer als "Kind, das gerne lernt" beschrieben.

Aber gehen wir vielleicht zum Anfang meines Studiums. Meine Motivation dafür möchte ich hier eigentlich gar nicht länger erläutern, das wäre ein Thema für einen eigenen Beitrag. Glücklicherweise bin ich nämlich nicht an dem Punkt gelandet, an dem ich nie wieder etwas mit Chemie zu tun haben will. Aktuell möchte ich nur raus aus diesem Studium. Chemie ist eine tolle Naturwissenschaft. Mit dem Gefühl bin ich übrigens auch ins Studium gestartet und gerade in der allgemeinen Chemie hatte ich das Gefühl, gut mitzukommen und ein paar Dinge auch schon in der Schule gehört zu haben. Dazu muss man sagen, ich hatte nie wirkliche Probleme in der Schule und habe für mein Abitur zwar gelernt und habe auch einen Schnitt hingelegt, der mir sicherlich dabei helfen wird, in ein Studienfach reinzukommen, das ich künftig machen möchte, allerdings fühlt es sich so an, als hätte ich für jede einzelne Klausur mehr gemacht als für meine fünf Prüfungen im Abi. Meine Versagensangst hatte ich nicht das erste Mal in einer Klausur, sondern in meinem ersten Praktikum. Rückblickend betrachtet war das alles halb so wild, aber gerade frisch in der zweiten Semesterhälfte ins Labor gekommen will niemand etwas falsch machen. Immerhin ist das Labor ja der Arbeitsort eines Chemikers (kurze Anmerkung, dieses Bild des Arbeitsplatz eines Chemikers stimmt nur bedingt) und dort jetzt schon etwas falsch machen war dramatisch. Es entsteht Druck, gerade im Vergleich mit den Kommilitonen. Denn es ist ja bereits schon am Anfang bekannt, wie wenig von all jenen, die das Studium beginnen, dann überhaupt den Bachelor-Abschluss schaffen. Ein frühes Hintendranhängen kann fatal sein.
Ein fehlgeschlagener Versuch bedeutete übrigens, diesen Versuch nochmal machen zu müssen, was schon in Ordnung ist. Aber gerade dadurch, dass das Praktikum teilweise bis in die erste Klausur gereicht hat, konnte ich kaum einschätzen, wie viel Aufwand genau diese eine, die erste Klausur war. Vielleicht bin ich unter anderem deswegen durchgefallen. Es ist ja auch nicht so, dass ich das Semester über gefaulenzt habe. Übungsblätter waren an der Tagesordnung und waren ja sogar für die Klausurzulassung notwendig. Vielleicht habe ich mir mehr Freizeit rausgenommen, als mir zugestanden hat. Ironischerweise fühlt sich das genauso rückblickend für jedes Semester an. Obwohl ich weiß, was ich getan habe, obwohl ich es schwarz auf weiß nachschauen kann, habe ich das permanente Gefühl, einfach zu wenig gemacht und mich nicht genug aufgeopfert zu haben.

Die darauffolgende, vorlesungsfreie Zeit war zwar vorlesungsfrei, aber nicht arbeitsfrei, denn wir hatten ein Praktikum. Die erste, fehlgeschlagene Klausur hatte ich mittlerweile bestanden, die Zweite stand noch aus. Soweit ich das in Erinnerung habe, hat der Physik-Dozent die Klausur aber nicht unglaublich schwierig gestellt, weil wir wegen des Praktikums sowieso kaum Zeit zum Lernen hatten. Rückblickend betrachtet war er einer der motiviertesten und kompetentesten Dozenten, die ich bisher erlebt habe. Es war ja nicht alles am Chemiestudium schlecht. Jedenfalls war das darauffolgende Praktikum nochmal nervenzerrend.
Eventuell hat der ein oder andere schon einmal den Begriff "Ionenlotto" gehört. Das wäre auch eigentlich schon wieder einen ganzen, eigenen Beitrag wert. Kurz gesagt ist das eines der giftigsten Praktika im ganzen Studium. Dort begegneten wir Chemikalien wie Arsenik, diversen Quecksilberverbindungen wie Quecksilbernitrat, Bleiacetat, Schwefelwasserstoff, Kaliumcyanid, solche Kandidaten. Es ist also ein Praktikum, das über drei Wochen, von morgens bis abends, quasi die gesamte Konzentration fordert. Ach ja, Handschuhe wurden durch die Praktikumsassitenten (das sind Masteranden oder Doktoranden, die uns dabei beaufsichtigen) gewissermaßen verboten. Das würde ich heute auch nicht mehr mitmachen. Ich finde es ehrlich gesagt mehr als nur unverantwortlich, das auch noch mit der Begründung "Damit ihr lernt, mit Giftstoffen vorsichtig umzugehen" zu rechtfertigen, denn vermutlich werden die Meisten von uns in ihrer chemischen Karriere kaum mehr mit solchen giftigen Stoffen arbeiten. Ich fahre ja auch nicht ohne Sicherheitsgurt Auto, damit ich lerne, mit dem Gaspedal vorsichtig umzugehen. Jedenfalls empfand ich dieses Praktikum als sehr kräfteraubend. Es gab einen verzweifelten Abend von meinen Kommilitonen und mir, an dem wir abends nach Praktikumsende zu der WG von einem von uns gegangen sind und vorher noch einkaufen waren. Unser Einkauf bestand aus sieben Tafeln Schokolade, Pesto und zwei Flaschen Cider, was ziemlich gut unsere Stimmung widerspiegelte. Also, versteht mich nicht falsch, all diese Reaktionen sind schon cool, es ist nur anstrengend.

