Nov 18, 2019

Wie die Hochschule mich (und meine Leistungen) anerkannte

Beginnen wir doch einmal mit guten Nachrichten: Ich konnte Leistungen aus meinem vorherigen Studium mit in mein Informatik-Studium nehmen. Das hat mich sehr gefreut, als ich den entsprechenden Brief in den Händen hielt. Demnach möchte ich an dieser Stelle darüber berichten, wie es überhaupt dazu kam, welche Schritte notwendig waren und warum ich es prinzipiell für eine gute Idee halte, den Versuch zum Anrechnen von vorherigen Studienleistungen zu starten.

Wie vielleicht die ein oder andere lesende Person weiß, weil darüber schon einmal geschrieben habe, habe ich vor meinem Informatik-Studium Chemie studiert. Die Schnittmenge an gemeinsamen Veranstaltungen ist nicht sehr groß, aber sie ist nicht leer. Genauso habe ich bereits den ein oder anderen Kurs im Bereich der studienbegleitenden IT-Ausbildung gemacht.
Der Bereich, durch den sowohl Menschen im Informatik- als auch im Chemie-Studium müssen, ist die Mathematik. Das ist auch irgendwo logisch, denn Mathematik ist die Basis von Naturwissenschaften und der Informatiok, gewissermaßen eine Grundlagenwissenschaft. Würde ich technische Informatik studieren, hätte ich darüber hinaus versuchen können, meine Physik-Prüfungen und dazu gehörige ECTS mitzunehmen.
Im Bereich der studienbegleitenden IT-Ausbildung ging es mir eher darum, Wissen anzusammeln, im Zweifelsfall auch ohne ein Stück Papier zu haben, auf dem etwas drauf steht wie Algorithmen und Datenstrukturen. Ich habe sowieso das Gefühl, dass das Konzept der studienbegleitenden IT-Ausbildung eine der Besonderheiten der Universität Regensburg ist. Genau genommen handelt es sich dabei um ein Zertifikat für insgesamt 18 ECTS, das in verschiedenen IT-Bereichen gemacht werden kann. Das geht von Word-Kursen über Photographie-Workshops zu Programmierkursen und Machine Learning in Verbindung mit Neuroscience, kann also einen ziemlich großen Bereich abdecken. Diese Kurse kommen einerseits aus Programmen wie der IT-Ausbildung in der Physik oder den Studiengängen Wirtschaftsinformatik, Medieninformatik oder Computational Science, andererseits gibt auch das Rechenzentrum selbst solche Kurse.

Mit dem Prozess der Anrechnung habe ich so früh wie möglich beginnen wollen. Meine Problematik im Chemie-Studium war etwa von Januar bis März ziemlich akut, wobei der März für mich schon wieder eine Zeit des Aufschwungs war, in der es mir langsam, aber sicher wieder besser ging. Etwa in diesem Zeitraum begann ich, Menschen zu fragen, was das Schlimmste an ihrem Informatik-Studium war, um abschätzen zu können, ob das Schlimmste für mich vertretbar war. Offensichtlich war es das. Gleichzeitig habe ich aber solche Angebote wie die Studienberatung genutzt. Die allgemeine Studienberatung hat mir zunächst empfohlen, mich doch in ein höheres Fachsemester zu bewerben, weil ich so viel zum Anrechnen mitbringe.
Allerdings hatte ich einen weiteren Termin beim Studiengangsfachberater für Informatik, der mir versicherte, dass ich mich für das erste Semester bewerben sollte. Die Bewerbungen ins höhere Semester sind wirklich eher was für jene, die schon einmal Informatik studiert haben. Bei mir sah er auch keine Gefahr, dass ich ein Semester durch zu viel Anrechnungen verlieren könnte. Zumindest von der Chemie an der Universität Regensburg weiß ich, dass dort eine "Hochstufung" für alle 30 ECTS erfolgt. Das wirkt sich beispielsweise auf das Erreichen der Regelstudienzeit aus, weil dann dafür ein Semester weniger bleibt. Mit ihm hatte ich dann auch ein langes und ausführliches Gespräch über den Studiengang und meine Fragen generell, meine Fragen zur Anrechnung waren jedenfalls erst einmal beseitigt und das Thema auch für einige Monate erledigt.

