Mär 15, 2019

Mein erstes Mal Fridays For Future in Regensburg

Fridays For Future, Schulstreik für das Klima, Schüler, die dem Unterricht freitags fern bleiben, um für eine tagesakutelle Umweltpolitik zu demonstrieren, was immer wieder in verschiedenen Medien thematisiert wird, das ist gewissermaßen etwas für mich. Ich bin seit meiner frühsten Jugend politisch und hätte mir gewünscht, dass damals solch ein Antrag unter meinen Mitschülern für die ACTA-Proteste gegeben hätte wie es das jetzt für die Klimapolitik gibt. Ich finde es unterstützenswert, dass junge Menschen sich in diesem Rahmen politisch engagieren. Deswegen wird dieser Beitrag etwas politischer und ich schreibe ein wenig über meine eigene Erfahrung mit der Fridays For Future-Bewegung.

Dass junge Menschen, in diesem Fall besonders eine Person, Greta Thunberg, sich diesbezüglich engagieren, habe ich etwa zum Jahreswechsel wahrgenommen. Mehr oder weniger auffällig wurde es dann im Laufe des noch jungen Jahres, allerdings hatte ich da schlicht und ergreifend keine Zeit, selbst so einer Klimademonstration beizuwohnen. Ich bin zwar Studentin und habe kaum Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht (Laborpraktika fallen unter die Anwesenheitspflicht, was aber irgendwo logisch ist), aber freitags waren mir die Vorlesungen zu wichtig, um sie ausfallen zu lassen. Nacharbeiten ist da sowieso schwierig, weil dort Dozenten dabei sind, die zwar ihre Folien online stellen, aber das war's dann auch. Die Mitschrift bekommen Anwesende, die das von der Tafel abschreiben, Vorlesungsaufzeichnungen gibt es nicht. Dieses Thema gibt vermutlich genug für einen eigenen Blogbeitrag her.
Doch dann kam irgendwann die vorlesungsfreie Zeit. Der Teil davon, der nicht für das Lernen für Klausuren drauf geht, ist tatsächlich so was wie frei. So kam es, dass ich zum ersten Mal wirklich Zeit für Fridays For Future hatte und sich für mich die Frage stellte, ob ich diese Veranstaltung mit meiner Anwesenheit unterstützen möchte. Dabei habe ich mir darüber Gedanken gemacht, was genau ich tun kann, anwesend sein ist klar. Aber so eine Demonstration lebt nicht nur von Anwesenden, es braucht auch Ordner.
Ordner sind quasi diejenigen, die ein bisschen darauf schauen, dass der Demozug grob zusammenbleibt und darauf hinweist, Straßen freizuhalten. Es kann auch sein, dass bestimmte Auflagen durchgesetzt werden sollen, beispielsweise ein Alkoholverbot. Es ist ein bisschen wie die Engel bei Chaosveranstaltungen wie dem Congress. Tatsächlich ist "engeln" auch ein schöneres Wort als "ordnern". Jedenfalls müssen diese Ordner volljährig sein. Ich kann mir vorstellen, dass viele Schüler das gerne tun würden, aber schlicht zu jung sind. Insofern sehe ich es gewissermaßen als meine Art der Hilfestellung an, eben so diese Bewegung zu unterstützen. Hätte es in meiner Schulzeit solche Demonstrationen gegeben, ich wäre froh über volljährige Menschen gewesen, die das übernehmen. Daher bin ich das vielleicht irgendwo meinem früheren Ich schuldig.

Ich habe mit der lokalen Fridays For Future-Gruppe kommuniziert und gefragt, ob ich als Ordnerin helfen kann und so kam ich dann heute vor der Demonstration zu einer kleinen Einweisung. Bedauerlicherweise war es ein wenig regnerisch, was aber offenbar die wenigsten Schüler davon abgehalten hat zu demonstrieren. Es ist übrigens sehr spannend zu sehen, wie sich solch eine Demonstration formiert und immer mehr junge Menschen mit eigenen Schildern kommen. Im Übrigen waren Schüler nicht die einzigen Anwesenden. Ein paar der lokalen Parents For Future-Gruppe waren auch da. Besonders cool fand ich auch einen Lehrer, der sich aus einem Gespräch mit einer weiteren Ordnerin und mir mit den Worten "Ich muss mal kurz dahinten zu meinen Schülern!" verabschiedete.
Ehrlich gesagt, ich finde es extrem schade, wenn Schulen sich gegen diese Proteste stellen. Schon klar, es gibt eine Schulpflicht, aber die Drohnung mit Verweisen für ein paar Fehlstunden? Bitte was? Es geht hier um junge Menschen, die politisch engagiert sind. Die Meisten würden das vermutlich auch in ihrer Freizeit tun. Oh, warte, das tun sie, in Hamburg sind aktuell Ferien und trotzdem wurde sich an dieser großen, globalen Demonstration beteiligt. Dass der Streik auf die Schulzeit fällt, ist, damit es auffällt. Und wenn ich mal ganz ehrlich nach meiner eigenen Bequemlichkeit gehe, dann klingt bis um eins in der warmen Schule sitzen besser als zwei Stunden lang im Nassen und Kalten rumzulaufen. Gut, mittlerweile habe ich die Wahl zwischen einer warmen Wohnung beziehungsweise einem warmen Bett und einer nass-kalten Demonstration. Aber in meiner Schulzeit gab es diese Wahl ja noch nicht einmal. Daher bin ich ganz froh, dass ich vor zwei Wochen gesehen habe, dass in der Kleinstadt, der saarländischen Provinz, Fridays For Future-Demonstrationen stattfinden. Ich habe mich richtig gefreut, als mir eine Freundin geschrieben hat, dass sie sich extra dafür frei genommen hat.
Aber zurück nach Regensburg: Ich habe vor Ort erfahren, dass wir eine lange Route vor uns haben, vier Kilometer, durch die Altstadt, aber auch über die Nibelungenbrücke. Auf dieser Brücke ist vergleichsweise viel Verkehr. Demnach hatten wir als Ordner relativ wenig auf dem Weg in der Altstadt zu tun, als es dann aber auf die Straße ging, war das etwas schwieriger, darauf zu achten, dass jeder auf der richtigen Seite geht und sich nicht irgendwie doof in den bald wieder geöffneten Verkehr begibt. Die Gegenfahrbahn wurde nämlich kurz darauf auch wieder geöffnet. Aber gerade dadurch, dass es zu solchen Beeinträchtigungen kommt, fällt die Demonstration auch auf. Der RVV hat deswegen auch Verspätungen und Ausfälle von 10 bis 15 Uhr angekündigt.

Generell war die Demonstration aber unglaublich friedlich und geradezu idealistisch. Das ist aber gerade für junge, politische Menschen irgendwo ganz normal. Ich werde mal schauen, dass es mich vielleicht noch ein paar Mal zu Fridays For Future verschlägt. Ein wenig muss ich mich im Rest der vorlesungsfreien Zeit ja zwischen Regensburg und der saarländischen Provinz aufteilen.