Dann kam auch schon das zweite Semester und damit eine Disziplin, die mir besonders Schwierigkeiten bereiten sollte: Organische Chemie. Ja, ich habe versucht, seit Beginn des Semester mitzulernen und habe mir dieses Mal weniger Freizeit gegönnt als vorher. Ich konnte nicht schon wieder irgendwo durchfallen. Long story short: Ich fiel in zwei Prüfungen durch, Mathe und organische Chemie. Mathe finde ich nach wie vor sehr enttäuschend und ist der Grund, warum ich mir wahrscheinlich nochmal die Mathe-Vorlesung geben werde. Allerdings machte ich mir gerade in der Organik unglaublich viel Druck. In der Vorlesungszeit hatten wir zwar ein Tutorium, bei diesem war ich allerdings erst einmal ein wenig hinten dran. Es hat etwa Mitte des Semester angefangen und ich bin hingegangen, allerdngs in der Gruppe gelandet, in der die Dozentin wollte, dass wir alle reihum unsere Lösungen vorstellen. Ein "Ich habe das nicht", unter Umständen, weil ich gerade einmal froh war, den ersten Schritt der Reaktion hinzubekommen, galt nicht. Da war nochmal die Angst, zu versagen und nichts zu können unglaublich präsent. Etwa ab diesem Zeitpunkt zieht sich das konstant durch den Rest des ganzen Studiums, denn hier habe ich wirklich verstanden, wie langsam ich im Vergleich bin und ehrlich gesagt macht das psychisch fertig. Ich habe mich für Wochen tagelang nur mit Organik beschäftigt, abgesehen von dem, was ich im Semester selbst schon getan habe, und es hat einfach nicht geklappt. Ich habe einen Punkt erreicht, an dem ich Klausuren nicht einfach nur noch mit Lernen bestehe, sondern indem ich einen noch größeren Teil meiner Freizeit opfern muss.
In der Organik landete ich dann schließlich im Drittversuch. Das ist der Versuch, der Studierende von einer Exmatrikulation trennt. Diesen hatte ich übrigens bis heute nicht. Meine Studienordnung sieht einen mündlichen Drittversuch für das ganze Modul vor, um diesen Drittversuch absolvieren zu können, muss ich alle Teilprüfungen bestanden oder zweimal nicht bestanden haben. In dem Fall ist in diesem Modul noch Organische Chemie - Reaktionsmechanismus und Anorganische Chemie - Hauptgruppen und Komplexe mit drin. Gerüchteweise kann man sich bei einem Drittversuch in zwei dieser drei Prüfungen auch direkt die Exmatrikulation abholen.

Für das dritte Semester wollte ich erste Konsequenzen ziehen. Ich wollte nicht meine Freizeit aufgeben und nur noch Chemie machen. Das ist nicht, wer ich bin, ich wollte noch so was wie Hobbies, die mittlerweile langsam wieder in meinem Leben auftauchen. Es ist total krass, morgens im Bett zu liegen und sich aussuchen zu können, was man an diesem Tag tut, dabei alle Zeit der Welt hat. Ich wollte wieder richtig Zeit haben, mich mit meinen Freunden zu treffen und nicht nur Menschen mal kurz zu sehen, weil ich sie gerade in meinen Terminkalender quetschen konnte. Also entschied ich mich dazu, die Regelstudienzeit in Absprache mit Studiengangskoordination zu ignorieren und in acht statt in sechs Semestern zu studieren. Sieben fällt weg, alle Veranstaltungen an meiner Universität werden nur jährlich angeboten. Das passiert tatsächlich gar nicht so selten, dass in der Chemie mal länger gebraucht wird. Ich entschied mich letztlich dazu, die Praktika in der Analytik und in der physikalischen Chemie mitzumachen und mir die Vorlesung in Anorganik und Organik zu geben. Anfangs war noch Thermodynamik und Elektrochemie dabei, mich hat allerdings das Praktikum so überfahren, dass ich das gestrichen habe. Daneben wollte ich noch einen Python-Kurs machen.
Trotz meines abgespeckten Stundenplans war es noch immer viel. Ich habe teilweise viel Zeit mit meinen Protokollen verbracht, mir aber auch einen Teil an Freizeit gegönnt. Allerdings ging Freizeit zunehmend mit schlechtem Gewissen einher. Das Semester über habe ich versucht, soweit mitzulernen wie es geht, aber irgendwann hatte ich dann die Wahl zwischen Schlaf und Studium. Ich habe tatsächlich immer mal wieder versucht, mir den Luxus zu gönnen, acht Stunden Schlaf zu bekommen. Manchmal habe ich sogar versucht, mir einen Tag frei zu nehmen und mal nichts für mein Studium zu tun. Das hat das schlechte Gewissen natürlich befeuert. In der physikalischen Chemie gab es dann noch... nennen wir es einfach mal organisatorische Schwierigkeiten, die mich mitgenommen haben. Stress war immer präsent. Weitere organisatorische Schwierigkeiten folgten im Analytik-Praktikum, das ich fast hätte alleine machen müssen und so nur die Hälfte der Versuche alleine hatte. Wir reden hier übrigens von einem Praktikum, das darauf zugeschnitten ist, dass zwei Studierende es zusammen und gleichzeitig machen. Darüber hinaus hatte ich noch einen gewissen Anteil an Organisation, wann ich jetzt welche Versuche überhaupt mache, was sonst auch nicht dazu gehört. Es kam viel zusammen.
Es kam so viel zusammen, dass meine Mutter beim Besuch meiner Eltern in Regensburg mir im Nachhinein erzählte, dass ich extrem gestresst und angespannt wirkte. Tatsächlich sah meine Wohnung zu der Zeit auch ziemlich chaotisch aus. Ich war nicht so oft zuhause, oftmals nur zum Schlafen, und wollte nicht meine Freizeit auch noch damit verbringen, mir privat mehr Stress zu machen. Ich hatte weder Zeit für Sport, noch für meine Ernährung. Seit Beginn des Studiums habe ich konstant an Masse gewonnen.
Übrigens war der Level an Stress für meine Kommilitonen, die das ganze Studium in Regelstudienzeit machen, nicht besser, sondern schlechter, sodass ich teilweise mit fiebrigen Kommilitonen im Labor stand, die im Nachhinein kaum noch wussten, was wir eigentlich gemacht haben. Dieses Studium hat keinem von uns wirklich Zeit gelassen, so etwas wie krank zu sein, geschweige denn uns auszukurieren. Natürlich können wir dann zuhause bleiben. Aber das bedeutet einen Nachholversuch und Nachholversuch bedeutet weniger Zeit für alles andere.
Richtung Klausurenphase, also Ende November, also eigentlich sechste Semesterwoche, geht es dann auch langsam noch stärker los mit Lernen für die Klausuren, also soweit das mit Protokollen vereinbar ist. Ich habe versucht, so viel zu lernen wie es geht und ehrlich gesagt habe ich wieder angefangen, meine Freizeit einzuschränken. Ich wollte nicht faulenzen. Denn genau genommen hat alles, was ich während der Vorlesungszeit gemacht habe, sich genauso angefühlt, obwohl ich eigentlich immer irgendwie gestresst war. Zu Weihnachten hatte ich dann zwar noch Protokolle zu schreiben, allerdings habe ich das in die erste Woche des neuen Jahres geschoben und wollte die Zeit um Weihnachten intensiver zum Lernen für die Klausuren nutzen. Das hat soweit auch geklappt, dann kam der 35c3. Dazu habe ich mir eine kurze Pause verordnet, weil ich das Event nicht damit verbringen wollte, in einer Ecke zu sitzen und zu lernen. Am 1.1. war ich dann krank und zugleich vollkommen im Stress. Ich hatte einen richtig fiesen Infekt, den ich mir zeitlich absolut nicht leisten konnte. Ich kam kaum aus dem Bett raus, etwas, was ich von mir absolut nicht gewohnt bin. Glücklicherweise hat mein Partner für diese Versuche einiges übernommen, wofür ich ihm sehr dankbar bin, aber das hat mir gezeigt, dass ich nicht nur mein Recht auf Freizeit mit der Immatrikulation abgegeben habe, sondern auch mein Recht auf Kranksein.
Meine Reaktion in diesem Moment war nicht laut "Fuck this shit, I'm out!" zu schreien, sondern... mich schlecht zu fühlen. Ich war ja selbst an meiner Lage Schuld. Ich habe mich da ja selbst rein gebracht, indem ich Lernen für wichtiger hielt als Protokolle zu schreiben. Klar, damit, dass ich so krank werde, habe ich kaum rechnen können. Zudem ist krank sein ja auch nicht faulenzen. Das wurde übrigens die Woche danach nur ein wenig besser und so schleppte ich mich krank in eine Woche mit drei Versuchen. Mir ist es übrigens kaum gelungen, das wirklich auszukurieren.
An diesem Punkt wollte ich eigentlich gerade weiter schreiben, wie der Rest des Januars war, aber ehrlich gesagt erinnere ich mich da nur noch an so drei Termine, an denen ich noch genau weiß, was ich außer lernen so gemacht habe. Für meine Kommilitonen war das nicht gerade besser. Es gab natürlich Gerüchte zu diversen Klausuren. Regulär in Regelstudienzeit wären es fünf gewesen. Über eine dieser gab es solche motivierenden Erzählungen aus Jahren davor, dass dort so 14, 15 Leute durchgefallen sind, was passieren kann. Den Zweitversuch haben dann zwei bestanden, der Rest ist im Drittversuch gelandet. Davon hat einer bestanden. Zu der einen Klausur, die ich letztlich mitgeschrieben habe, hat der Dozent lediglich gesagt, dass der Erstversuch bestehbar ist. Für den Zweitversuch habe man ja schließlich mehr Zeit zum Lernen. Meine Vorbereitungszeit für diese Klausur, zu der ich mich mehr oder weniger intensiv damit beschäftigt habe? Drei Monate.
Etwa zu der Zeit habe ich dann endgültig gemerkt, dass was für mich nicht stimmt. Ich kann nicht nur lernen, lernen, lernen, ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich krank bin oder mir gar Freizeit oder Hobbies erlaube und im Gegenzug das Gefühl erhalten, nichs zu können.