Die Ergebnisse meines Mathe-Drittversuches bekam ich ziemlich zeitnah und nachdem ich oben bereits von der Mathematik schrieb, ist das die Spannung ein bisschen draußen, aber ja, ich habe bestanden. Etwa in diesem Zeitraum wurde meine Bewerbung für das Informatik-Studium angenommen. Gleichzeitig war mir bewusst, dass ich mich vermutlich bald um die Anrechnung kümmern sollte. Als ich also meine studentische Mailadresse der OTH bekam, begann ich, den entsprechenden Stellen Mails zu schreiben. Es waren Semesterferien, also waren die meisten Sprechstunden auf "nur nach Vereinbarung" gelistet. Eine Mail ging an den Vorsitzenden der Prüfungskommission, eine weitere an genannten Studiengangsfachberater. Letzteres hätte ich mir sparen können, weil die Kommunikation mit jenem Vorsitzenden mehr als ausreichend war, aber im Nachhinein weiß ich natürlich mehr.
Ich hatte bereits einen Antrag auf Anrechnung auf der Webseite gefunden, habe nachgefragt, ob es sich dabei überhaupt um den für mich richtigen Antrag handelt und habe als Antwort bekommen, dass ich doch bitte möglichst schnell den Antrag fertig machen und abschicken soll. Den Antrag entsprechend fertig machen beinhaltet dabei mehrere Schritte.
Zunächst einmal ist es wichtig, dass an dieser Hochschule nichts ohne Papier passiert, so natürlich auch die entsprechende Anrechnung. Im konkreten Fall bedeutet das, mehrere Dokumente auszudrucken und sicherzustellen, dass diese irgendwie als Original erkenntlich sind. Im Falle der Notenübersicht war das zum Glück kein größeres Problem, weil die Universität Regensburg mit einem Code auf einer Webseite überprüfbare Notenübersichten zur Verfügung stellt. Dazu kommt noch der Modulkatalog und spätestens ab diesem Punkt wurde dann noch ein weiterer Hinweisbrief sinnvoll. Den Modulkatalog gibt es nämlich nur online als .pdf-Datei. Mehr Original wird das nicht, genauso wie die Prüfungsordnung des Studiengangs Chemie, die auch dazu kommt. Also habe ich noch einen kleinen Hinweisbrief geschrieben, wo die Prüfungsordnung und der Modulkatalog zu finden sind und dass die Prüfungskommission sich sehr gerne an mich wenden kann, wenn sie zur Beurteilung noch meine Vorlesungsmaterialien benötigen. Das war mir insofern wichtig, weil an der Universität Regensburg pro Mathe-Vorlesung nur 5 ECTS veranschlagt worden. Das kommt zum Beispiel dadurch zusammen, dass der eigentlich Stundenplan im Vergleich zum Modulkatalog eine Stunde mehr Übung sowie eine "freiwillige" Zentralübung vorsieht. Die entsprechenden Mathematik-Vorlesungen im Informatik-Studiengang waren da etwas höher vergütet, aber mir wurde netterweise schon gesagt, dass das keine größeren Probleme machen sollte. Also schickte ich diesen Antrag mit allen Informationen ab und begann zu hoffen.
Das ist aber noch nicht das Ende. Zwischenzeitlich bekam ich nämlich noch ein Ergebnis aus der studienbegleitenden IT-Ausbildung und sagen wir es mal so: Das Ergebnis war so gut, dass ich noch einmal den Vorsitzenden der Prüfungskommission anschrieb, ob ich noch einen ergänzenden Antrag stellen könnte. Während der erste Antrag also Mitte September rausging, waren wir jetzt schon fast beim Semesterstart angekommen. Allerdings wurde mir auch hier grünes Licht gegeben, wenn ich den Antrag so schnell wie möglich rausschicke. Hier begann ich dann auch noch damit, Beschreibungen von Webseiten auszudrucken, weil die Beschreibungen im Modulkatalog der studienbegleitenden IT-Ausbildung ziemlich allgemein gehalten sind. Das hängt damit zusammen, dass durch allgemeine Beschreibungen natürlich ziemlich viel für das entsprechende Modul angeboten werden kann. Während beispielsweise im Modulkatalog der Informatik für Programmieren 1 C und für Programmieren 2 Java vorgeschrieben ist, gibt es in der studienbegleitenden IT-Ausbildung in Modul Programmierung und Softwareentwicklung ziemlich viele Kurse, seien es C, Java, C++, C++ mit der Bibliothek Qt, Python, Linux, Multimedia/Usability Engineering, Parallel Programming in C++/FORTRAN, Perl, C#, Machine Learning from a mathematical viewpoint, R oder Agile Softwareentwicklung.

