Sep 20, 2019

Stromerzeugung in Deutschland mit vielen öffentlichen Daten

Durch die aktuelle Aufmerksamkeit, die das Thema des Klimawandels vollkommen zurecht erfährt, wird vergleichsweise oft über einen großen Sektor der CO\(_2\)-Emissionen gesprochen: Energiewirtschaft oder besser gesagt der Bereich der Stromerzeugung. Nach dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit sind wir im Jahre 2017 bei 328 Millionen Tonnen CO\(_2\)-Äquivalenten. Das ist nicht gerade wenig.
CO\(_2\)-Äquivalent bedeutet übrigens, dass klimaschädliche Gase mit Kohlenstoffdioxid verglichen werden und in Relation damit gesetzt werden. Dadurch wird das Treibhauspotential dieser Stoffe dargestellt und wir haben solche Angaben von Millionen Tonnen CO\(_2\)-Äquivalenten.

Demnach möchte ich über den Strom in Deutschland schreiben. Ich muss sagen, darüber habe ich mir bisher nicht viele Gedanken gemacht. Klar bemerke ich und nehme die Daten auf, die immer mal wieder durch die Gegend fliegen. 30, 40 Prozent erneuerbare Energien in Deutschland, ein Drittel Kohle. Genauere Daten liefert beispielsweise das Fraunhofer-Institut.
Großen Verbesserungsbedarf hatte ich kaum. Ich bin auf Ökostrom gewechselt, meine Eltern schon seit Jahren, den Bonus gibt die Solaranlage auf dem Dach. Sie haben sich doch schon relativ früh für diese Form der Energiewende entschieden. Genau deswegen bekamen meine Eltern vor kurzem Post. Künftig erfolgt nämlich die Registrierung ihrer Anlage über das Marktstammdatenregister, von dem sie zunächst nicht so begeistert waren, weil sie möglichst wenig Daten im Internet angeben wollen. Nach ein paar Nachforschungen war's das aber mit den Zweifeln.

Ich hingegen habe damit ein großartiges Tool gefunden. Das Marktstammdatenregister liefert in einem Web-Interface eine Übersicht über die Stromerzeugungseinheiten. Verschiedene Filter lassen die Suche spezifischer laufen. Leider fällt aus diesem Interface beispielsweise keine Aussage über den Anteil bestimmter Energieträger am Gesamtstrom bezogen auf die Leistung. Der Export als .csv liefert leider auch nur 5000 Einträge. Allerdings stellt die Bundesnetzagentur alle Daten in drei Excel-Files zur Verfügung. Ja, das hat mir innerlich sehr weh getan. Aber prinzipiell lassen sich daraus verschiedene Daten in einem solchem Umfang gewinnen, wie es im Web-Interface (aktuell) nicht möglich ist. Ich empfehle die Umwandlung in .csv, das vereinzelte Auslesen und spätere Zusammenführung, das musste ich zumindest tun, um meinen Laptop nicht zu grillen.
Tatsächlich sind dabei auch ganz interessante Daten erkennbar, beispielsweise, dass rein quantitativ ohne in Bezug auf die eigentliche Leistung eine Vielfalt an Solaranlagen existiert, die aber leider nicht den Großteil des Stroms erzeugen.

Für alles, worüber ich hier schreiben möchte, ist aber bereits das Web-Interface ausreichend. Ich kann mir dabei beispielsweise anschauen, wie die Stromversorgung in meinem Bundesland, meiner Gemeide oder meiner Stadt aussieht. Für aktive Stromerzeugungseinheiten in Bayern ergibt das noch immer 679221 Ergebnisse, in Regensburg immerhin nur noch 524. In Regensburg befindet sich immerhin kein Kohlekraftwerk und kein Atomkraftwerk, stattdessen existiert eine Masse an Solaranlagen. In Bayern insgesamt existieren sechs Ergebnisse für Steinkohle, so viel dann auch zum Mythos, dass dieses Bundesland keinerlei Kohlestrom erzeugt. Genauso gibt es auch zwei Kernkraftwerke.
Mein "zweites" (chronologisch gesehen erstes) Bundesland ist das Saarland, von dem ich schon direkt weiß, dass es keinerlei Atomkraftwerke hat. Stattdessen wartet im nahe gelegenen Frankreich das Kraftwerke Cattenom, was in den letzten Jahren viel Kritik erfahren hat. Das Saarland ist übrigens genauso sauber wie Bayern, was den Braunkohlestrom angeht: Es existiert kein einziges Braunkohlekraftwerk. Für Steinkohle fallen acht Ergebnisse raus, wobei es in einigen Fällen so ist, dass verschiedene Blöcke eines Kraftwerks zu zwei Ergebnissen führen.
Im Grunde genommen will ich mit diesem kurzen Überblick darstellen, wie cool es eigentlich ist, so viele Daten zur Stromerzeugung zur Verfügung zu haben und sich anschauen zu können. Ich hoffe, dort immer mal wieder weitere, erneuerbare Energien beobachten zu können. Stromerzeugung ist ingesamt nämlich ein ziemlich spannendes Thema, über das wir gleichzeitig einen großen Teil unserer Emissionen steuern können. Insofern: Schaut drauf, wo euer Strom herkommt. Schaut euch Daten an, spielt mit Daten rum.