Etwa zwei Wochen vor der ersten (und einzigen, wie ich später beschlossen habe) Klausur hatte ich so viel Angst davor, so viel Angst zu versagen, dass ich unter Tränen hyperventilierend in der Küche von Freunden stand, meine erste Panikattacke wegen einer Klausur. Netterweise wurde mir erklärt, wie kompentent die psychologische Beratung an der Uni ist und dass man gerade bei solchen Fällen auch schnell einen Termin bekommt. Aber ich wollte nicht in die Situation kommen, ernsthaft psychologische Beratung zu brauchen. Versteht mich nicht falsch, es ist großartig, dass es so etwas gibt. Aber ich wollte nicht an diesen Punkt gelangen, an dem ich aufgrund meines Studiums so fertig bin. Ein Besuch der psychologischen Beratung würde aber genau das eingestehen, dachte ich mir.
Gleichzeitig war das zeitlich auch der Moment, an dem ich Probleme damit hatte, einen Moment zu finden, meinen Eltern von diesen Problemen zu erzählen. Ich wollte sie einfach nicht enttäuschen. Gleichzeitig wollte ich es ihnen eigentlich persönlich sagen, hatte aber sowieso die Sorge, wegen potentiellen Zweitversuchen gar nicht mehr in der vorlesungsfreien Zeit nach Hause zu kommen. Ein Freund drückte das mit "Du hast also zu viel Stress, um deinen Eltern zu sagen, dass du zu viel Stress im Studium hast. Merkste selber?" aus. Tatsächlich habe ich es meiner Mutter dann per Facetime gesagt (ein Hoch auf die Digitalisierung!) und sie hat erstmal gut mit mir geweint, weil ich ja eigentlich immer so viel Spaß an der Chemie hatte. Aber letztlich sind meine Eltern coole Socken, die mir daraus keinen Vorwurf machen.

Und jetzt? Jetzt will ich daran arbeiten, wieder so was wie Hobbies aufzunehmen. Gleichzeitig will ich wieder etwas finden, was ich kann. Denn ja, dieses Studium hat nicht nur auf diesen Punkt gehauen, sondern mit einem Presslufthammer rein getroffen. Das wird mich noch eine Weile begleiten. Ich mochte es ja noch nie, diesen Eindruck des Nichtskönnens zu erwecken, aber jetzt kommt da noch eine Portion mehr Ungeduld und Selbstzweifel dazu. Das heißt, dass ich unglaublich emotional und sensibel reagieren kann, wenn ich irgendwas nicht auf den ersten Versuch schaffe, was ja vollkommen in Ordnung ist, eigentlich. Bei mir ruft das mittlerweile das Gefühl hervor, unglaublich schlecht in allem zu sein und nie wieder etwas zu finden, was ich kann. Damit kann ich mal besser, mal schlechter umgehen. Was ich sonst noch mitnehme, ist schon ein gewisses Wissen. Ich habe ja nicht nichts gemacht. Dieses Wissen kann ich natürlich weiter erklären und teilen. Es war ja nicht alles schlecht.

Ich hoffe übrigens, dass das tatsächlich besser so für mich ist. Ich habe meinen Spaß an der Chemie nicht völlig verloren, zum Glück! Ich glaube an einem Punkt zu sein, an dem ich durchaus wieder das Verhältnis zu mir selbst herstellen kann, in dem ich etwas kann. Wenn ich nach eineinhalb von elf bis zwölf Jahren bis zum Doktor, den ja etwa 85 Prozent in der Chemie machen, der Meinung bin, dass ich dieses Studienfach nicht wieder anfangen würde mit dem Wissen, das ich jetzt habe, ist es nicht zu spät zum Wechseln. Ich meine, ich bin ja gerade mal 20 Jahre alt, noch kann ich Fehler machen, ohne mich dann zum Studienabschluss zu alt zu fühlen.
In die Richtung geht vermutlich auch die Frage, die das alles hier aufwirft: Und jetzt? Jetzt werde ich ein Semester (fast) alles machen wie ich es möchte. Ich habe ein ganzes Vorlesungsverzeichnis an Möglichkeiten und habe die Gelegenheit, in alles reinzuschauen, was mich interessiert. Allerdings habe ich zumindest ein grobes Gefühl, in welche Richtung es gehen könnte und habe auch schon einen groben Stundenplan. Dazu folgt dann vermutlich noch ein Beitrag. Ich wollte diesen Beitrag hier jedoch zuerst geschrieben haben. Es geht mir nahe und nachdem ich so viel über mein Studium geschrieben habe, wollte ich nicht einfach so aufhören, sondern irgendeine Form der Erklärung liefern. Ich habe das Gefühl, das nicht kürzer machen zu können, denn ich möchte ja auch meine Erfahrungen teilen.
Was bedeutet das eigentlch für Guacamol? Erstmal sehr wenig, denn ich verliere ja nicht sämtliches chemisches Wissen mit diesem Entschluss. Chemie als Hobby, die Möglichkeit, dieses Thema von mir wegzuschieben, wenn ich gerade die Lust habe, hört sich nur deutlich beruhigender an als mich damit so lange zu beschäftigen, bis ich nichts anderes mehr kenne.