Glücklicherweise kam alles noch vor Oktober an, denn mir wurde geraten, dass ich möglichst alles im September abschicke, um bis spätestens November eine Entscheidung zu haben. Das heißt, ich wusste zu Beginn meines Studiums zum Beispiel nicht, ob ich mich in die Mathe-Vorlesung setzen oder sie bedenkenlos links liegen lassen konnte. Ich bin auf Nummer sicher gegangen und habe die Vorlesung weiter besucht, bis ich eine Entscheidung hatte. Das hat aber zur Folge gehabt, dass es für mich nur schwierig möglich war, noch in eine weitere Vorlesung aus dem zweiten Semester einzusteigen, nachdem ich diese mehrere Wochen ignoriert habe. Das habe ich aber letztlich mit der Medieninformatik-Vorlesung gemacht. Der Punkt, an dem ich einstieg, war der, an dem die Vorlesung gerade mit HTML/CSS fertig war und mit Javascript begonnen hatte. Glücklicherweise hatte ich letztes Semester einen Kurs zu HTML/CSS, sodass ich gerade an der richtigen Stelle einsteigen konnte.
Ich war auch heilfroh, dass ich die Mathe-Vorlesung ab jetzt sein lassen konnte. Nichts gegen die Mathe-Vorlesung, aber ich habe diesen Stoff in meinem Chemie-Studium in einer deutlich höheren (zumindest kommt es mir so vor) Geschwindigkeit durchlebt. Das soll gar nicht heißen, dass ich die Aufgaben perfekt rechnen könnte, natürlich müsste ich mich dort wieder rein üben. Aber es ist nichts Neues für mich. Natürlich hätte auch die Möglichkeit bestanden, mir Mathe nicht anrechnen zu lassen, um es noch einmal besser zu machen und meine Note zu verbessern.
Aber ehrlich gesagt wollte ich das nicht. Ich hatte in diesem Fach Drittversuch, eine der stressigsten und unter Druck setzenden Situationen, die ich mir in einem Studium vorstellen kann, es ist das alles oder nichts. Glücklicherweise hatte ich entschärfte Bedingungen, denn im Zweifelsfall wäre die Tür, die dann erstmal langfristig geschlossen wäre, die des Chemiestudiums. Aber dennoch erzeugt diese Situation einen unglaublichen Druck. Das hatte ich durchgestanden, ich habe mich dadurch gekämpft. Ich möchte zumindest versuchen, dass diese Leistung von mir anerkannt wird. Wenn das nicht der Fall ist, dann könnte ich mich noch immer damit auseinander setzen, es besser zu machen.

Ich kann demnach generell empfehlen, frühzeitig mit den Verantwortlichen für eine Anrechnung zu reden, natürlich kooperativ zu sein bei potentiellen Nachfragen und Versuche zu starten. Klar werde ich es nicht schaffen, mir die Vorlesung "Hügelgräberbronzezeit und Urnenfelderzeit" für "Betriebssysteme" anrechnen zu lassen, um ein Beispiel zu nennen. Aber wenn beide Vorlesungen oder Kurse nicht vollkommen unterschiedliche Inhalte aufweisen, sondern sich in ECTS, Semesterwochenstunden und Inhalt (sehr) ähnlich sind, würde ich es auf den Versuch ankommen lassen. Mehr als schief gehen kann es nicht, denn das ist der schlimmstmögliche Falle: Etwas wird nicht angerechnet.