Feb 25, 2020

Neues Studium, neues Semester, neues Glück? Ein kurzer Rückblick auf das erste Semester

Pünktlich zu Beginn und während des letzten Semesters (oder aktuellen? Ach, Zeitrechnung zwischen den Semestern macht Spaß) habe ich den ein oder anderen Blogbeitrag zu meinem neuen Studium geschrieben. Nachdem meine Klausuren seit einer Weile vorbei sind und ich schon die Ergebnisse habe, dachte ich mir, es wird Zeit für eine Art Rückblick auf mein erstes Semester. Im Grunde genommen handelt es sich gefühlsmäßig um einen direkten Anschluss an die Ereigniskette von dem Gefühl, nichts zu können, das bei mir immer stärker im Chemiestudium aufgekommen ist, die Erleichterung, mich woanders noch einmal beweisen zu können und der Freude darüber, dass mir immerhin Leistungen anerkannt wurden. Es wird also in gewissen Teilen etwas emotionaler werden.

Insbesondere, nachdem meine Leistungen anerkannt wurden, war der Rahmen für das Semester ziemlich klar gesetzt. Ich bin in lediglich eine Veranstaltung mehr eingestiegen und hatte daher ein vergleichsweise ruhiges Semester, die für mich größte Herausforderung stand allerdings schon sehr früh fest: Theoretische Informatik. Alle anderen Fächer des Semesters waren für mich mehr oder weniger bekannt, aber von theoretischer Informatik hatte ich, so dachte ich, keine Ahnung. Ich habe mir über die vorlesungsfreie Zeit vor meinem ersten Informatik-Semester ein Buch dazu ausgeliehen, mit dem ich überhaupt nicht zurecht kam und nichts verstanden habe. Zudem ist mir schon über Bekannte und Freunde bewusst gewesen, dass dieses Fach im ersten Semester wohl am anspruchsvollsten ist. Ich hatte ziemlich viel Respekt und zugegbenermaßen auch Angst davor, hier wieder zu scheitern.
Das hat sich zum Glück nach einer Weile gelegt, einerseits, weil mir doch ein, zwei Dinge bekannt vorkommen, sei es aus der Algorithmen und Datenstrukturen-Vorlesung, die ich mir mal angehört habe, oder weil ich schon mit so was wie regulären Ausdrücken rumgespielt habe, andererseits hatte ich das Gefühl, dass ich den Stoff verstehe und sogar Spaß dabei entwickelte.

Als weitere Herausforderung hatte ich noch die Medieninformatik, die weit über ein bisschen HTML und CSS hinaus ging und in der ich die Welt des magischen JavaScripts kennenlernte, wozu ich vielleicht noch einmal mehr schreiben werde. Mit ein paar Wochen nach Semesterstart dort einzusteigen hatte ich mir nicht den größten Gefallen getan, aber das, was ich bis dahin verpasst hatte, war aufholbar, aber ich hatte rudimentäre Erfahrung mit Webentwicklung. Ich glaube, zu einem späteren Zeitpunkt wäre das nicht so gut gegangen. Eines meiner Probleme bestand in einer für mich sehr ungünstig liegenden Übung, sodass ich hier einen großen Teil dann machte, wenn ich Zeit habe, ohne viele Fragen stellen zu können. Ich war vielleicht dreimal in der Übung. Das würde (und werde) ich meine Kommiliton'innen auf nicht empfehlen. Was mir an der Stelle unglaublich geholfen hat, war ein größeres Programmierprojekt, in dem ich am meisten über Webentwicklung und den Stoff gelernt habe. Das war mein erster (benoteter) Erfolg in diesem Studium, das war für mich eine große Erleichterung.