So, ein langer Text, für einen Blogbeitrag ungewöhnlich lang. Ich bleibe dabei, mich darum zu kümmern, dass es mir langfristig besser geht. Und für den Rest habe ich zumindest einen groben Plan. Wir schreiben uns. Oder eher ich schreibe hier.

Mär 19, 2019

Laptop und LaTeX im Studium

Mitschreiben, Folien vor meiner Nase und nicht auf einem Projektor haben, schnell irgendetwas nachschauen oder etwas für später kurz suchen und markieren, jemandem eine Nachricht schreiben, etwas berechnen, ohne einen Taschenrechner zu suchen, etwas auswerten... Ich nutze meinen Laptop im Studium, insbesondere Vorlesungen gerne und oft. Ehrlich gesagt glaubte ich nicht, dass das etwas arg Ungewöhnliches ist und doch bin ich regelmäßig in Vorlesungen, in denen ich damit in der Minderheit bin. Die Vorlesungen, in denen ich für gewöhnlich bin, sind Vorlesungen in der Chemie und hier wird relativ viel per Hand mitgeschrieben. Generell sind Laptops hier relativ selten in Vorlesungen selbst zu sehen. Genau deswegen möchte ich ein wenig darüber schreiben, warum ich das tue und warum dieses System für mich funktioniert. Gleichzeitig möchte ich ein paar Worte über LaTeX verlieren, ein System, mit dem ich mittlerweile ganz gut klar komme.

Doch fangen wir erst einmal am Anfang an. Wieso schreibe ich an meinem Laptop mit, wenn es doch irgendwo von Hand schneller gehen könnte? Meine Handschrift ist rein subjektiv nicht die Schönste und ich schreibe seit meiner frühen Jugend Texte an Computern. Irgendwann habe ich mein eigenes Tippsystem so optimiert, dass ich an die 100 Wörter pro Minute komme, was aber relativ schnell ermüdend ist und insgesamt dann etwas weniger, aber immer noch schnell ist. Dasselbe von Hand hinzubekommen ist für mich sportlich, insbesondere, wenn ich das noch lesen können soll. Wenn ich was mit einer Tastatur tippe, klar, dann können da Buchstabenverdreher drin sein oder ich tippe auf einen Buchstaben, der auf der Tastatur daneben liegt. Aber ich kann deutlich häufiger entziffern, was das bedeuten soll.
Um kurz etwas auszuschweifen, das ist einer der Punkte, an denen ich viele Dozenten nicht verstehe, die nur etwas an der Tafel anschreiben, das aber nicht in digitaler Form zur Verfügung stellen. Handschrift ist nicht immer schön und führt gerne zu Ablesefehlern. Abgesehen davon sind solche digitalen Medien im Vergleich zu Tafelanschriften ein Schritt zu mehr Barrierefreiheit. Menschen mit schlechter Sehkraft (trotz Brille) sind hier häufig auf Kommilitonen angewiesen, weil sie Probleme damit haben, genau zu lesen, was an der Tafel steht. In Vorlesungen, in denen man sowieso mitdenken will, ist das nur zusätzlich belastend, krampfhaft zu verstehen, was eigentlich an der Tafel steht.
Zurück zu meiner Mitschrift: Ich bin nicht gut darin, meine Mitschriften so zu sortieren, dass ich immer weiß, wo ich sie finde. Tatsächlich habe ich die meiste Zeit in der Schule die Blätter eingeheftet, chronologisch. Je nach Masse war es da gar nicht so einfach, ein bestimmtes Thema zu finden. Mittlerweile suche ich mir den jeweiligen Ordner raus und suche in einem spezifischen Dokument nach dem, was ich wissen will. So trivial wie das alles hier erscheint, das tut es durchaus auch für mich, es erleichtert mir im Vergleich zum klassischen Mitschreiben einiges.

Zu Beginn im ersten Semester habe ich noch einiges per Hand mitgeschrieben, einfach, weil ich da gerade in das Unileben reingekommen bin und nicht so ganz wusste, wie ich mathematische Ausdrücke in der Physik mitschreiben soll. In Mathe war das dank eines ausführlichen Skripts kein Problem. Abgesehen davon mussten wir im ersten Semester unsere Laborprotokolle auch noch von Hand schreiben. Das hat sich erst im dritten Semester geändert.
Im zweiten Semester hingegen habe ich mein System zum Mitschreiben. Ich habe angefangen, mich mit LaTeX zu befassen. LaTeX ist eine Vereinfachung von TeX, ein Textsatzsystem, womit vereinfacht gesagt jeder Text wunderschön aussehen kann. Für mich als jemand, der nie mit Word warm geworden ist, weil ich dank meines Vaters immer Open oder Libre Office hatte, war das ansprechend, zumal ich damit das Problem der mathematischen Formeln lösen konnte. Mit LaTeX ist das deutlich einfacher. Auch chemische Formeln sind damit machbar, Strukturformeln und Reaktionsmechansimen theoretisch auch, aber ich traue mir damit nicht zu, eine Vorlesung schnell genug mitzuschreiben. Das ist das Einzige, was mir in der Richtung noch fehlt.
Mir wurde der Tipp, mir LaTeX anzuschauen, schon relativ früh gegeben, bevor ich angefangen habe zu studieren. Im zweiten Semester hatte ich dann einen vergleichsweise holprigen Start mit LaTeX, weil ich mit vielem nicht wusste, wie es funktioniert und mich mit unglaublich unspezifischen Fehlermeldungen herum geschlagen habe. Zum Glück hatte ich da wunderbare Unterstützung. Die Lernkurve ist relativ steil. Die meisten Vorlagen von Dokumenten sind mehr als einmal verwendbar.

