Mär 19, 2019

Laptop und LaTeX im Studium

Mitschreiben, Folien vor meiner Nase und nicht auf einem Projektor haben, schnell irgendetwas nachschauen oder etwas für später kurz suchen und markieren, jemandem eine Nachricht schreiben, etwas berechnen, ohne einen Taschenrechner zu suchen, etwas auswerten... Ich nutze meinen Laptop im Studium, insbesondere Vorlesungen gerne und oft. Ehrlich gesagt glaubte ich nicht, dass das etwas arg Ungewöhnliches ist und doch bin ich regelmäßig in Vorlesungen, in denen ich damit in der Minderheit bin. Die Vorlesungen, in denen ich für gewöhnlich bin, sind Vorlesungen in der Chemie und hier wird relativ viel per Hand mitgeschrieben. Generell sind Laptops hier relativ selten in Vorlesungen selbst zu sehen. Genau deswegen möchte ich ein wenig darüber schreiben, warum ich das tue und warum dieses System für mich funktioniert. Gleichzeitig möchte ich ein paar Worte über LaTeX verlieren, ein System, mit dem ich mittlerweile ganz gut klar komme.

Doch fangen wir erst einmal am Anfang an. Wieso schreibe ich an meinem Laptop mit, wenn es doch irgendwo von Hand schneller gehen könnte? Meine Handschrift ist rein subjektiv nicht die Schönste und ich schreibe seit meiner frühen Jugend Texte an Computern. Irgendwann habe ich mein eigenes Tippsystem so optimiert, dass ich an die 100 Wörter pro Minute komme, was aber relativ schnell ermüdend ist und insgesamt dann etwas weniger, aber immer noch schnell ist. Dasselbe von Hand hinzubekommen ist für mich sportlich, insbesondere, wenn ich das noch lesen können soll. Wenn ich was mit einer Tastatur tippe, klar, dann können da Buchstabenverdreher drin sein oder ich tippe auf einen Buchstaben, der auf der Tastatur daneben liegt. Aber ich kann deutlich häufiger entziffern, was das bedeuten soll.
Um kurz etwas auszuschweifen, das ist einer der Punkte, an denen ich viele Dozenten nicht verstehe, die nur etwas an der Tafel anschreiben, das aber nicht in digitaler Form zur Verfügung stellen. Handschrift ist nicht immer schön und führt gerne zu Ablesefehlern. Abgesehen davon sind solche digitalen Medien im Vergleich zu Tafelanschriften ein Schritt zu mehr Barrierefreiheit. Menschen mit schlechter Sehkraft (trotz Brille) sind hier häufig auf Kommilitonen angewiesen, weil sie Probleme damit haben, genau zu lesen, was an der Tafel steht. In Vorlesungen, in denen man sowieso mitdenken will, ist das nur zusätzlich belastend, krampfhaft zu verstehen, was eigentlich an der Tafel steht.
Zurück zu meiner Mitschrift: Ich bin nicht gut darin, meine Mitschriften so zu sortieren, dass ich immer weiß, wo ich sie finde. Tatsächlich habe ich die meiste Zeit in der Schule die Blätter eingeheftet, chronologisch. Je nach Masse war es da gar nicht so einfach, ein bestimmtes Thema zu finden. Mittlerweile suche ich mir den jeweiligen Ordner raus und suche in einem spezifischen Dokument nach dem, was ich wissen will. So trivial wie das alles hier erscheint, das tut es durchaus auch für mich, es erleichtert mir im Vergleich zum klassischen Mitschreiben einiges.

Zu Beginn im ersten Semester habe ich noch einiges per Hand mitgeschrieben, einfach, weil ich da gerade in das Unileben reingekommen bin und nicht so ganz wusste, wie ich mathematische Ausdrücke in der Physik mitschreiben soll. In Mathe war das dank eines ausführlichen Skripts kein Problem. Abgesehen davon mussten wir im ersten Semester unsere Laborprotokolle auch noch von Hand schreiben. Das hat sich erst im dritten Semester geändert.
Im zweiten Semester hingegen habe ich mein System zum Mitschreiben. Ich habe angefangen, mich mit LaTeX zu befassen. LaTeX ist eine Vereinfachung von TeX, ein Textsatzsystem, womit vereinfacht gesagt jeder Text wunderschön aussehen kann. Für mich als jemand, der nie mit Word warm geworden ist, weil ich dank meines Vaters immer Open oder Libre Office hatte, war das ansprechend, zumal ich damit das Problem der mathematischen Formeln lösen konnte. Mit LaTeX ist das deutlich einfacher. Auch chemische Formeln sind damit machbar, Strukturformeln und Reaktionsmechansimen theoretisch auch, aber ich traue mir damit nicht zu, eine Vorlesung schnell genug mitzuschreiben. Das ist das Einzige, was mir in der Richtung noch fehlt.
Mir wurde der Tipp, mir LaTeX anzuschauen, schon relativ früh gegeben, bevor ich angefangen habe zu studieren. Im zweiten Semester hatte ich dann einen vergleichsweise holprigen Start mit LaTeX, weil ich mit vielem nicht wusste, wie es funktioniert und mich mit unglaublich unspezifischen Fehlermeldungen herum geschlagen habe. Zum Glück hatte ich da wunderbare Unterstützung. Die Lernkurve ist relativ steil. Die meisten Vorlagen von Dokumenten sind mehr als einmal verwendbar.

Im dritten Semester habe ich dann irgendwann angefangen, meinen Laptop mit ins Labor zu nehmen, was durchaus nicht frei von Risiken ist.
Es muss nur einmal irgendein Kolben umfallen, die Flüssigkeit darin über den Laptop laufen und im besten Fall war zufällig nur destilliertes Wasser drin. Die beiden Praktika im dritten Semeter waren vom Anteil an potentiell giftigen Stoffen, die ich nicht an meinem Laptop haben will, sehr gering. Der Bereich, in dem ich mich das allerdings nicht mehr getraut habe, ist der Bereich der Radioanalytik. Kontaminierter Laptop ist ein Probem, das ich unbedingt vermeiden wollte.
Ansonsten war es aber in Ordnung und ich habe immer einen Platz gefunden, an dem andere Computer bereits standen oder sehr wenig schief gehen konnte. Somit habe ich angefangen, schon im Labor Versuche zu protokollieren und auszuwerten. Zudem ist es einfach bequemer, sich im Labor nochmal das Skript am Laptop durchzulesen, statt zehn Seiten pro Versuch auszudrucken.
Mittlerweile habe ich aber für die Laborabenteuer ein älteres ThinkPad (X201, das alles hatte außer einen Akku, ist ein alter Laptop meines Vaters), dessen Ende durch darauf geschüttete Flüssigkeiten zwar traurig, aber verkraftbar wäre.

Das ist mittlerweile mein Work Around fürs Arbeiten an der Uni geworden und ich muss sagen, ich fühle mich damit relativ wohl. Es wird dadurch auch deutlich einfacher, Wissen mit anderen Menschen zu teilen. Das hier beschreibt einen wesentlichen Teil meiner Arbeitsweise und vielleicht entdeckt ja jemand darin noch was für sich selbst.