Zeitlich bin ich nach diesem Projekt schon fast in der Klausurenphase. Wintersemester haben den großen Vorteil, dass mittendrin diese Pause durch Weihnachten und Silvester liegt. Das hat den Vorteil, dass ich in dieser Zeit schon etwas machen konnte, auch, wenn das eigentlich Zeit zur Erholung sein sollte. Ich hatte immer noch sehr viel Respekt vor theoretischer Informatik, gerade, nachdem sich die Lage an der Front der Medieninformatik beruhigt hatte. Bei den restlichen Fächern war es sowieso nie wirklich kritisch, insofern sind sie auch erst einmal beim Lernen hinten runter gefallen.
Was für mich ein gewisser nervlicher Beruhigungsfaktor ist und in Zukunft wahrscheinlich noch stärker werden wird, ist das Prüfungssystem meiner Hochschule. Die Prüfungsanmeldung erfolgt ein paar Wochen nach Semesterbeginn. Aber bei Erstversuchen ist es vollkommen okay, wenn ich am Tag selbst entscheide, dass das nichts wird und nicht hingehe. Kein Fehlversuch, sondern erst zum nächsten Prüfungstermin wieder die Chance, die Klausur mitzuschreiben. Gleichzeitig gibt es keine Zweitversuche am Ende der vorlesungsfreien Zeit. Zweitversuche finden zum nächsten Prüfungstermin statt und sind damit für viele andere auch Erstversuche. Das führt dazu, dass niemand auf die Idee kommen kann, einen schwierigeren Zeitversuch mit "Da ist ja auch mehr Zeit zum Lernen" zu verargumentieren.
Aber ich bin alle Prüfungen angetreten, für die ich mich angemeldet habe. Bei einer der Klausuren, die ich eigentlich als problemlos gesehen habe, hatte ich dennoch kleinere Probleme, die ich aber als größere Probleme empfunden habe. Leider hatte ich generell sehr oft in dieser Zeit den Gedanken, dass ich jetzt nicht noch einmal scheitern darf. Das kann belastend sein, vor allem, wenn man die Klausuren und deren Bewertung kaum einschätzen kann. Im Chemiestudium hatte ich das Gefühl, dass das bisschen, was ich weiß und von dem ich dachte, dass ich es kann, ausreicht, um die Klausur zu bestehen. Ich hatte das Gefühl, dass jeder noch so kleine Fehler dazu führt, dass es das mit einem Großteil der Punkte für eine Aufgabe war. Dieses Gefühl kann ich nicht einfach so abstellen. Ich werde auch noch eine Reihe positiver Erfahrungen brauchen, bis das besser wird.
Tatsächlich sehe ich das gewissermaßen als Teil des emotionalen Balast, den ich aus dem Chemiestudium mitgenommen habe. Während meine Kommiliton'innen zu einem großen Teil entspannt sind und nicht hinter jeder Klausur einen Grund vermuten, aus dem das Studium doch noch scheitern kann, habe ich diese Entspannung verloren. Das verursacht Druck, der Klausurenphasen für mich noch einmal unangenehmer werden lässt. Ich meine, ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich mich intensiv auf eine Klausur vorbereiten kann, die vielleicht 6 ECTS wert ist und dennoch durchfalle. Im Chemiestudium war es immer schwierig, herauszufinden, wie viel ECTS eine einzelne Prüfungsleistung hat, weil alles in Module gesteckt ist, die insgesamt eine bestimmte Anzahl an ECTS ergeben. Das ist mittlerweile auch angenehmer geworden, ist aber wahrscheinlich auch abhängig von der Hochschule. Zu dieser emotionalen Komponente kommt noch dazu, dass ich im Laufe des Semesters sehr oft ein "Du kannst das doch eh" gehört habe. Das mag vielleicht durch einen gewissen Erfahrungsvorsprung so wirken, aber das führt nicht dazu, dass ich alles auf Anhieb verstehe und nicht lernen muss. Im Gegenteil setzt mich das fast noch ein bisschen mehr unter Druck, das zu hören, weil von mir gute Leistungen erwartet werden, aus welchen Gründen auch immer.