Im dritten Semester habe ich dann irgendwann angefangen, meinen Laptop mit ins Labor zu nehmen, was durchaus nicht frei von Risiken ist.
Es muss nur einmal irgendein Kolben umfallen, die Flüssigkeit darin über den Laptop laufen und im besten Fall war zufällig nur destilliertes Wasser drin. Die beiden Praktika im dritten Semeter waren vom Anteil an potentiell giftigen Stoffen, die ich nicht an meinem Laptop haben will, sehr gering. Der Bereich, in dem ich mich das allerdings nicht mehr getraut habe, ist der Bereich der Radioanalytik. Kontaminierter Laptop ist ein Probem, das ich unbedingt vermeiden wollte.
Ansonsten war es aber in Ordnung und ich habe immer einen Platz gefunden, an dem andere Computer bereits standen oder sehr wenig schief gehen konnte. Somit habe ich angefangen, schon im Labor Versuche zu protokollieren und auszuwerten. Zudem ist es einfach bequemer, sich im Labor nochmal das Skript am Laptop durchzulesen, statt zehn Seiten pro Versuch auszudrucken.
Mittlerweile habe ich aber für die Laborabenteuer ein älteres ThinkPad (X201, das alles hatte außer einen Akku, ist ein alter Laptop meines Vaters), dessen Ende durch darauf geschüttete Flüssigkeiten zwar traurig, aber verkraftbar wäre.

Das ist mittlerweile mein Work Around fürs Arbeiten an der Uni geworden und ich muss sagen, ich fühle mich damit relativ wohl. Es wird dadurch auch deutlich einfacher, Wissen mit anderen Menschen zu teilen. Das hier beschreibt einen wesentlichen Teil meiner Arbeitsweise und vielleicht entdeckt ja jemand darin noch was für sich selbst.

Mär 15, 2019

Mein erstes Mal Fridays For Future in Regensburg

Fridays For Future, Schulstreik für das Klima, Schüler, die dem Unterricht freitags fern bleiben, um für eine tagesakutelle Umweltpolitik zu demonstrieren, was immer wieder in verschiedenen Medien thematisiert wird, das ist gewissermaßen etwas für mich. Ich bin seit meiner frühsten Jugend politisch und hätte mir gewünscht, dass damals solch ein Antrag unter meinen Mitschülern für die ACTA-Proteste gegeben hätte wie es das jetzt für die Klimapolitik gibt. Ich finde es unterstützenswert, dass junge Menschen sich in diesem Rahmen politisch engagieren. Deswegen wird dieser Beitrag etwas politischer und ich schreibe ein wenig über meine eigene Erfahrung mit der Fridays For Future-Bewegung.

Dass junge Menschen, in diesem Fall besonders eine Person, Greta Thunberg, sich diesbezüglich engagieren, habe ich etwa zum Jahreswechsel wahrgenommen. Mehr oder weniger auffällig wurde es dann im Laufe des noch jungen Jahres, allerdings hatte ich da schlicht und ergreifend keine Zeit, selbst so einer Klimademonstration beizuwohnen. Ich bin zwar Studentin und habe kaum Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht (Laborpraktika fallen unter die Anwesenheitspflicht, was aber irgendwo logisch ist), aber freitags waren mir die Vorlesungen zu wichtig, um sie ausfallen zu lassen. Nacharbeiten ist da sowieso schwierig, weil dort Dozenten dabei sind, die zwar ihre Folien online stellen, aber das war's dann auch. Die Mitschrift bekommen Anwesende, die das von der Tafel abschreiben, Vorlesungsaufzeichnungen gibt es nicht. Dieses Thema gibt vermutlich genug für einen eigenen Blogbeitrag her.
Doch dann kam irgendwann die vorlesungsfreie Zeit. Der Teil davon, der nicht für das Lernen für Klausuren drauf geht, ist tatsächlich so was wie frei. So kam es, dass ich zum ersten Mal wirklich Zeit für Fridays For Future hatte und sich für mich die Frage stellte, ob ich diese Veranstaltung mit meiner Anwesenheit unterstützen möchte. Dabei habe ich mir darüber Gedanken gemacht, was genau ich tun kann, anwesend sein ist klar. Aber so eine Demonstration lebt nicht nur von Anwesenden, es braucht auch Ordner.
Ordner sind quasi diejenigen, die ein bisschen darauf schauen, dass der Demozug grob zusammenbleibt und darauf hinweist, Straßen freizuhalten. Es kann auch sein, dass bestimmte Auflagen durchgesetzt werden sollen, beispielsweise ein Alkoholverbot. Es ist ein bisschen wie die Engel bei Chaosveranstaltungen wie dem Congress. Tatsächlich ist "engeln" auch ein schöneres Wort als "ordnern". Jedenfalls müssen diese Ordner volljährig sein. Ich kann mir vorstellen, dass viele Schüler das gerne tun würden, aber schlicht zu jung sind. Insofern sehe ich es gewissermaßen als meine Art der Hilfestellung an, eben so diese Bewegung zu unterstützen. Hätte es in meiner Schulzeit solche Demonstrationen gegeben, ich wäre froh über volljährige Menschen gewesen, die das übernehmen. Daher bin ich das vielleicht irgendwo meinem früheren Ich schuldig.

Ich habe mit der lokalen Fridays For Future-Gruppe kommuniziert und gefragt, ob ich als Ordnerin helfen kann und so kam ich dann heute vor der Demonstration zu einer kleinen Einweisung. Bedauerlicherweise war es ein wenig regnerisch, was aber offenbar die wenigsten Schüler davon abgehalten hat zu demonstrieren. Es ist übrigens sehr spannend zu sehen, wie sich solch eine Demonstration formiert und immer mehr junge Menschen mit eigenen Schildern kommen. Im Übrigen waren Schüler nicht die einzigen Anwesenden. Ein paar der lokalen Parents For Future-Gruppe waren auch da. Besonders cool fand ich auch einen Lehrer, der sich aus einem Gespräch mit einer weiteren Ordnerin und mir mit den Worten "Ich muss mal kurz dahinten zu meinen Schülern!" verabschiedete.
Ehrlich gesagt, ich finde es extrem schade, wenn Schulen sich gegen diese Proteste stellen. Schon klar, es gibt eine Schulpflicht, aber die Drohnung mit Verweisen für ein paar Fehlstunden? Bitte was? Es geht hier um junge Menschen, die politisch engagiert sind. Die Meisten würden das vermutlich auch in ihrer Freizeit tun. Oh, warte, das tun sie, in Hamburg sind aktuell Ferien und trotzdem wurde sich an dieser großen, globalen Demonstration beteiligt. Dass der Streik auf die Schulzeit fällt, ist, damit es auffällt. Und wenn ich mal ganz ehrlich nach meiner eigenen Bequemlichkeit gehe, dann klingt bis um eins in der warmen Schule sitzen besser als zwei Stunden lang im Nassen und Kalten rumzulaufen. Gut, mittlerweile habe ich die Wahl zwischen einer warmen Wohnung beziehungsweise einem warmen Bett und einer nass-kalten Demonstration. Aber in meiner Schulzeit gab es diese Wahl ja noch nicht einmal. Daher bin ich ganz froh, dass ich vor zwei Wochen gesehen habe, dass in der Kleinstadt, der saarländischen Provinz, Fridays For Future-Demonstrationen stattfinden. Ich habe mich richtig gefreut, als mir eine Freundin geschrieben hat, dass sie sich extra dafür frei genommen hat.
Aber zurück nach Regensburg: Ich habe vor Ort erfahren, dass wir eine lange Route vor uns haben, vier Kilometer, durch die Altstadt, aber auch über die Nibelungenbrücke. Auf dieser Brücke ist vergleichsweise viel Verkehr. Demnach hatten wir als Ordner relativ wenig auf dem Weg in der Altstadt zu tun, als es dann aber auf die Straße ging, war das etwas schwieriger, darauf zu achten, dass jeder auf der richtigen Seite geht und sich nicht irgendwie doof in den bald wieder geöffneten Verkehr begibt. Die Gegenfahrbahn wurde nämlich kurz darauf auch wieder geöffnet. Aber gerade dadurch, dass es zu solchen Beeinträchtigungen kommt, fällt die Demonstration auch auf. Der RVV hat deswegen auch Verspätungen und Ausfälle von 10 bis 15 Uhr angekündigt.

Generell war die Demonstration aber unglaublich friedlich und geradezu idealistisch. Das ist aber gerade für junge, politische Menschen irgendwo ganz normal. Ich werde mal schauen, dass es mich vielleicht noch ein paar Mal zu Fridays For Future verschlägt. Ein wenig muss ich mich im Rest der vorlesungsfreien Zeit ja zwischen Regensburg und der saarländischen Provinz aufteilen.

Mär 11, 2019

Meine eigene Verkehrswende: Vom Landei zum Stadtbewohner

Fahrverbote, neue Mobilitätskonzepte, leistungsstarke Elektroautos, Erhöhung der Bahnpreise, der Wunsch nach niedrigeren Bahnpreisen und teureren Flugreisen, insbesondere Inlandsflügen, ist immer mal wieder in aller Munde. Aus diesem Grund möchte ich darüber schreiben, wie ich persönlich das Thema Verkehr erlebt habe, je nach Lebenssituation. Ich behaupte von mir, ein Verständnis für die Menschen zu haben, die nicht auf ihr Auto verzichten können, sei es ein Diesel oder Benziner, und die, die nahezu alle weiteren Verkehrsmittel nutzen können.

Aufgewachsen bin ich im nördlichen Saarland in einem Dorf mit 600 Seelen. Es hört sich genauso weit ab vom Schuss an wie es ist. Der Busverkehr reicht, um zumindest morgens zur Schule hin zu kommen und mittags teilweise ohne größere Zeitverluste zurück. Freunde mit dem Bus besuchen fahren, ins nächstgrößere Dorf fahren? Funktioniert nicht. Von einer Bahn konnte ich damals nur träumen, der nächste Bahnhof lag noch weiter weg als meine Schule.
Ähnlich ist es natürlich auch für meine Eltern, die beiden haben einen Job. Für meine Mutter hätte es vielleicht noch eher funktionieren können, mit dem Bus zur Arbeitsstelle zu kommen, allerdings das wieder mit einem Zeitverlust. Mit der Verantwortung für ein Kind allerdings, zu dem man im Notfall schnell fahren und es beispielsweise zum Arzt bringen kann, ist das ein nicht wirklich akzeptabler Zeitverlust. Gerade in meiner Jugend, als ich noch monatlich mit deutlich schmerzhafter ausgeprägten Menstruationskrämpfen zu tun hatte, wäre ein "Dann fahre ich halt mit meiner Mutter mit dem Bus nach Hause" mit einem deutlichen Zeitaufwand verbunden gewesen. Sie hätte erstmal irgendwie zu mir kommen müssen und ich dann mit dem Bus nach Hause. Mit zwei Bussen, die je nach Unterrichtsende zu mir nach Hause überhaupt ohne Umsteigen durchgefahren sind, schwierig. Ein Auto ist somit eine unbedingte Notwendingkeit. Abgesehen davon, später in meiner Schulzeit, mit steigener Jahrgangsstufe, hatte ich auch immer öfter am Nachmittag Unterricht. Nach Hause mit dem Bus? Nur mit Umsteigen. Was dann auch mal gerne über eine Stunde gedauert hat für eine Strecke, die mit dem Auto in 15 bis 20 Minuten möglich ist. Mein Vater hat es übrigens noch schlimmer, zu seinem Arbeitsplatz und zurück käme er so gut wie gar nicht mit Auto. Außer, er würde den ganzen Tag mit dem ÖPNV durch die Gegend fahren und käme nur noch zum Schlafen nach Hause. Ausflüge am Wochenende mit der Familie, Verwandtschaft besuchen, einen größeren Einkauf machen? Unmöglich ohne Auto.
Wenn solch ein Auto sowieso da ist, ist es übrigens auch bequemer, damit in Urlaub zu fahren. Die Bahnpreise lohnen sich dabei einfach nicht mehr.