Medieninformatik war für mich von der Klausur her ein Schlag ins Gesicht. Ich habe zwar einiges an Wissen mit in diese Klausur genommen (im wahrsten Sinne des Wortes: Open Book-Klausur), aber bei sehr vielen Aufgaben hatte ich das Gefühl, sehr wage Vermutungen und Begründungen zu schreiben, die zwar Sinn ergeben und die meine allererste Vermutung in der praktischen Anwendung wären, aber unter diese kleinen Details fallen, die im Chemiestudium oft falsch waren und dafür gesorgt haben, dass ich durch Klausuren gefallen bin. Im Ergebnis ist das nicht passiert, ich bin mehr als zufrieden mit meinem Ergebnis, aber in dieser Situation wusste ich das natürlich noch nicht.

Kommen wir doch zur anspruchsvollsten Klausur dieses Semester. Für 6 Semesterwochenstunden gibt es da übrigens 8 ECTS. Im Block zur allgemeinen Chemie gab es für 8 Semesterwochenstunden (+1 für ein in meinen Augen notwendiges Tutorium) 9 ECTS. Vielleicht hat die Anzahl an ECTS auch meinen Respekt noch einmal erhöht. Allerdings hatte ich Sorge davor, dass theoretische Informatik meine zweite Thermodynamik oder physikalische Chemie werden könnte. Dieser Bereich hat mich mit am meisten fasziniert und mir am meisten Spaß gemacht, trotzdem habe ich die Klausur gerade so bestanden.
Zum Glück hatte ich ein paar Tage Abstand zwischen den Klausuren und konnte somit noch einmal einen Lernmarathon veranstalten. Das hat auch soweit so okay funktioniert. Wenn ich allerdings am Abend vor der Klausur eine Altklausur mit einer Aufgabe mache, die vom Stoff her unglaublich einfach ist, auf deren Lösung ich aber partout nicht komme und verzweifle, weil das vollkommen trivial sein sollte, dann sorgt das für Panik.
Wenn die entsprechende Aufgabe in der Klausur einen Tag später konzeptuell sehr ähnlich zu der Aufgabe ist, die Panik verursacht hat, dann kommt ein Teil dieser Panik wieder. Wenn dazu kommt, dass die Fragen im Multiple Choice-Teil keineswegs so sind wie erwartet oder geübt, macht es das nicht besser. An diesem Punkt hilft auch nicht der gut gemeinte Tipp, zuerst die Aufgaben zu machen, bei denen ich mir sicher bin und die ich kann. In diesem Moment fühle ich mich bei nichts sicher und bei nichts so, als ob ich das nur ansatzweise könnte. In einer Klausur, die zudem noch zeitlich etwas knapper bemessen ist, können solche Beruhigungsminuten dann doch einige Punkte kosten. Ich weiß, dass ich dann auch zügig irgendwie angefangen habe, nachdem ich mir die Klausur angeschaut habe und an jeder Ecke Probleme gesehen habe.
Auch hier gilt wieder: Das Ergebnis war, für all die Sorgen, die ich mir gemacht habe, und all die Panik, die ich hatte, deutlich über meinen Erwartungen.

Was nehme ich also mit? Klausuren sind nicht so schlimm wie ich denke. Korrekturen sind meistens fairer als ich befürchte. Ich baue mir letztlich doch irgendwie wieder positive Erfahrungen, damit ich aus diesem Gefühl, nichts zu können, wieder raus komme. Es wird wahrscheinlich noch seine Zeit benötigen, aber ich merke, dass ich mir langsam wieder einiges zutraue. Mittlerweile sage ich nur noch im Scherz, dass ich nicht programmieren kann. Es sind ja nicht nur die Noten, die positive Erfahrungen sind. Wenn ich mir meinen Code von jetzt und den von vor einem halben Jahr anschaue, ich sehe schon Unterschiede und Entwicklung. Ich merke, wie sich mein Denken und meine Herangehensweise an Probleme löst. Ich bin noch lange nicht am Ende angekommen, aber ich sehe, wie ich erfolgreich die notwendigen Schritte mache.