Mit 16 machte ich dann den Mofaführerschein, aber nicht, um ein Mofa zu fahren, sondern ein Auto, das höchstens 45 Kilometer pro Stunde fahren kann, ein sogenanntes Leichtkraftfahrzeug. Das entlastete meine Eltern von meiner Fahrbereitschaft und erlaubte mir, zumindest schon mal erste Erfahrungen mit etwas Fahrbarem zu machen. Lustigerweise hat mich das Fahren eines Mofas wie in der Prüfung keineswegs auf dieses Auto vorbereitet, welch Überraschung!
Aber noch zum Auto selbst, wir stellten uns natürlich die Frage nach der Antriebsart. Für die doch nicht so ewig lange Strecke kam theoretisch auch ein Elektroauto in Frage. Allerdings waren zu dem Zeitpunkt diese Autos in gebraucht, Elektroantrieb und bezahlbar so gut zu finden wie Einhörner, nämlich gar nicht. Ein solches, neues Elektroauto kostet gerne mal 10000 Euro, ein Betrag, den meine Eltern logischerweise nicht dafür ausgeben wollten, sodass es letztlich ein gebrauchter Diesel wurde. Ja, ich bin selbst (ehemalige) Dieselfahrerin, einfach, weil es irgendwo notwendig war.
Mein Vater fährt noch bis heute Diesel, sein Auto habe ich mir mal für ein Festival geliehen. Es ist ein Familienwagen, darin kann man gut schlafen, wenn man die Rücksitzbank ausbaut. Auf einer einfachen Strecke von 350 Kilometern Spritkosten von 15 Euro zu haben, weil Diesel und weil sparsam gefahren, ist schon geil.
Irgendwann wurde ich dann 17 (begleitendes Fahren) bzw. 18 und wechselte auf einen (gebrauchten) Benziner. Die einzige Bedingung an dieses Auto von mir war: Es fährt. Ich meine, für eine Fahranfängerin braucht es keinen Neuwagen und ein Elektroauto war für den Preis auch nicht drin. Zudem behaupte ich mal, dass ein entsprechend großer Akku für weite Strecken, die ich dann irgendwann auch gefahren bin, den preislichen Rahmen viel zu sehr gesprengt hätte.
Unter anderem durch Parteiengagment kamen dann weite Strecken. Eine der weiteren Fahrten war beispielsweise nach Konstanz oder Kassel, aber auch "nur" nach Saarbrücken war da dabei und irgendwie habe ich in der Zeit einige tausende Kilometer gesammelt.

Geendet hat diese Zeit des vielen Fahrens dann, als ich von zuhause ausgezogen bin. Raus aus dem Dorf, rein in die Stadt, womit übrigens die weiteste, regelmäßige Strecke, die ich aktuell zurücklege, zwischen Regensburg und dem Saarland ist. Da mache ich für die Hin- und Rückfahrt schon die tausend Kilometer voll. Natürlich könnte ich diese Strecke auch mit der Bahn oder mit dem Bus fahren. Das tue ich aber oftmals nicht, weil ich da schon Wochen im Voraus buchen muss. Von heute für die nächsten Wochen sieht es preislich für die Hinfahrt so aus:

Bahnguru für die Sparpreise der nächsten Wochen

Dabei muss ich aber meistens schon irgendwann gegen sechs Uhr losfahren. Will ich irgendwann zwischen neun Uhr morgens und sieben Uhr abends los, wird's düster.

Bahnguru für die Sparpreise der nächsten Wochen zu humaneren Abfahrtszeiten

Für die Rückfahrt sieht es sehr ähnlich aus und für diese Bahnpreise könnte ich vermutlich sämtliche Abschnitte der Autobahn, auf denen nicht gerade ein Tempolimit ist, mit Geschwindigkeiten um die 180 Kilometer pro Stunde fahren, wobei mein Auto übrigens kaum schneller fahren kann, ich würde vermutlich mit der Summe an Geld, die ich fürs Tanken bezahle, den Bahnpreis unterbieten. Mit dem Fernbus wäre die Fahrt eine weitere Katastrophe. Entweder, ich fahre nachts los, steige nachts um oder bin statt knappen zehn Stunden knappe vierzehn Stunden unterwegs. Abgesehen davon müssen meine Eltern mich von all diesen Standorten selbst mit dem Auto abholen, wir erinnern uns an die ÖPNV-Problematik in meiner Heimat. Immerhin wäre der Fernbus günstiger als die Bahn und das Tanken. Fahre ich die Strecke hingegen mit dem Auto, brauche ich so fünf bis sechs Stunden. Ich bin nicht die schnellste Fahrerin, mache ab und an auch längere Pausen und lasse mir vor allem Zeit. Abgesehen davon fühlt die A6 sich manchmal an wie eine einzige Baustelle. Jedenfalls bringt mir das den Vorteil, dass ich flexibel bin, wann genau ich losfahre. Und ich kann zudem fahren, wann ich möchte und muss nicht darauf achten, dass meine Eltern mich zum Bahnhof fahren können, um den Sparpreis nehmen zu können, weil sie ja auch arbeiten. Gemacht habe ich das übrigens nicht zum 35c3, weil mir die Strecke Regensburg-Saarland-Leipzig-Regensburg dann doch etwas zu krass war.
Aber ansonsten nutze ich mein Auto recht selten. Ich war vor kurzem zum ersten Mal für dieses Jahr tanken. Ich wohne in Regensburg und so oft ich über den RVV fluche, weil irgendwas einfach nur schlecht geplant ist, es ist besser und deutlich frequentierter als das, was ich gewohnt bin. Ich komme in Zeiten, die vollkommen okay sind, von mir zu anderen Orten. Autofahren wäre da einfach nur schlecht für meinen Blutdruck, weil Autofahen und Parkplatzsuche in einer Stadt doch schon anstrengender sind und ich eben nur bei mir in der Wohnung den Luxus eines Tiefgaragenstellplatzes habe. Abgesehen davon kann ich je nach Strecke auch einfach zu Fuß gehen. Mein Auto nutze ich also bei größeren Einkäufen, Mate-Kästen möchte ich ungern durch Busse schleppen, oder wenn mir die Busverbindung einfach zu schlecht ist und zu lange dauert oder wenn ich doch mal ein paar Meter weiter fahre wie nach Nürnberg, wenn ich die Sorge habe, abends keinen Zug zurück mehr zu erwischen. Allerdings ist das so selten, dass ich den Winter über die ziemliche Sorge hatte, dass meine Autobatterie das trotz wärmerer Tiefgarage nicht durchhält.

Meine Verkehrswende ist einher gegangen mit einem Umzug, einfach, weil ich jetzt vollkommen neue Möglichkeiten habe. Ich verstehe, warum manche Menschen immer noch ihren Diesel und ihren Benziner fahren: Weil sie auf dem Land schlicht keine andere Wahl haben. Das heißt nicht, dass man sich für 100000 Euro in Stuttgart einen Mercedes kaufen muss, wie ich letztens bei Maischberger einen Dieselfahrer fluchen hörte, und sich dann darüber aufregt, dass man sich kein Auto leisten kann, das kein Diesel ist und dass diese Fahrverbote sowieso das Böse sind. Gleichzeitig bemerke ich dadurch, wie viele Anreize ÖPNV eigentlich braucht. Ich glaube, wenn ich mein Busticket nochmal extra zahlen müsste, würde ich vielleicht sogar öfter Auto fahren. Dadurch, dass ich als Studentin ein Semesterticket habe und damit automatisch zahle, habe ich das Gefühl, dass sich das lohnt. Für knapp 200 Euro im Jahr den ÖPNV in und um Regensburg nutzen ist für mich schlicht und ergreifend lohnenswert, insbesondere, wenn ich mir überlege, dass meine Eltern Busticket zu Schulzeiten 55 Euro im Monat gezahlt haben.
Ich überlege auch seit einer Weile, beim Carsharing der Stadt mitzumachen. Das ist eine einmalige Anmeldung für 30 Euro und dann für mich als Studentin 1,50 Euro die Stunde, in der ich mir dann ein Elektroauto "ausleihe". Das wäre eine Option, mein Autofahren mit Benzin ein wenig sparsamer zu gestalten. Aber die Verkehrswende endet ja nicht hier. Politisch betrachtet ist noch einiges zu tun. ÖPNV hat in meinen Augen die Aufgabe, einen Anreiz zu bieten, eben nicht das Auto zu nutzen.

Mär 04, 2019

Der Unterschied zwischen Temperatur und Wärme

Zwei Begriffe, die im Alltag sehr gerne synonym verwendet werden, sind Temperatur und Wärme. Allerdings besteht zwischen diesen beiden Begriffen ein besonders für die physikalische Chemie und Thermodynamik relevanter Unterschied. Die Nutzung von Temperatur und Wärme als ähnlich oder gleich ist auf das subjektive Empfinden des Menschen von warm und kalt zurückzuführen. 100 °C werden von den meisten Menschen als heiß empfunden, -5 °C als kalt. Werden zwei unterschiedliche Stoffe mit dieser Temperatur verglichen, kann ihre Wärme aber durchaus eine unterschiedliche sein.

Aber eins nach dem anderen, zuerst sollte zumindest einer der Begriffe ein wenig genauer beleuchtet werden. Temperatur ist in meinen Augen etwas vergleichsweise Intutivies und Verständliches, weil es sich dabei um eine alltägliche Größe handelt. Temperaturen in °C begleiten uns mit jedem Blick auf den Wetterbericht. °F schließe ich an der Stelle mal bewusst aus.
Die SI-Einheit der Temperatur ist übrigens Kelvin (ohne °/Grad) mit absolutem Nullpunkt bei 0 K, umgerechnet etwa -273.15 °C. Der absolute Nullpunkt heißt absolut, weil die Temperatur nicht weiter sinken kann. Genau genommen ist der absolute Nullpunkt selbst nicht zu erreichen, es kann sich diesem aber angenähert werden. Ich schließe °F daher bewusst aus, weil Kelvin und Grad Celsius einfach ineinander umgerechnet werden können, Kelvin und Grad Fahrenheit hingegen nicht.
Aber zurück zum eigentlichen Temperaturbegriff: In Stoffen liegt auf atomarer Ebene die Ursache der Temperatur in der ungeordneten Bewegung der Teilchen. Atome sind immer in Bewegung. Nach bestimmten Vereinfachungen könnte in Gasen sogar die Temperatur als Maß der mittleren kinetischen Energie der Teilchen verwendet werden.
Kinetische Energie, was war das nochmal? Diese ist definiert nach \(E = \frac{1}{2} m v^2\) und hat als Faktoren die Masse der Teilchen und deren Geschwindigkeit. Geschwindigkeit, Bewegung der Teilchen, das hängt miteinander zusammen.
Die Messung von Temperatur ist vergleichweise einfach, je nachdem, wie genau es sein sollte. Mithilfe des Aggregatzustands von Wasser kann bestimmt werden, ob die Temperatur kleiner als 0 °C ist, zwischen 0 und 100 °C oder größer als 100 °C. Der Nullpunkt der Temperaturskala für °C ist nämlich durch den Gefrierpunkt des Wassers gewählt und festgelegt. Zugegeben, diese Art der Temperaturmessung ist vergleichsweise ungenau, genauere Thermometer funktionieren beispielsweise mit einer Änderung des Volumens durch Änderung der Temperatur.

Wenn der Begriff Temperatur so vieles einnimmt, was wir gerne auch im Alltag als Wärme verstehen, was ist dann eigentlich Wärme? Zugegeben, Wärme und Temperatur sind keine vollkommen unterschiedlichen Größen, die rein gar nichts miteinander zu tun haben. Das haben sie nämlich durchaus. Wärme ist eine Form von Energie, die die meisten Menschen schon mal erlebt haben. Je nachdem, wie stark der Prozessor des Endgeräts, auf dem das hier gerade gelesen wird, beansprucht wird, wird mehr oder weniger Wärmeenergie frei. In dem Moment können wir unter Umständen realisieren "Oh, das Endgerät wird warm", denn andere Energieformen werden in Wärme umgewandelt und tatsächlich hängt damit auch ein Temperaturunterschied zusammen. Das liegt darin, dass Wärme die Energieform ist, die zwischen Körpern mit unterschiedlicher Temperatur ausgetauscht wird. Der Prozessor erwärmt die Umgebung. Genau genommen wird Wärme vom Körper mit höherer Temperatur auf den mit niedrigerer Temperatur übetragen. Somit wird, wenn wir etwas kühlen, eigentlich nur der gekühlte Körper weniger warm.
Wie kann der Unterschied zwischen Temperatur und Wärme verdeutlicht werden? Werden auf zwei identischen Herdplatten Töpfe mit einer unterschiedlichen Menge an Wasser für eine identische Zeit erwärmt, so wird das Wasser mit dem kleineren Volumen eine höhere Temperatur aufweisen als das mit dem größeren Volumen. Die Wärme, die zugeführt wurde, ist gleich, die Temperatur aufgrund des Volumens unterschiedlich.
Im Übrigen ist Wärme keine Zustandsgröße, was bedeutet, dass es keinen definierten Wärmeinhalt eines Körpers gibt. Es ist eine Prozessgröße im Sinne des Wärmeflusses zwischen zwei Körpern, eine Form der Energieübertragung. Die Temperatur hingegen lässt sich als Zustandsgröße definieren, die mehr oder weniger einfach und genau gemessen werden kann.

Ein kurzer Blick auf die Einheiten von Temperatur (Grad Celsius, Kelvin oder irgendwas Komisches) und Wärme (Joule) hätte vermutlich auch für diesen Beitrag ausgereichet, um irgendwie zu begründen, dass Wärme und Temperatur nicht gleich sein können. Das wäre nur vermutlich weniger verständlich gewesen. Ich möchte allerdings trotzdem kurz nochmal auf das Kelvin als SI-Einheit eingehen, das ab 20. Mai 2019 auch eine Neudefinition erhalten wird. Über die sogenannte Boltzmann-Konstante wird das Kelvin in Abhängigkeit zu Sekunde, Meter und Kilogramm definiert und nicht mehr über den Tripelpunkt (der Punkt, an dem die Zustände fest, flüssig und gasförmig in einem Gleichgewicht zueinander liegen, also einfach gesagt alle gleichzeitig auftreten) des Wassers.

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